Die Mitglieder des Radsportclubs Ebern sind alle begeisterte Rennradfahrer im Alter von 26 bis 78 Jahren. Und der Verein kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Bereits 1895 wurde der Klub auf amtliche Anordnung gegründet, und hat dann, wie viele Vereine in den Wirren der Kriegsjahre, pausiert. Seit 1999 gibt es die begeisterten Radler in der heutigen Form.

Frank Hoff war es, der den Klub 1999 wieder aktiviert hat, Radsportbegeisterte um sich scharte und den Radclub bis 2004 führte. In dieser Zeit gab es neben Ausfahrten regelmäßige Treffen am Stammtisch. "Nach 2004 wurde der Radclub als Abteilung in den TV Ebern eingebunden. Jeder, der Lust am Rennradeln hatte, konnte Mitglied werden", sagt Bernhard Schmidt.

Harald Barth, Wolfgang Barth, Rainer Haseloff, Frank Hoff, Bernhard Schmidt und Mario Siegel waren quasi die "Gründer" des derzeitigen Radclubs. Ein eingetragener Verein ist er nicht, gehört aber neben der Abteilungszugehörigkeit zum TV Ebern auch zum Sport- und Kulturverein Ebern. Derzeit sind 41 Mitglieder aktiv. Bernhard Schmidt fungiert als Abteilungsleiter, Mario Siegel als sein Vertreter.

Hambach und Itzgrund

Es ist Samstagnachmittag. Nach und nach treffen sechs Sportler im Vereinstrikot an ihrem Treffpunkt auf dem Parkplatz des Aktivmarktes am "Strasser Kreisel" in Ebern ein. Strass im österreichischen Zillertal, die Patenstadt von Ebern, war schon Ziel der Eberner Radler.

An diesem Samstag haben sich einige spontan zu einer kurzen Tour getroffen. "Das funktioniert meist über WhatsApp", erläutert Maik Werner. Geplant ist eine Tour über den Hambach und entlang des Itzgrundes. Nach einer kurzen Besprechung wird in die Pedale gestiegen.

Los geht es in Richtung Untermerzbach mit einem Tempo, bei dem man nur staunen kann. Die beiden Senioren sind Josef Gebhardt aus Ebern und Rainer Haseloff aus Rentweinsdorf. "Wir sind 78 Jahre, wobei Gebhardt drei Monate älter ist", sagt Haseloff. Er war gezwungen, Fahrrad zu fahren, als er mit 14 Jahren zur Schule ging. "Ich hatte einen Schulweg von 15 Kilometern. Da war man froh, einen Drahtesel zu haben", sagt er.

Ins "Rennen" eingestiegen ist Haseloff 1978 und hat seitdem Aufzeichnungen über seine Touren und Strecken im Computer. "Die vergangenen 15 Jahre bin ich jährlich im Durchschnitt etwa 11 000 Kilometer gefahren. Hochgerechnet kommen 165 000 Kilometer zusammen." Das ging natürlich nicht immer alles ohne Blessuren. Mehrere Stürze, meist wegen Glatteis oder Laub, hat er zu verzeichnen. "Meine schlimmste Verletzung war ein Beckenanbruch", sagt er, und schmunzelt: "Jetzt, in meinem Alter, werden die Berge immer höher und die Kilometer immer länger."

Die Radler sind mittlerweile im Hambach, zwischen Ebern und Untermerzbach, einer beliebten kurvigen Strecke für Motorradfahrer, angekommen. Das sind Maik Werner, Peter Schauer, Norbert Arndt, Stephan Elflein, Jürgen Janicek und Michael Lang. Es ist beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit und Seitenlage sie die Kurven nehmen und in Richtung Untermerzbach brausen.

Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich die Radler in ihrem Vereinslokal "Bei Peppo" in Sandhof. "Zuletzt war das leider wegen Corona nicht möglich", sagt Schmidt. Bei der Radtour am Samstag ist auch Norbert Arndt aus Eyrichshof dabei, der mit 57 Jahren an diesem Tag der Älteste der sechsköpfigen Gruppe ist. Seit zehn Jahren radelt er mit. "Hobbymäßig fahre ich im Jahr um die 2500 Kilometer, mit meinem Mountainbike nochmal so 1500 Kilometer."

Welche gemeinsamen Unternehmungen stechen heraus? "Wir hatten ein Trainingslager über zehn Tage auf Mallorca. Im Frühsommer folgt eine Radwoche in Südtirol oder Kärnten, wo wir mehrere Pässe wie das Stilfser Joch, den Karer- und Mendelpass, das Penser Joch, den Jaufenpass und das Timmelsjoch in Angriff nehmen", erläutert Bernhard Schmidt. Ab dem 27. Juni nehmen die Radler an einer Bayernrundfahrt teil.

Die Rennradler haben durch ihre Trikots ein einheitliches Erscheinungsbild. Wer das teuerste Fahrrad hat, vermag der Abteilungsleiter gar nicht zu sagen. "Unsere Mitglieder haben überwiegend Carbonräder mit hochwertigen Komponenten, da liegen die Preise jenseits der 3000 Euro und sind nach oben offen", so Schmidt.

Und worauf sollte man beim Kauf eines Rennrades achten? "Entscheidend ist, zu was man es verwenden möchte. Es ist auf die richtige Größe zu achten. Auf jeden Fall sollte eine Probefahrt vereinbart werden", so Bernhard Schmidt. Als wichtig erachtet er auch, ein Auge auf den Service zu richten, weshalb der Radfachhändler in der Nähe sein sollte. "Da sind Anbieter in der Nähe die beste Adresse."

Wie viele Kilometer jeder im Jahr fährt, hänge von der ganz persönlichen Verfassung ab. Wer die meisten Kilometer "auf dem Buckel" hat, könne er nicht sagen. Einige würden jenseits der 15 000 Kilometer fahren.

Ein solcher ist Maik Werner aus Ebern, der seit elf Jahren Rennrad fährt. "Dieses Jahr denke ich, dass ich die Marke von 20 000 Kilometern erreiche", sagt er. Sein aktuelles Bike hat er seit 2016. Und musste tief in die Tasche greifen - 4500 Euro.

Auf Touren gebe es schon mal technische Probleme wie Reifenpannen, gebrochene Speichen oder abgerissene Pedale. Auch Stürze lassen sich nicht ausschließen. Schmidt beklagt das mangelnde Verständnis mancher Autofahrer, die in zu geringem Sicherheitsabstand überholen, der 1,5 Meter betragen muss.

Schön sei, dass man auf manchen Touren mit Gleichgesinnten in Kontakt komme. "Es ist ein tolles Gefühl, über Ausfahrten, Technik und radspezifische Themen zu sprechen", sagt Schmidt. Radsport sei eben nicht nur, aufs Rad zu steigen und in die Pedale zu treten. Man müsse verstehen, was im Körper vorgeht, und durch das Trainieren einschätzen können, was man sich zumuten kann. Dazu sagt Stephan Elflein: "Wichtig sind vor allem die Waden- und Oberschenkelmuskel."