Die Energiewende kommt nicht von heute auf morgen. Sondern von heuer auf nächstes Jahr. Das zumindest ist der Plan der Beteiligten, die den Bürgerwindpark in Sailershausen errichten und betreiben wollen. Mit an Bord unter anderem: Der Landkreis Haßberge, seine Bürger und Greenpeace mit seiner Tochtergesellschaft Planet Energy Kraftwerk XI (Sitz in Hamburg).

Immer wieder hat sich der geplante Bau der insgesamt zehn Windräder im Sailershäuser Wald verzögert, teils wegen aufwändiger Genehmigungsverfahren, teils wegen Protesten aus der Bevölkerung und nicht zuletzt wegen der unbeständigen Vorgaben der Politik auf Landes- und Bundesebene.

Der geplante Bürgerwindpark stand in den vergangenen Jahren überwiegend unter der Bezeichnung WK 88 im Mittelpunkt der lokalen Energiewende. Die will der Landkreis gemeinsam mit seinen 26 Kommunen, den Bürgern und Investoren umsetzen.

GUT überträgt Rechte

Dafür wurde 2011 eigens die Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte (GUT) gegründet. Die GUT plant und leitet die lokale Energiewende mit all ihren Projekten im Gesamten. Die Projektrechte für den Bürgerwindpark Sailershausen überträgt sie an die gleichnamige Gesellschaft. Für den Windpark wird mit Gesamtkosten von 47 Millionen Euro gerechnet. Davon sollen laut GUT-Geschäftsführer Wilfried Neubauer 30 Prozent durch die Gesellschafter aufgebracht und der Rest durch Banken fremdfinanziert werden.

Voraussichtlich ab Herbst

Nach Auskunft von Norbert Zösch, der gemeinsam mit Sönke Tangermann von Planet Energy Geschäftsführer der Bürgerwindpark-Gesellschaft ist, werden die Fundamente für die Windkraftanlagen noch heuer im Herbst gesetzt. In Kürze werden die dafür notwendigen Bodengutachten begonnen. Der Startschuss für die (vorbereitenden) Baumaßnahmen fällt letztlich mit Beschluss der Gesellschafter des Bürgerwindparks. Die Versammlung tritt Ende Juli zusammen.

Jedoch will Norbert Zösch sich nicht auf Baubeginn Herbst festlegen, schließlich sei das auch witterungsabhängig. Baubeginn ist deswegen "vielleicht auch im Frühjahr". Der Zeitplan gebe das her. Wichtig ist laut Zösch, dass die Anlagen bis Ende 2015 in Betrieb gehen, als Ziel haben sich die Gesellschafter konkret Oktober 2015 gesetzt.

Die zehn Windräder sollen sich deswegen spätestens bis Ende des nächsten Jahres drehen, weil dann auf 20 Jahre eine Vergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit 8,9 Cent je produzierte und ins Stromnetz gespeiste Kilowattstunde gewährleistet ist.

Weniger Vergütung

Für Anlagen, die nach dem Stichtag in Betrieb gehen, verringert sich die Vergütung. Das wäre laut Zösch zwar zu verkraften, da es sich nur um eine geringe Änderung handelt, aber man wolle natürlich die höchstmögliche Vergütung ausschöpfen.

Greenpeace ist mit seiner Tochtergesellschaft Planet Energy an Bord. "Die haben da mehr Erfahrung als wir", begründet Norbert Zösch die Kooperation. Auch das Stadtwerk Haßfurt, bei dem Zösch ebenfalls Geschäftsführer ist, arbeitet seit drei Jahren mit Greenpeace zusammen. Als Projektierer wird die als Genossenschaft organisierte Greenpeace Energy auch bei den Vertragsverhandlungen behilflich sein und die Direktvermarktung des produzierten Stroms übernehmen. "Ein Windparkprojekt von dieser Größe baut sich nicht von selbst, da braucht man eben auch erfahrene Partner. Außerdem können sich die Bürger in der Region am Anteil von Planet Energy an diesem Projekt über Vermögensanlagen beteiligen", sagt Sönke Tangermann. Derzeit liegt die Beteiligung der Greenpeace Tochter an der Bürgerwindpark-Gesellschaft bei 200.000 Euro.

Wie der GUT-Geschäftsführer Neubauer erklärt, sind weiterhin der Landkreis Haßberge, die Städtischen Betriebe Haßfurt, die ÜZ Natur Holding (eine Tochter der Überlandzentrale Lülzfeld ) und die Naturstromquelle Main-Rhön in Forchheim (Tochter der Naturstrom AG) mit jeweils 200.000 Euro beteiligt. Außerdem sind Anteile der Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) mit 50.000 Euro vorhanden. Alle Beteiligten haben die Option zur Aufstockung des Betrages, der Landkreis etwa wird auf eine Million Euro erhöhen. Insgesamt wird am Ende so das erforderliche Eigenkapital in Höhe von 13 bis 14 Millionen Euro aufgebracht, erklärt Neubauer. Und auch die Genehmigungen seien da. "Wir könnten heute die Bagger rausschicken."

Klagen bereiten keine Sorgen

Drei Klagen, die von Bürgern aus Kleinmünster eingereicht wurden (hier hatte sich in Form einer Bürgerinitiative Widerstand gegen das Projekt formiert), bereiten Neubauer keine Sorgen. Den Klagen (gegen sieben der zehn Windräder; die anderen drei Bescheide haben Rechtskraft) fehle die Begründung. Wenn die nachgereicht werde, habe er ebenfalls keine Bedenken, dass das Windpark-Projekt gestoppt werden könnte.