Poetry Slam wörtlich übersetzt bedeutet Dichterschlacht. Es möge der mit den besseren Worten gewinnen, war demnach am Samstag, 4. März, im Haßfurter "Silberfisch", dem Ganztagsbetreuungsgebäude des Schulzentrums, das Motto des sechsten Poetry Slam, bei dem acht junge Slammer um die Gunst des Publikums gekämpft haben.

Bei solchen Wettbewerben können neben professionellen Slammern auch Neulinge teilnehmen. Für alle gelten die selben Regeln: Nur selbstgeschriebene Texte vortragen, Zeitrahmen im Auge behalten und ohne Requisiten auftreten. Wer sich am besten geschlagen hat, entscheidet dann das Publikum.

Neben den Geübten Yannick Steinkellner, Lennat Hamann, Friedrich Chiller, Helmuth Steierwald und Yannik Sellmann sind in Haßfurt der 79-jährige Westheimer Hilmar Heyn und die Maßbacher Anton (22 Jahre) und Jehanne Worch (19 Jahre) angetreten. Die sogennanten "Locals", meist noch unerfahrene Teilnehmer aus der Gegend, haben durchweg Lyrik mit Titeln wie "Sternschnuppenfänger" und "Vom Reden und Schweigen", einem Gedicht für den respektvollen Umgang miteinander, zum Besten gegeben. "Wir werden es wieder versuchen, uns war klar, dass wir nicht den ersten Platz machen", da sind sich Jehanne und Anton Worch einig.


Slogans der Aufklärung

Wer bei Poetry Slam an seichte Unterhaltung und Scheinentscheidungen à la Fernseh-Show denkt, irrt, denn verpackt in Humor war bei den professionellen Slammern vor allem eines: Gesellschaftskritik. Bereits der die eigentliche Schlacht einleitende Slam von Mitveranstalter Christian Ritter brachte eine mögliche Reaktion auf das Gegenwartsgeschehen auf den Punkt. "Wann hört das endlich auf?" hat der Slammer ausgesprochen, was sich sicherlich Viele in Zeiten Donald Trumps fragen. Sogar der kategorische Imperativ und "Sapere aude!" ("Wage es, weise zu sein!") als Slogan der Aufklärung wurden im Verlauf des Abends zitiert.

Ein dystopisches Zukunftsbild mit Erdöltankern im Sonnenuntergang und Liebe auf den ersten Blick zu einer Atemschutzmaske hat auch Yannick Steinkellner aus Graz als Folge von Luftverschmutzung, Rohstoffverschwendung und Kapitalismus gezeichnet.

Auffallend war die poetische Gestaltung seiner zwei Slams: Die fehlenden Pausen zwischen den Worten setzte der Slammer als Mittel zum Ausdruck der Ausweglosigkeit, solange niemand etwas unternimmt, ein. Ihr Fett weg bekamen auch alle Veganer und die mit "eingebildeten Intoleranzen". Slammer Friedrich Chiller aus Heidelberg hat abgesehen von seinem Talent als Entertainer mit der Parodie auf Lebensmitteltrends als Ersatzreligion und dem Appell an mehr geistigen Reichtum und Vielfalt begeistert.

Ganz anders, aber ebenso kritisch klang dank der eingesetzten Lautmalerei Lennat Hamanns Slam "Die Nacht", in dem zwei Welten aufeinander treffen: Neureicher Partyhase, der einfach nur steil gehen will, trifft auf den Erzähler, der seine Abende lieber mit echten Freunden und Gesellschaftsspielen verbringt. Die Moral von der Geschicht' laut dem Hamburger? Etwas finden, was allen Spaß macht und den Fokus auf das legen, was uns verbinden und nicht das, was uns unterscheidet.

Der Nürnberger Helmuth Steierwald hat seinem Namen als Comedian mit Aussagen wie "meine ethnische Situation ist nebulös" alle Ehre gemacht. Sein Slam bestand aus einem Spiel mit Klischees, was schon der vermeintlich "typisch deutsche" Künstlername des Sohnes einer Türkin und eines Iraners erkennen lässt.

Besonders hat das junge Haßfurter Publikum jedoch der aus München angereiste Yannik Sellmann mit einem humorvollen Ausschnitt aus seiner Schulzeit im Schatten einer Psychose und resultierende Folgen wie Mobbing und Probleme im Umgang mit Mitschülern beeindruckt. Vor allem der Kontrast zwischen der Ernsthaftigkeit sowie Intimität des Themas und der ironisch witzigen Darstellungsweise hat dem Slammer zum Sieg verholfen, so erklärten es verschiedene Zuschauer.


Finale mit dramatischem Knall

Auch im Finale konnte sich Yannik Sellmann gegen Namensvetter Yannick Steinkellner, Lennat Harmann und Friedrich Chiller mit Ausführungen zu seiner Hassliebe bezüglich des allgegenwärtigen Filmes "La La Land" behaupten und hat neben "Wertschätzung und Anerkennung" des Publikums eine Flasche Champagner und das einzige Einzelzimmer im Hotel gewonnen. Der Abend endete deshalb mit einem dramatischen Korkenknall, der zum Glück weder das Publikum noch die Scheinwerfer verletzt hat, und anlässlich der Brisanz der Themen vielen nachdenklichen Zuschauern.