Auf dem Schlachtfeld von Solferino wurden 1859 bis zu 30 000 Soldaten getötet oder verwundet. Die meisten fielen nicht im Kampf, sondern erlagen später den Folgen ihrer Verletzungen. Diese Erfahrungen ließen in dem Schweizer Henry Dunant die Idee von "Hilfsgesellschaften für Verwundete" reifen. Sein Appell an das Gewissen der Welt führte vor 150 Jahren (1863) zur Gründung des Roten Kreuzes.

1866 "Comite" in Haßfurt

Vier Jahre früher als bislang angenommen fasste der Rot-Kreuz-Gedanke 1866 in Haßfurt Fuß. Die große Schlacht zwischen Bayern und Preußen bei Bad Kissingen führte damals zur Gründung eines "Comites für Verpflegung verwundeter Soldaten". Vor allem Frauen versorgten die in Haßfurt liegenden verwundeten und kranken Soldaten. Jeden Tag trafen hunderte Verwundete ein. Durchfahrende erhielten Speisen und Getränke, "wofür Tränen des Dankes keine Seltenheit waren", wie der Bürgermeister notierte.

Als vier Jahre später, 1870, der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, begannen in den vier Amtsstädten Haßfurt, Ebern, Eltmann und Hofheim erneut Honoratioren, den humanitären Gedanken Dunants zu beleben.

Am 6. März 1870 etablierte sich in Haßfurt ein "Frauenverein zur Pflege und Unterstützung der im Felde verwundeten und erkrankten Krieger." Ähnlich lief es in Hofheim und Ebern. In Haßfurt standen an der Spitze Christiane Freiin von Dietfurt (Obertheres), Elise Amberg, Eva Baur, Kathinka Hohmann und Helene Kopp. Männerzweigvereine gründeten sich in Haßfurt und Zeil. Die Zeiler erhielten später zum Dank sogar Siegestrophäen aus Frankreich zugesandt: zwei Gewehre, einen Munitionswagen, eine Ulanenlanze sowie einen Helm und zwei Trommeln. Das alles sollte den nachfolgenden Generationen gezeigt werden.

Lazarett im Wildbad

Im Haßfurter Wildbad und im Schloss Obertheres richtete man notdürftig Lazarette ein. Die Frauen halfen hier, und sie trafen sich auch in Schulen und Rathäusern, um das Verbandszeug herzustellen. Die patriotische Pflicht stand vorne an. Im Haßfurter Intelligenzblatt hoben die Initiatoren hervor, dass es gegenüber den "in den furchtbarsten Schlachten stehenden Soldaten aus der Heimat eine nationale Schuld abzutragen" gelte. Es sei eine "Ehrenpflicht, den in diesem heiligen (!) Kampfe stehenden Kriegern beizustehen". Schließlich würden sie "die französischen Ungeheuer davon abhalten, deutschen Boden zu betreten", hieß es damals.

Die Zeiler nahmen sich an den Haßfurtern ein Beispiel. Ihr "Comite für verwundete und durchreisende Krieger" führten der Stadtpfarrer Ebert, der Arzt Hümmert, Lehrer Sippel und Apotheker Stadler. Als Kassier fungierte Bürgermeister Burger. Sehr schnell richtete dieser "Hilfsverein des Roten Kreuzes" im Rathaus ein Lazarett für 20 Patienten ein.

Das Verbandsmaterial (Binden, Kompressen, Watte) fertigten und spendeten die Frauen. Die Zeilerinnen etwa nähten Hemden, Krankenhosen, Leibbinden, Socken und Fußlappen. Das Zeiler "Vereinsspital" erhielt auch von Nachbarorten Gaben. Im Oktober 1870 lagen im Zeiler Rathaus sieben bayerische und vier preußische Soldaten. Vier Jahre vorher hatten sie sich noch als Gegner bei Bad Kissingen gegenüber gestanden.

Katheder und Ätzstifte

Viele chirurgische Instrumente, Apparate und Arzneien gab es nicht. Eine Aufstellung ist erhalten: ein Katheter, eine Spritze, mehrere Uringläser, Speigläser, je ein Thermometer und eine Sitzbadewanne, zwei Luftkissen aus Kautschuk sowie Chlorkalk, Höllensteine (Ätz stifte), Eisenvitriol und Eisenzucker. An "Erquickungssachen" mangelte es nicht: 150 Flaschen Wein und 2000 Maß Bier, 100 Flaschen "Liqueur" und Branntwein sowie 6000 Zigarren und 100 Pfund Tabak gab es für die Verwundeten. Die Zeiler übernahmen Kost und Verpflegung für das Lazarett. Gut situierte Bürger stifteten Nachtstühle, Bettstätten und auch Einrichtungsgegenstände.

