Das dürfte jeder schon einmal so oder so ähnlich erlebt haben. Man schlendert gemütlich durch die Weinberge, schaut sich hier und da um, aber letztlich endet der Spaziergang immer gleich: Man findet einen Batzen Gold. So geschehen auch vor einiger Zeit in der Gemeinde Knetzgau.

Das Besondere in diesem Fall war jedoch, dass das Gold nicht wie üblich in Barrenform am Wegrand lag, sondern eingewickelt in Plastiktüten in versteckter Position, noch dazu war das Edelmetall willkürlich anmutend eingeschmolzen, so dass es eher den Überresten einer besonders dekadenten Silvesterfeier glich, bei der man sich dazu entschied, beim traditionellen Bleigießen Gold statt Blei zu verwenden.


Fahrräder, Kleidung, Accessoires und nun auch Gold


An dieser Stelle sei erwähnt, dass das kein schlechter Scherz ist, zumindest den Kern der Geschichte betreffend: Bei Knetzgau hat
tatsächlich jemand in einem Weinberg eingeschmolzenes Gold im Wert zwischen geschätzten 7000 und 8000 Euro gefunden und den spektakulären Fund an die Polizei übergeben. Das war im Februar. Nachdem die Polizeiinspektion in Haßfurt einen Überprüfungsvorgang abgeschlossen hatte, wurde das Gold schließlich der Gemeinde Knetzgau überreicht. Die bewahrt es nun auf als Fundsache, so wie sie dort auch Fahrräder, Handtaschen und allerhand anderes Zeug als Fundsachen aufbewahrt. Erst am Dienstag haben die Behörden diesen außergewöhnlichen Fall publik gemacht, nachdem bislang niemand Eigentumsansprüche an dem wertvollen Fund geltend gemacht hatte.

Dass das Gold echt ist, daran hat Robert Selig kaum Zweifel. Dafür sprächen Gewicht, Konsistenz und weitere Indizien, erklärt der Leiter der Hauptverwaltung Knetzgau, ohne zu viel verraten zu wollen, denn: Die Gemeinde sucht weiterhin den Eigentümer des Goldes, der noch Zeit hat, sich fristgerecht zu melden bis zum 30. April des kommenden Jahres. Und weil die Gemeinde nur die Möglichkeit hat, anhand einer exakten Beschreibung der güldenen Fundsache den Eigentümer zu ermitteln, wählt Robert Selig seine Worte vorsichtig. Der genaue Fundort? Keine Details. Ein Weinberg auf Gemeindegebiet. Das Aussehen? Ein Detail: Es ist unförmig.


Ein Drittel des Goldes darf aufs Bild

Um der aufdringlichen Fragerei der FT-Redaktion ein wenig Einhalt zu gebieten, schließlich der Kompromiss: Ein Foto wäre in Ordnung, das Gold darf aber nur zum Teil zu sehen sein. Die Verwaltung übernimmt das Fotografieren, denn klar ist: Je mehr Menschen das genaue Aussehen des Goldklumpens kennen, desto mehr könnten auch versuchen, sich als Eigentümer auszugeben. Also zeigt das Foto (siehe oben) etwa ein Drittel des wertvollen Gutes. "Es hat auch schon jemand Ansprüche angemeldet", allerdings erfolglos, sagt Selig. Das war, kurz nachdem die Sache publik gemacht worden war.

Wo das Gold herkommt und warum es so im Weinberg lag, darüber kann der Verwaltungsleiter nur spekulieren. "Es ist nicht nachvollziehbar. Und es ist auf jeden Fall kein historischer Fund im Sinne eines Schatzes", sagt er. Dann nämlich hätten sich der Finder und der Eigentümer des Grundstückes, auf dem der Schatz gefunden wurde, den (Geld)wert teilen müssen: In Bayern gilt die sogenannte Hadrianische Teilung uneingeschränkt, während in den meisten anderen Bundesländern bei Schätzen der Staat Besitzansprüche geltend macht.

Im Fall des Goldfundes von Knetzgau jedoch stehen die Chancen gut, dass der Finder (er stammt nach den Angaben Seligs aus der Gemeinde Knetzgau) nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist der neue Eigentümer wird. Der Finder habe bereits Ansprüche angemeldet und Selig glaubt nicht, dass sich ansonsten ein Eigentümer ermitteln lässt.


Polizei überprüft Hintergrund

Bei der Polizei in Haßfurt hatte man den Goldfundfall zunächst im Februar auf dem Tisch, denn der Finder hat - wie es das Gesetz verlangt - die Fundsache bei einer Behörde abgegeben, in diesem Fall bei der Haßfurter Polizeiinspektion (PI). Der Leiter der PI, Peter Neder, war damals noch nicht in Haßfurt eingesetzt, beschreibt aber den Ablauf, der üblich ist: "Wir haben die Eigentumssicherung sicher zu stellen." Wenn es sich bei einem Fundstück etwa um Geld, Gold oder Schmuckstücke handelt, wird außerdem überprüft, ob möglicherweise ein Straftatbestand damit in Zusammenhang steht. Bei Gold etwa ließe sich anhand der Legierung, der Beschaffenheit und gegebenenfalls einer Nummer gut nachvollziehen, woher es stammt und ob es zum Beispiel als gestohlen gemeldet ist. Bei dem Gold aus Knetzgau gab es keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit einer Straftat. So wurde es zur Fundsache.