Ich bin eine "Kontaktperson der Kategorie 1": Das heißt, ich hatte engen Kontakt mit einer Person, die positiv auf Corona getestet wurde. Was nach viel Nähe klingt, war in meinem Fall ein halbstündiges Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Knapp eine Woche später bekomme ich eine SMS-Nachricht meines damaligen Gegenübers: "Hallo, ich bin positiv auf das Coronavirus getestet worden. Da wir im relevanten Zeitraum Kontakt hatten, wird sich das Gesundheitsamt bei Ihnen melden."

Nach dem Schock zum Telefon

Ein Schock. Ein Aufblitzen von Verzweiflung. Ich muss mich erst einmal setzen. Dann renne ich zum Telefon und wähle die Nummer des Bürgertelefons Haßfurt. Das routinierte Verhalten der Dame am anderen Ende der Leitung hilft mir, wieder ein wenig Bodenhaftung zu bekommen. Sie versichert mir, dass Gesundheitsamt würde sich bei mir melden.

Und tatsächlich: Keine Stunde später klingelt das Telefon. Ein Mann ist dran. Ob ich denn Symptome hätte? Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Durchfall, Fieber? Ich antworte wahrheitsgemäß: "Ich bin schon seit Wochen ganz leicht erkältet. Auch schon vor dem fraglichen Kontakt."

Der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes will auf Nummer sicher gehen. Er bestellt mich für den nächsten Tag zum Rachenabstrich nach Haßfurt.

Wenig beruhigende Antworten

"Wie läuft denn so ein Test ab?", will ich wissen. "Keine Ahnung, ich kenne das auch nur aus dem Fernsehen", lautet die wenig beruhigende Antwort.

Überhaupt habe ich plötzlich ganz viele Fragen: Steht mein Mann auch unter Quarantäne? ("Nein, der kann weiter zur Arbeit gehen, so lange er keine Symptome hat.") Wer kümmert sich um meine Kinder, wenn ich krank werde? ("Am besten Sie geben sie weg." - "Weg?!" - "Ich hatte so einen Fall noch nicht.") Ich lege auf und bin spätestens jetzt sehr, sehr beunruhigt.

Unwirkliche Kulisse

Am nächsten Tag finde ich mich überpünktlich am Unteren Parkplatz der Haßfurter Eishalle ein. Ich habe mit einer langen Warteschlange und Aufregung gerechnet. Stattdessen liegt der mit Absperrband nahezu vollständig umwickelte Parkplatz merkwürdig ruhig in der warmen Frühlingssonne. Surreal. Auf dem Platz befindet sich ein freundlich winkender städtischer Mitarbeiter in Orange und zwei kleine, weiße Baucontainer: die Testzentren.

Das Chaos, das wenig später am Testcontainer der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) herrschte, geht glücklichweise an mir vorbei (wir berichteten).

Nur ein Auto steht neben dem Container des Gesundheitsamtes. Ich parke daneben und bleibe sitzen. Eine junge Frau kommt aus dem Container. Ich warte, bis sie in ihr Auto eingestiegen ist, dann steige ich aus.

Ein Ruf bremst mich: "Einen Moment bitte!" Zwei Frauen in weißen Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken hantieren mit Desinfektionssprays im Bauwagen.

Leichter Brechreiz

Dann geht es los. "Frau Müller? Wann sind Sie geboren?" Nachdem ich die Frage beantwortet habe, soll ich mich vom Container wegdrehen und kräftig husten. Leider kann ich danach nicht mehr damit aufhören.

Bei meinem Betreten weichen die Damen deshalb vor mir zurück. Nachdem wir uns alle beruhigt haben, darf ich auf dem frisch desinfizierten Stuhl Platz nehmen - neben mir ein Tisch mit Dutzenden von Nierenschälchen. Darin liegt jeweils eine Art verschließbares Reagenzglas mit einem großen Wattestäbchen darin. Mit so einem Ding soll nun auch in meinem Rachen ein Abstrich genommen werden. "Legen Sie den Kopf zurück und lassen Sie die Zunge locker heraushängen." Ich bin alles andere als locker. "Es kann sein, dass Sie einen leichten Brechreiz verspüren." Prompt muss ich würgen. Wieder springen beide Frauen zurück. Ich hätte gelacht, wenn ich nicht hätte husten müssen.

Labore total überlastet

Dann soll ich - mit einem frisch desinfizierten Kugelschreiber - auf einem Formular meine Symptome ankreuzen. "Das Ergebnis kann eine gute Woche dauern", meint eine Ärztin entschuldigend und ergänzt: "Die Labore sind total überlastet." Das war`s.

Draußen, in der Frühlingssonne, bleibe ich noch einen kurzen Moment stehen. Ein Mann spaziert mit seinem Hund über den Parkplatz. Über den mit Absperrbändern gesperrten Parkplatz. Ich bin verwirrt. Dann macht auch noch der freundliche Bauarbeiter Anstalten, sich mir zu nähern.

Schnell laufe ich zu meinem Wagen und steige ein. Die Nerven verliere ich erst, als ein Mann mit Kinderwagen doch tatsächlich Kurs auf die Glascontainer auf dem gesperrten Areal macht.

Ich stoppe das Auto und brülle durch das Fenster. Ich weiß nicht mehr was. Irgendetwas mit "Gefahr" und "gesperrt". Der Spaziergänger jedenfalls dreht ab. Mission erfüllt. Ich erledigt. Falls Sie mich übrigens kennen und nun Sorge haben, infiziert zu sein: Wenn Sie keine SMS von mir bekommen haben, ist alles gut.