Es sind zwar nur 15 Jahre, die Rudolf Handwerker älter ist als Wilhelm Schneider. Dennoch wäre es ein Generationswechsel, der sich vollziehen würde, wenn Schneider, der 54-jährige Bürgermeister von Maroldsweisach, bei der Kommunalwahl im März 2014 zum neuen Landrat gewählt würde. Diesen Generationswechsel will seine Partei, wie bei der Kreisvertreterversammlung der CSU Haßberge am Dienstagabend in der Eltmanner Stadthalle der Kreisvorsitzende Steffen Vogel forderte.

Die CSU stellte die Weichen, dass Wilhelm Schneider bei der Wahl im März 2014 erfolgreich sein kann. Sie nominierte den 54-Jährigen nahezu einstimmig zu ihrem Kandidaten für die Landratswahl. Schneider bekam 160 von 160 gültigen Stimmen. Fünf weitere Stimmen waren ungültig.

Abstimmung in Königsberg

Eine Vorentscheidung hatte die Partei schon im Januar getroffen. Damals hatte sich Wilhelm Schneider parteiintern bei einer Versammlung des Kreisverbandes in Königsberg gegen Horst Hofmann (aus Haßfurt) durchgesetzt. In Eltmann bekam der Maroldsweisacher offensichtlich nun auch die Stimmen der Hofmann-Anhänger. Ein weiterer Wunsch von Steffen Vogel ging damit in Erfüllung, der eine Demonstration der Geschlossenheit beim Parteitag in Eltmann gefordert hatte. Die bekam er von den 165 Delegierten.

Landrat ist Wilhelm Schneider damit natürlich noch nicht. Er bekommt es bei der Wahl am 16. März 2014 wohl mit vier Gegenkandidaten zu tun. Die SPD wird den Sander Bürgermeister Bernhard Ruß ins Rennen schicken, den seine Partei am 11. Juli vorstellen will. Die Freien Wähler haben Birgit Bayer, die Bürgermeisterin von Riedbach, aufgestellt, und die Grünen haben die Eltmanner Kreisrätin Rita Stäblein als ihre Kandidatin präsentiert. Das Linke Bündnis Haßberge will noch einen Kandidaten benennen.

"Kurze Bilanz"

Die anderen im Kreistag Haßberge vertretenen Parteien werden wohl keinen eigenen Bewerber benennen. Sie haben schon abgewinkt oder angedeutet, dass sie niemanden als Landratskandidaten stellen werden.
Eines wurde bei der Versammlung der CSU in Eltmann deutlich. Egal, wer der neue Landrat im Kreis Haßberge wird, die Schwerpunkte der künftigen Arbeit sind bereits vorgegeben.

Worauf es ankommen wird, machte der amtierende Landrat Rudolf Handwerker in seiner Rede deutlich. Der 69-Jährige tritt 2014 nach dann 24 Jahren Amtszeit an der Spitze des Landkreises nicht mehr an.
Handwerker teilte seine "kurze Bilanz" in zwei Schwerpunkte mit jeweils drei Themenfeldern ein: die weitgehend erledigten Aufgaben und die laufenden Projekte, die er gleichzeitig als die wesentlichen Herausforderungen der Zukunft bezeichnete. Wilhelm Schneider ging in seiner Rede auf diese Punkte ein, und unterschiedliche Ansichten waren in den beiden Reden nicht zu finden. Zunächst die weitgehend abgearbeiteten Aufgaben:

1. Als wichtiges Anliegen bezeichnete Handwerker die Bemühungen des Landkreises für die Kinder und Jugendlichen. Bildung, Betreuung und schulische Angebote "sind optimal", sagte er. Eingestiegen sei der Landkreis in die Jugendsozialarbeit, die er auf alle Schulen ausgebaut sehen möchte. Für Wilhelm Schneider ist das Bildungs-, Schul- und Betreuungsangebot ein Argument, mit dem der Landkreis in der Konkurrenz mit anderen Landkreisen und Städten punkten kann.

2. Auf dem Gebiet der medizinischen Versorgung hat der Landkreis laut Handwerker große Fortschritte erzielt. Das Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken mit den drei Häusern in Haßfurt, Ebern und Hofheim bezeichnete er als "eine Erfolgsgeschichte". Der Landkreis habe kräftig in eine moderne Medizin investiert, und das Ergebnis, auch das wirtschaftliche Resultat, kann sich nach seiner Ansicht sehen lassen. In die künftigen Bemühungen will und muss der Landkreis, wie Wilhelm Schneider ergänzte, eine funktionierende Hausärzte-Versorgung einbinden.

