Seit Juli 2011 ist das Tierheim in Haßfurt geschlossen. Wohin also mit den Fundtieren? "Wenden Sie sich bitte an die nächste Polizeiinspektion", steht auf einem Zettel am verriegelten Tor des Tierheims an der Kleingartenanlage. Streunende Katzen und Hunde auf die Wache? Nein.
Nach der Schließung des Tierheims hat die Tierschutzinitiative (TI) Haßberge unter der Leitung von Britta Merkel die Fundtierbetreuung übernommmen. Provisorisch. Einige Tiere wurden auf andere Heime in der Region verteilt, die anderen wohnen jetzt auf Merkels privatem Hof in Oberschwappach mitten im Ort. Keine Lösung auf Dauer. Doch sie bleibt vorerst bestehen. Zunächst war die Betreuung in Oberschwappach bis zum 31. Dezember 2011 vertraglich geregelt. 2012 sollte das Haßfurter Tierheim wieder in Betrieb gehen, diesmal unter Leitung der TI .
Das dachten zumindest das Landratsamt und auch der vormalige Betreiber, der Tierschutzverein Haßfurt Stadt und Land, dem die Gebäude auf dem städtischen Grundstück gehören. Doch es kam anders: Laut Britta Merkel ist das Areal dort nicht geeignet. Haßfurts Hauptverkehrsader entlang des Gewerbegebiets Ost führt direkt an der Einrichtung vorbei. Außerdem sind in der Umgebung weitere Baumaßnahmen geplant, das Tierheim läge mitten darin. Zum Ausführen der Hunde bleibt da wenig Platz.
Und ein freilaufendes Tier "würde zwangsläufig auf eine vielbefahrene Straße geraten", befürchtet Merkel.

Die Suche dauert an


Also: Ein neues Tierheim soll her. Doch die Suche nach einem geeigneten Objekt dauert an. Die Fundtierbetreuung in Oberschwappach wurde durch das Landratsamt Anfang 2012 zunächst bis Ende März gestattet. Und dann wieder verlängert: Momentan ist sie befristet bis 30. Juni dieses Jahres. "Wir sind dabei, den Vertrag zu verlängern", erklärt Werner Hornung, Leiter des Veterinäramts im Landratsamt Haßberge. Mit der Tierschutzinitiative sei eine langfristige Partnerschaft geplant. Voraussichtlich wird es also solange jeweils befristete Vertragsverlängerungen geben, bis die TI geeigneten Grund und Boden für die Einrichtung eines Tierheims gefunden hat.
Britta Merkel gibt sich entspannt, auch wenn sich die Suche schwierig gestaltet und frühere Verhandlungen bereits gescheitert sind. Die TI hat derzeit ein Grundstück mit Gebäuden im Blick, in trockenen Tüchern ist aber noch nichts. Die Finanzierung des Vorhabens (die TI rechnet mit Ausgaben über 100 000 Euro), sei aber gesichert. "Wir haben einige private Sponsoren, die bereit sind, uns zu unterstützen." Außerdem sei der Deutsche Tierschutzbund als Geldgeber mit im Boot.
Und was ist mit dem Tierschutzverein Haßfurt Stadt und Land, der all die Jahre zuvor für die Fundtierbetreuung zuständig war? Bereits vor mehreren Monaten hat die Staatsanwaltschaft Bamberg Anklage gegen die früheren Tierheimbetreiber, ein Ehepaar aus dem Landkreis, erhoben. Den beiden wird vorgeworfen, Hunde und andere Tiere im Tierheim vernachlässigt zu haben. "Sie haben die Tiere nach unserer Überzeugung nicht richtig behandelt", sagt Bardo Backert, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Bamberg.
Da die Klage am Amtsgericht Haßfurt anhängig ist, wird auch dort der Prozess stattfinden. Außerdem soll es eine weitere Anklage wegen Untreue geben. Es gibt laut Staatsanwaltschaft genügend Anhaltspunkte, dass es auch mit der Kasse des Tierschutzvereins, dem einer der Angeklagten seit 1986 vorsaß, Probleme gegeben hat.
Mit Untreue geht aber nicht der Vorwurf einher, "dass sich die Eheleute persönlich bereichert haben", betont Bardo Backert. Das Amtsgericht in Haßfurt entscheidet nun, ob die beiden Verhandlungen verbunden werden.
Der neue Vorsitzende des Tierschutzvereins, Christian Licha, hat die undankbare Aufgabe, den verschuldeten Verein wieder auf Kurs zu bringen. Immerhin: Rund 100 Mitglieder halten ihm die Treue und wollen sich weiter für den Tierschutz im Landkreis einsetzen. Die Art und Weise, wie es mit seinem Verein durch den Lauf der Ereignisse steil bergab ging, findet er nicht korrekt. Und er wehrt sich gegen die Tierheimschließung: Bereits seit August 2011 laufe vor dem Verwaltungsgericht Würzburg eine Klage des Tierschutzvereins gegen den Freistaat Bayern wegen "Widerrufs der tierschutzrechtlichen Erlaubnis zum Halten von Tieren in einem Tierheim". Lichas Kommentar: "Hier sehe ich gute Chancen, dass unserer Klage stattgegeben wird, also die Schließung des Tierheimes nicht rechtens war. Und dann dürfen sich einige Damen und Herren sehr warm anziehen."

Ausschluss aus dem Dachverband


Vom Deutschen Tierschutzbund unterdessen kommt keine Rückendeckung mehr. Der Dachverband hat den Haßfurter Verein im Januar dieses Jahres rückwirkend zum 31. Dezember 2011 ausgeschlossen. Außerdem hat der Tierschutzbund Licha angezeigt. Man habe ihm einen Strick daraus gedreht, dass er öffentlich einmal geäußert hatte, dass er sich im Tierheim Haßfurt wie zu Hause gefühlt habe (er war dort viele Jahre als ehrenamtlicher Helfer tätig, die Red.).
Zu den angeblichen tierschutzrechtlichen Verstößen im Tierheim äußerte sich der Tierschutzbund gegenüber Licha wie folgt: "Auch wenn die meisten [...] Vorwürfe unter der Leitung des damaligen Vereinsvorsitzenden [...] und seiner Frau fielen, waren Sie, Herr Licha, und Teile des neuen Vorstandes bereits mit der Tierbetreuung befasst und hätten diese tierquälerischen Zustände - insbesondere das Unterlassen notwendiger Impfungen aus Kostengründen - nicht zulassen dürfen."
Christian Licha sagt dazu: "Es kann nicht von einem ehrenamtlichen Helfer verlangt werden, dass dieser die Verantwortung übernimmt, dass alle Tiere ordnungsgemäß geimpft sind. Dann gibt es bald in keinem Tierheim mehr ehrenamtliche Helfer. Im übrigen gab es keine tierquälerischen Zustände, die ich beenden hätte können. Im Gegenteil, es gab viele Hunde, die regelmäßig Pensionsgäste waren und freudig schwanzwedelnd die Helfer begrüßten. Das macht kein Hund, der gequält wird."