Im Bezirk Hofheim etablierte sich zeitgleich ein Zweigverein mit 228 Mitgliedern aus 36 Orten (darunter Maßbach im heutigen Landkreis Bad Kissingen). Fünf Ärzte halfen; im dortigen Krankenhaus hatte das Lazarett 15 Betten.

In der Friedenszeit unterstützten die Helfer Bedürftige mit Nahrung und Kleidung. Für Kinder gab es Weihnachtsbescherungen. Wöchnerinnen erhielten in den ersten 14 Tagen Suppen und Fleisch.

Akteure des nach dem Frankreichfeldzug aufgelösten Zeiler Hilfskomitees waren zwei Jahre später erneut tätig: In Zeil wütete die Cholera.

1877 rief das Rote Kreuz im Bezirksamt Haßfurt dazu auf, Geld und Verbandszeug für die Verwundeten der russischen und türkischen Heere zu spenden. Ausdrücklich wies man politische Sympathien von sich.

Das Sanitätswesen nahm vor allem mit der Gründung der Feuerwehren Aufschwung. 1888 gründete sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Zeil ein Sanitätsdienst mit den beim Militär ausgebildeten Sanitätern Johann Schönmüller, Kaspar Brecht, Martin Steigner und Johann Oppelt. Vielfach ging von Turnvereinen die Initiative zur Gründung des Roten Kreuzes aus.

Weltkrieg ist Triebfeder

Auch der Erste Weltkrieg war eine Triebfeder: In Haßfurt, Hofheim und Ebern etablierten sich Rot-Kreuz-Frauenvereine, die die Soldaten mit Kleidung, Hygieneartikeln, Nahrung und, was sich im Tornister einpacken ließ, versorgten. In Ebern hatte man schon 1914 eine Freiwilligen-Sanitätskolonne mit Männern gegründet.

Im Mai 1918 traf in Haßfurt ein Sanitätszug mit 70 Verwundeten ein. Central- und Wildbadsaal waren Lazarette geworden. Doch eine Sanitätskolonne wurde erst im September 1923 gegründet und hatte 40 aktive Männer. 1927 kaufte man den Schweinfurtern einen Krankenkraftwagen ab. 1932 hatte Haßfurt ferner ein Lastauto, eine fahrbare Tragbahre, fünf Krankentragen, fünf Scheinwerfer, vier Verbandstaschen, sechs große Verbandskoffer, einen Arztkoffer und sechs Einzelhelfer-Verbandstaschen.

1924 gab es in Zeil eine Sanitätskolonne. 1934 kam die Frauenbereitschaft hinzu.

Zwar war 1912 in Eltmann ein Frauenzweigverein des Roten Kreuzes entstanden, der sich im Krieg engagierte. Doch erst 1928 kam die Männerkolonne hinzu. Ihr Leitspruch: "Bist du im Herzen wohl gesonnen, so gründe Sanitätskolonnen." Mit einem zündenden Spruch warb 1932 auch Haßfurt: "Das Rote Kreuz auf weißem Grund, ist hilfsbereit zu jeder Stund."

1945 gehörten zu den ersten Maßnahmen der US-Militärregierung, das Rote Kreuz wiederzubeleben. Landrat Baron Jobst von Zanthier aus Schmachtenberg übernahm die Führung des neuen Kreisverbandes.

So wie die Sanitätskolonne Zeil betreute man auch in anderen Städten die Kriegsheimkehrer mit Geld- und Sachspenden. Der Suchdienst klärte unzählige Vermissten-Schicksale auf. Ein Raum ist im Rot-Kreuz-Museum in Hofheim allein dem Suchdienst gewidmet. Der 1956 aus Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Pfarrer Franz Müller in Haßfurt bezeichnete das Rote Kreuz als "15. Nothelfer". Er war ebenso eine wegbegleitende Persönlichkeit wie der Zahnarzt Aquilin Markl aus Zeil. 1959/60 entstand durch sein Betreiben das neue Rot-Kreuz-Haus in Haßfurt, das ursprünglich in Zeil entstehen sollte.

Die Dienstleistungen haben immens zugenommen. Waren 1973 inHaßfurt nur zwölf Angestellte tätig, so hat sich die Zahl seitdem mehr als verzehnfacht.