Weil er mittels eines Tor-Browsers im Darknet, dem "dunklen" Teil des Internets, im großen Stil Drogen wohl zum Weiterverkauf bestellt haben soll, musste ein Mann aus dem Maintal am Mittwoch auf der Anklagebank des Amtsgerichts Haßfurt Platz nehmen. Das Strafverfahren wurde eingestellt.

Laut Anklage orderte der Angeklagte auf einer Darknet-Plattform bei sieben Gelegenheiten 200 Gramm Amphetamin mit einem sehr hohen Wirkstoffgehalt von 50 bis 70 Prozent - juristisch: das 13,5 -fache der nicht geringen Menge. Außerdem soll der Angeklagte 360 Ecstasy-Pillen mit einem Wirkstoffgehalt, der dem 2,5 -fachen der nicht geringen Menge entspricht, bestellt haben.

Auf die Schliche kamen die Ermittlungsbehörden dem Angeklagten durch die Operation "OP Onimus" des Bundeskriminalamts, bei der im Jahr 2014 Darknet-Plattformen ins Visier genommen wurden. Dabei stießen die Ermittler auch auf Drogenbestellungen, die mit dem Namen des Angeklagten, der im Internet - wie im Darknet üblich - mit einem "Nickname", einem Fantasienamen, auftrat.

Bei der darauf folgenden Hausdurchsuchung im September 2017 fanden Polizeibeamte der Kripo Schweinfurt Kleinmengen an Drogen, einen Joint sowie Drogenutensilien. Die Daten des Handys des Angeklagten konnten nicht ausgelesen werden. Auf seinem Laptop hatte er zwei Tor-Browser installiert, die die Beamten vor große Probleme stellten: Denn wenn der Tor-Browser geschlossen ist, seien alle Daten und das Surfverhalten weg, da der Tor-Browser keine Daten speichert, sagte ein Beamter der Kripo Schweinfurt vor Gericht. Ebenso konnte nicht festgestellt werden, ob die Bestellungen überhaupt bei dem Angeklagten ankamen.

Um umfangreichere Informationen zu erhalten, hätte man Speichermedien aus dem Laptop ausbauen müssen. Dabei wäre jedoch das Gerät zerstört worden, was den Beamten unverhältnismäßig erschien.

Der Angeklagte machte vor Gericht keine Angaben. Sein Verteidiger Jochen Kaller bezeichnete die angeblichen hohen Wirkstoffkonzentrationen als "fragwürdig" und sagte, dass sein Mandant höchstens wegen der in seiner Wohnung gefundenen Kleinmenge an Drogen verurteilt werden könne. Der Rest der Anklage sei nicht nachweisbar, so der Anwalt.

Mit den Worten "böse Buben kommen wieder" willigte die Staatsanwältin in eine Einstellung des Verfahrens ein. Als Auflage verhängte das Schöffengericht eine Geldbuße in Höhe von 1800 Euro, die der Angeklagte an die Suchtberatung der Caritas berappen muss.