Wegen Betrugs wurde der im nördlichen Bereich des Haßbergkreises wohnende Mann nun zu einer zweimonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.
Eloquent versuchte der in Anzug und Krawatte erschienene Angeklagte, sich herauszureden. Er habe sich von dem Anwalt regelrecht "über den Tisch gezogen gefühlt", gab er zu Protokoll. Da von Seiten des Advokaten neben der Akteneinsicht und den Kopien gerade mal zwei kurze Schriftsätze angefertigt worden seien, wären die beiden Rechnungen über insgesamt 460,87 weit überzogen gewesen, begründete er seine Meinung.
Zudem habe nie ein echtes Beratungsgespräch stattgefunden und ein zehnseitiges Schriftstück habe er selber verfasst. Um seine Ansicht zu untermauern, zitierte er aus einem Schreiben der Bamberger Rechtsanwaltskammer, die die erhobenen Gebührensätze angeblich ebenfalls als überhöht bewertet hätte.


Schulden drücken



Der als Zeuge gehörte geschädigte Anwalt hielt dagegen die strittige Gebühr für absolut angemessen. Er hat sich zwischenzeitlich zivilrechtlich auf einen Vergleich von 230 Euro eingelassen. Um das bezahlen zu können, versetzte der als Bausachverständiger tätige Angeklagte einen handsignierten Kunstsiebdruck im Pfandhaus. Ihn drücken nämlich Schulden, die er auf rund 40.000 Euro bezifferte.
Dass er diese massiven finanziellen Probleme dem von ihm beauftragten Rechtsbeistand verschwieg und trotz Erinnerungen, Mahnungen, Mahn- und Vollstreckungsbescheid keinerlei Zahlung leistete, wertete Staatsanwalt Christoph Lehmann als geschicktes Täuschungsmanöver des gelernten Fliesenlegermeisters. "Sie haben den Anschein der Seriosität erweckt, um Leistungen zu erschleichen", warf er ihm vor.
Als selbst der telefonische Anruf durch die Sekretärin der Anwaltskanzlei nichts fruchtete, legte der Jurist das Mandat nieder. In dieser Situation trifft das unter Rechtsgelehrten kursierende humoristische Sprichwort "Ohne Schuss kein Jus." Mit anderen Worten: Wer sein Recht vor Gericht erstreiten will, muss zunächst einmal - mitunter tief - in die Tasche greifen und einen Vorschuss leisten.
Vier einschlägige Vorstrafen zieren den Eintrag des noblen Herrn im Bundeszentralregister. Darunter befinden sich Mietbetrügereien, als er mit seiner Lebensgefährtin eine Schadensspur quer durch die Landkreise Haßberge und Schweinfurt zog. Das ging so weit, dass sich Vermieter untereinander vor dem Betrügerpaar warnten.
Vor diesem Hintergrund stimmte der Anklagevertreter einer Einstellung des Verfahrens nicht zu. Mit dem Urteilsspruch zeigte sich der Betroffene allerdings in keiner Weise einverstanden. Noch im Gerichtssaal erkundigte er sich über die Modalitäten einer Berufung beim Bamberger Landgericht.