3. Auf dem Gebiet der Abfallentsorgung habe sich der Landkreis bestens organisiert, führte Handwerker als dritten erledigten Aufgabenbereich an. Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises arbeite schuldenfrei und leiste einen wichtigen Beitrag für eine saubere und intakte Umwelt, sagte der scheidende Landrat.
Als die drei Projekte, die im Landkreis schon laufen und die Herausforderungen für die Zukunft seien, führte Handwerker folgende Themenfelder an:

4. Die Energiewende muss der Landkreis stemmen, um sein ehrgeiziges Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2035 autark in der Energieversorgung zu sein. Das Vorhaben sei "schon weit vorangeschritten", sagte er, auch wenn das nach außen nicht so sichtbar werde. Die Gründung mehrerer Gesellschaften bezeichnete er als "den richtigen Weg". Und: "Wir holen die Bürger mit ins Boot", sagte Handwerker. Schneider versprach: "Wir wollen und werden eine gemeinsame Infrastruktur aufbauen, ein eigenes Landkreisnetz, am besten ein gemeinsames Landkreisnetz." Dazu hält er die Zusammenarbeit der 26 Kommunen im Kreis für unabdingbar - wie sie nach seiner Ansicht auch auf anderen Feldern ausgebaut werden soll.

5. Die Sanierung der landkreiseigenen Gebäude ist laut Handwerker eine Mammutaufgabe. Das Problem: Die Häuser, vor allem Schulen, kommen nahezu zeitgleich in die Sanierungsphase. Als Kostenvolumen gab der amtierende Landrat rund 50 Millionen Euro an.

6. Den demografischen Wandel bezeichnete Handwerker als die Herausforderung der Zukunft. "Das Leben in unseren Dörfern wird sich grundlegend ändern", ist er überzeugt. Wichtig seien Strategien, Konzepte und Kreativität, um dem begegnen zu können, sagte er. Als größtes Problem in diesem Zusammenhang führte er an, dass viele junge Leute meist aus Gründen der Studien- oder Berufswahl den Landkreis verlassen. Hier gelte es anzusetzen, sagte er, und Wilhelm Schneider pflichtete ihm. Einen großen Teil widmete Wilhelm Schneider dem Thema. "Wir müssen sinnvolle, wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, um junge Menschen hier zu halten oder zurückzuholen, und wir müssen Menschen aus anderen Landkreisen auf unseren Landkreis aufmerksam machen." Schneider forderte: "Unser Ziel muss es sein, in die Top-Region für Familien aufzusteigen."
Schneider wie auch Handwerker und der Kreisvorsitzende Steffen Vogel versuchten immer wieder Zuversicht zum Ausdruck zu bringen. Der Landkreis müsse Herausforderungen meistern, hieß es übereinstimmend, aber es sei nicht an der Zeit nur zu jammern. Vielmehr müsse der Landkreis mit seinen Pluspunkten wuchern, und davon gibt es viele. Schneider zählte eine Reihe davon auf.
In die Wahlen geht die CSU mit Optimismus. Wilhelm Schneider sei "der richtige Mann, um den Landkreis in eine gute Zukunft zu führen", betonte Kreisvorsitzender Vogel.
"Ab heute wird gekämpft", ermunterte die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär die Delegierten. Schließlich stehen nicht nur die Kommunalwahlen vor der Tür (März 2014), sondern vorher noch die Bundestags- und Landtagswahlen (jetzt im September 2013). Da muss Dorothee Bär selber antreten.

Kommentar des Redakteurs

"Wir stehen vor spannenden Zeiten." Mit einem Schmunzeln streifte Landrat Rudolf Handwerker bei der Kreisvertreterversammlung der CSU am Dienstagabend in Eltmann die Wahlen, die vor der Tür stehen. Im September zunächst die Landtags- und die Bundestagswahlen, im März nächsten Jahres dann die Kommunalwahlen. Handwerker kann sich dann beruhigt zurücklehnen und zuschauen. Er muss sich nicht mehr dem Bürgervotum stellen. Der Landrat, der im März 2014 seinen 70. Geburtstag feiern wird, hat alle Wahlschlachten seines Lebens geschlagen. Alle waren erfolgreich.
Bei seiner letzten Wahl war es äußerst knapp geworden. Aber am Ende hatte er bei der Landratswahl 2008 doch die absolute Mehrheit gewonnen und durfte weitere sechs Jahre im Amt bleiben. 24 Jahre werden es sein, wenn er zum 1. Mai 2014 aus dem Amt scheidet. Eine Ära.
Die Landratswahl 2014 verspricht, ebenso spannend zu werden. Fünf Kandidaten werden es wohl sein, die sich um den Posten des Landkreis-Chefs bewerben. CSU-Mann Wilhelm Schneider ist sicher der Favorit, aber die Mitstreiter sind nicht ohne Chancen.
Allen voran der Sander Bürgermeister, stellvertretende Landrat und Bezirksrat Bernhard Ruß. Er hat sich nun offenbar doch von seiner Partei, der SPD, zur Kandidatur überreden lassen, nachdem er vor Jahren angekündigt hatte, dass er Bürgermeister in Sand bleiben wolle. Was ist, wenn er gewählt würde? Dann hätte er ein Problem in Sand. Oder?
Wenn die SPD eine Chance auf das Amt des Landrats haben will, dann ist Ruß der einzige geeignete Bewerber.