Eine Hochzeit gehört zu den schönsten Ereignissen im Leben. Gerne erinnern sich die Paare an diesen Tag. Dies gilt auch für den Landkreis Haßberge und den District du Tricastin, die sich 1974 in Haßfurt und 1975 in Pierrelatte offiziell das "Ja-Wort" gegeben haben. Die 40 Jahre feierte man auf Einladung der Bürgermeisterin von Pierrelatte, Marie-Pierre Mouton, in Frankreich.


42 Besucher in Südfrankreich

Dazu reiste eine 42-köpfige Delegation aus dem Landkreis - darunter Landrat Wilhelm Schneider, die Bürgermeister Günther Werner und Michael Ziegler, der Partnerschaftsbeauftragte Kurt Sieber sowie Vertreter des Stadtrates Haßfurt, Mitglieder des Freundeskreises Haßberge-Tricastin und Musiker des Blasorchesters Sand - mit dem Bus nach Südfrankreich.
Gekrönt wurde dieses Treffen mit der offiziellen Partnerschaft nach der langjährigen freundschaftlichen Verbindung von Haßfurt und Pierrelatte, wie die Pressesprecherin des Landratsamts, Monika Göhr berichtet.

Damit ist Haßfurt - nach Eltmann und Königsberg - die dritte Stadt, die ihre Partnerschaft mit einer Kommune im französischen District du Tricastin offiziell besiegelt hat. Landrat Schneider freute sich, dass der Landkreis Haßberge vor über 40 Jahren Wegbereiter war und Pionierarbeit geleistet hat. "Kommunale Partnerschaften, wie die unseren, tragen zur Friedenspolitik und Stärkung des europäischen Bewusstseins bei", machte er deutlich. "Die Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Haßberge und aus dem District du Tricastin sind fleißige Handwerker, die gemeinsam am Haus Europa bauen. Daran mitzuarbeiten, ist ein Geschenk, über das wir uns glücklich schätzen dürfen."


Echte Freundschaften sind gewachsen

Nach über 40 Jahren besteht mittlerweile eine echte Freundschaft zwischen den Menschen. Die deutsch-französische Partnerschaft wird gelebt. "Erfreulicherweise stellen gerade die Jugendlichen eine große Zahl der aktiven Austauschpartner", so Schneider. Vor allem der Schüleraustausch der Gymnasien Ebern und Haßfurt sowie der Realschule Eltmann verdeutliche, wie groß die gegenseitige Neugier ist.

Damit werde nicht nur der Weg für viele weitere Jahre der Partnerschaft bereitet, sondern die deutsch-französische Beziehung im Ganzen gestärkt. Der Landrat dankte allen engagierten Förderern und Pionieren der Partnerschaft: Walter Keller, Rudolf Handwerker, Kurt Sieber, Ingrid Fächer, Armin Kudella, Jean Mouton, Tom Bodinier, Colette Daudel, Bernard Martini, Jacques Grand-Salangros, Michael Germain und Christian Coudert. Und Schneider betonte: "Zwischen den Haßbergen und dem District du Tricastin werden immer über 1000 Kilometer liegen, aber ich bin mir sicher, dass sich die rund 13 Stunden Busfahrt auch in Zukunft lohnen werden. Vielleicht sogar noch mehr denn je."


Rede auf Französisch

Der Haßfurter Bürgermeister Günther Werner hielt seine Rede sogar in Französisch. Auch er war dankbar für die vielen "Botschafter", die die Partnerschaft zwischen dem District du Tricastin und dem Landkreis Haßberge zu dem gemacht haben, was sie heute ist.

Besonders freute er sich, dass der Stadtrat von Haßfurt am 5. Oktober den Beschluss gefasst hatte, die Partnerschaft mit Pierrelatte offiziell zu begründen. "Mit dieser Partnerschaft können wir nichts besseres tun, als es unseren Bürgern - und insbesondere unseren Jugendlichen - zu ermöglichen, in persönlichen Begegnungen, viel voneinander zu erfahren", so das Haßfurter Stadtoberhaupt. Nachdem sich Pierrelatte mit ähnlichen Themen und Fragen wie Haßfurt beschäftigt, sah der Bürgermeister genügend Potenzial, um gemeinsam im gegenseitigen Austausch weiter zu kommen und auf der einen oder anderen Ebene zusammen zu arbeiten.

Bürgermeisterin Marie-Pierre Mouton freute sich über die schöne Geschichte einer wunderbaren Freundschaft, die Tag für Tag mit unlöschbarer Tinte von vielen Akteuren mitgeschrieben werde. Die Geschichte der Partnerschaft Haßberge-Tricastin sei in erster Linie "Liebe auf den ersten Blick" gewesen - eine Liebe zwischen dem früheren Haßberge-Landrat Walter Keller und der Drôme provençale, seiner Landschaft und deren Bewohnern.


