Der Streit um den Recyclingbetrieb Loacker in Wonfurt geht weiter und nimmt an Schärfe zu. Auf der einen Seite wird die Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt" auf eine Geduldsprobe gestellt, weil die ersten Ergebnisse der Messstationen, die rund um Loacker installiert wurden, erst in einigen Wochen vorliegen werden. Zum anderen reagiert das Landratsamt in Haßfurt immer dünnhäutiger auf die anhaltende Kritik.
Landrat Rudolf Handwerker (CSU) hat in einer Erklärung am Freitag mit scharfen Worten Vorwürfe zurückgewiesen, die jüngst bei der Bürgerversammlung in Wonfurt und in deren Umfeld gegen das Landratsamt und die Regierung von Unterfranken erhoben worden waren.
Mitglieder der Bürgerinitiative hatten den Behörden vorgeworfen, sie verharmlosten die Gefahr, die von dem Betrieb ausgeht, und gäben Entwarnung, obwohl nicht bekannt sei, welche Giftstoffe beim Elektroschrott-Recycling entstehen.

Untersuchungen

Das stimmt nicht, sagt der Landrat: "Es ist aufgrund einer Vielzahl an Untersuchungen genau bekannt, welche Inhaltsstoffe der Staub enthält." Entscheidend sei aber, welche Stoffe in die Umwelt kommen. Und hier sieht der Landrat, wie er betont, nach den bisher vorliegenden Ergebnissen "zum jetzigen Zeitpunkt weder eine gesundheitliche Gefährdung der Mitarbeiter noch der Anwohner durch Staub, Schwermetalle im Staub oder organische Verbindungen". Dass es zu Gesundheitsbeeinträchtigungen oder Bodenverunreinigungen in den Nachbarorten Obertheres oder Wülflingen gekommen ist, ist laut Handwerker für die Fachbehörden "ausgeschlossen".
Der Landrat kritisiert in seiner Stellungnahme weiter, dass bei den Veröffentlichungen der Bürgerinitiative immer wieder Begriffe durcheinander gebracht würden. Im Gegensatz zum Staub, der beim Umgang mit dem Elektroschrott entsteht, könnten Dioxine und Furane erst bei Temperaturen von 300 Grad freigesetzt werden. "Diese Temperaturen werden bei normalem Betrieb nicht erreicht", betont Handwerker.

Keine Brände mehr

Denkbar sei es allenfalls, dass derlei Schadstoffe bei einigen Schwelbränden in der Loacker-Anlage entstanden sein könnten. " Auf Veranlassung des Landratsamtes sind ... Maßnahmen umgesetzt worden, die das Auftreten künftiger Verschwelungen und Brände verhindern sollen. Seit dem 15. November 2011 sind keine Verschwelungen mehr aufgetreten", betont der Landrat und weist "den Vorwurf der Untätigkeit auf das Schärfste zurück".
Auch seiner Informationspflicht habe das Landratsamt Genüge getan: "Sämtliche Daten wurden sofort herausgegeben und stehen seit 21. Dezember 2011 auch im Internet auf der Homepage des Landkreises Haßberge", sagt Handwerker. Auch bei mehreren Gesprächen seiner Behörde mit Vertretern der Bürgerinitiative seien "keine Fragen offen geblieben".