Immer mal wieder stößt man im Internet auf Fotos von Leitpfosten, die mit einem empörten Kommentar à la "Achtung! Das sind die neuen Blitzer!" beschriftet sind. Und wie das Internet so ist, finden sich genug Trolle, die die Information ernst nehmen, sich ebenfalls empören und durch ungeprüftes Weitersagen eine Lawine von Spekulationen in Gang setzen ("die Straßenrandverschwörung!").
Radargeräte für die Statistik
Die speziellen Leitpfosten messen tatsächlich die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge mithilfe eines Radargerätes. Mehrere dieser Geräte sind auch im Landkreis Haßberge aufgestellt, wie Bernd Hotzel von der Tiefbauverwaltung im Landratsamt des Landkreises Haßberge bestätigt. Zu befürchten hat aber trotzdem niemand etwas: Die Pfosten zählen in erster Linie die passierenden Vehikel, daneben werden auch Daten wie Geschwindigkeit und Fahrzeugtyp erfasst, um eine umfangreichere Auswertung zu ermöglichen - anonym, versichert Hotzel.

Die Informationen dienen verschiedenen Behörden unter anderem als Grundlage für Entscheidungen für (oder gegen) den Ausbau von Straßen. Sowohl der Bund mit seinen Staatlichen Bauämtern als auch die Landkreise über die Landratsämter nutzen diese Daten. "Manche Leute haben Bedenken, dass die Nummernschilder aufgenommen werden. Aber es werden nur die Fahrzeuge erfasst", sagt er. In den Leitpfosten sind keine Kameras verbaut, die Personen oder Kennzeichen aufnehmen könnten.

Achsen zählen mit Mikrofon

Voller Hightech stecken die nach Hetzels Angaben etwa 2500 bis 3000 Euro teuren Teile aber dennoch. In so einem Pfosten ist ein Radargerät verbaut, das in einem bestimmten Bereich alles erfasst, was sich ihm nähert. Das "Gesichtsfeld" der Teile ist dabei so angelegt, dass mögliche Irritationen etwa durch Tiere abseits der Straße möglichst gering ausfallen.

Die Sensoren darin sind so sensibel, dass Fahrzeuge auch klassifiziert werden können. So wissen später die Behörden, welche Fahrzeuge in welchen Zeitabständen und mit welcher Geschwindigkeit vorbeigefahren sind. Hotzel erklärt, dass zum Beispiel über ein Mikrofon die Achsen des Vehikels gezählt werden, was Rückschlüsse auf die Größe des Fahrzeugs zulässt. Zudem kann das Gerät dabei auch noch feststellen, ob der Motor bei einem größeren Fahrzeug vorne oder hinten verbaut ist - "Motor vorne heißt Lkw, Motor hinten Omnibus", erklärt Hotzel. Die Daten werden dann direkt vom Leitpfosten an einen Server übertragen und von einem Dienstleister den Behörden zur Verfügung gestellt.

Manuell zählt nur das Bauamt

321 Kilometer an Kreisstraßen gibt es im Kreis Haßberge. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren wird mit Hilfe einiger weniger Spezial-Leitpfosten der gesamte Verkehr gezählt: Wöchentlich werden die Pfosten an anderen Abschnitten eingesetzt, erklärt Hotzel. Früher zählten Menschen am Straßenrand, heute übernimmt das die Technik.

Auch beim Staatlichen Bauamt Schweinfurt, das für die Staats- und Bundesstraßen im Kreis Haßberge zuständig ist, nutzt man Leitpfostenzählgeräte. Es werde aber auch noch per Hand gezählt, erklärt Alexander Schlegel von der Planungsabteilung. An viel befahrenen, mehrspurigen Straßen oder verkehrsreichen Kreuzungen etwa sei das der Fall.

Hier sind die Daten auch immer für die meisten Kommunen im jeweiligen Landkreis interessant: Führt etwa eine Gemeindeverbindungsstraße hin zu einer Staatsstraße und liegt das Verkehrsaufkommen an der Verbindungsstraße bei über 20 Prozent im Vergleich zur Staatsstraße muss sich die Kommune an den Kosten eines möglichen Ausbaus eines Teilabschnittes im dortigen Bereich beteiligen.