Wunderschöne Momente

Daraus habe sich eine Freundschaft entwickelt, die geprägt ist von gegenseitigem Respekt und wunderschönen Momenten. "Ganz gleich ob Turner, Athleten, Majoretten, Chorsänger, Musiker, Fußballspieler, Schüler, Feuerwehrleute oder ehemalige Kriegsteilnehmer - sie alle haben mindestens einmal die Entfernung von über 1000 Kilometern überbrückt, um das Engagement unserer Vorgänger zu festigen", so Mouton. Durch diese vielfältigen Begegnungen und regelmäßigen Kontakte konnte diese Partnerschaft - auch schon in einer Zeit ohne soziale Netzwerke Früchte tragen und Authentizität bewahren. Die Bürgermeisterin wünschte sich, dass die Partnerschaft in Zukunft gelebt wird und vor Freude der Jugendlichen sprudelt.

"Wenn ich auf mein langes Leben zurück schaue, dann gibt es nur wenig, auf das ich so stolz bin, wie auf diese Partnerschaft", sagte Jean Mouton. Der damalige Bürgermeister und Mitunterzeichner der Urkunde erinnerte an die Idee und den Ehrgeiz von Landrat Keller, freundschaftliche Bande zu knüpfen. Dazu kam das Glück, die richtigen Personen für die Umsetzung des Projektes begeistern zu können. Aber noch wichtiger sei es gewesen, dass die Bevölkerung hinter der Idee steht.

"Nachdem die Zeit die Haßberge und Tricastin stark zusammengeschweißt hat, wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass unsere aktiven Politiker dies fortsetzen und das Zitat von Philippe Bouvard bestärken: Die Freundschaft ist das einzige Gefühl, das mit dem Alter stärker wird."


Unzählige Impressionen

Auf unzählige Begebenheiten und Impressionen blickte in freier französischer Rede Kurt Sieber zurück. "Mit unserer Partnerschaft haben wir zwischen dem Landkreis Haßberge und dem Tricastin ein Licht angezündet. Wichtig ist, dass jetzt die Jugend dieses Licht weiter trägt in eine Zukunft, in der Weltoffenheit, Toleranz und das Verstehen über Grenzen hinweg Vorurteile beseitigen oder durch das bessere gegenseitige Kennenlernen schon gar nicht mehr aufkommen lassen", so der Partnerschaftsbeauftragte.

Nach den Ansprachen unterzeichneten Landrat Wilhelm Schneider, Bürgermeisterin Marie-Pierre Mouton und Bürgermeister Günther Werner den in beiden Sprachen abgefassten Partnerschaftsvertrag. Bei einer Ausstellung im Pierrelatter Rathaus konnten sich die Gäste über die 40-jährige Geschichte informieren. Zum offiziellen Rahmenprogramm der Delegation gehörte die Besichtigung der Krokodilfarm sowie der Besuch einer Schmiede und einer Parfümerie.


Die Partnerschafturkunde im Wortlaut:

"Anlässlich der Feier des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen dem District du Tricastin und dem Landkreis Haßberge, beschließen wir, die Bürgermeister von Haßfurt und Pierrelatte, getragen von dem Wunsch, die Verbindungen zwischen unseren beiden Städten zu vertiefen, unser gemeinsames Engagement durch die Unterzeichnung einer Charta der Freundschaft zwischen unseren beiden Städten zum Ausdruck zu bringen.

Mit einer gemeinsamen Stimme und in vereintem Bestreben, ist es uns eine Freude, feierlich unseren Willen zu bekräftigen, das Werk fortzusetzen, das zur Förderung der Verständigung und der Brüderlichkeit zwischen unseren Völkern im Herzen Europas begonnen wurde. Wir wollen die Beziehungen zwischen unseren Mitbürgern fördern und auf diese Weise fortfahren, die freundschaftlichen Bande noch enger zu knüpfen, die uns seit mehr als 40 Jahre verbinden.

Unser Wunsch ist es, unsere ganze Kraft immer daran zu setzen, die Austauschbegegnungen zwischen Vereinen, Institutionen und Organisation unserer Städte zu stärken. Unsere besondere und wohlwollende Aufmerksamkeit wird dabei der Jugend gelten, in der sich die Zukunft der fruchtbaren Beziehungen verkörpert, die wir miteinander gestalten wollen.

Es liegt uns sehr am Herzen, den Weg unserer Vorgänger fortzusetzen, die diese Partnerschaft begründeten. Wir würdigen ihre Verdienste und verpflichten uns, ihre Arbeit im Sinne der europäischen Tradition der Gastfreundschaft und im Respekt vor unseren Traditionen und Bräuchen in einer Atmosphäre des Vertrauens und im Geiste der Solidarität weiterzuführen.

Wir sind überzeugt, dass die Bande, die unsere Städte verbinden, mitwirken werden, der europäischen Bürgerschaft Gestalt zu geben und auf diese Weise Europa erfolgreich voranzubringen. Ebenso werden wir durch unsere Austauschbegegnungen dazu beitragen, die brüderliche Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern im Geiste der Freundschaft und des Vertrauens zu stärken und die universellen Werte von Freiheit und Demokratie zu fördern.

Wir erklären, dass wir an Frieden und Freiheit festhalten und verpflichten uns, unsere Anstrengungen zu vereinen, um im vollen Umfang unserer Möglichkeiten zum Gelingen dieses so notwendigen Unterfangens für Frieden, Fortschritt und Wohlstand beizutragen: der Einheit Europas."