57 bayerische Zulassungsstellen geben seit dem Mittwoch die Altkennzeichen aus. Aber nur dann, wenn die Halter von Fahrzeugen das wünschen und wenn der zuständige Landkreis oder die Kreisstadt das erlaubt hat. Der Kreistag Haßberge hat die Wiedereinführung der früheren Nummernschilder abgelehnt.

Es gibt keine EBN-Kennzeichen oder HOH-Schilder, die einst für die früheren Kreise Ebern und Hofheim standen. Erstaunlich: Trotzdem gab es am Mittwoch eine Nachfrage. In der Zulassungsstelle in Hofheim (Außenstelle von Haßfurt) wollte ein Besucher tatsächlich ein HOH-Kennzeichen haben, wie das Landratsamt in Haßfurt auf Anfrage bestätigte. In Haßfurt und in der Außenstelle Ebern gab es keine solchen Wünsche.

57 Altkennzeichen sind erlaubt

In ganz Bayern können seit Mittwoch 57 Altkennzeichen wieder ausgegeben werden, die vor vier Jahrzehnten im Rahmen der Gebietsreform verschwunden sind. Wie das FDP-geführte bayerische Verkehrsministerium am Dienstag berichtete, hat der Bund die Wiedereinführung der Nummernschilder genehmigt. Bayern hat die Wiedereinführung den Städten und Landkreisen überlassen, und da gab es unterschiedliche Entscheidungen quer durch den Freistaat.

Die Befürworter der alten, neuen Nummernschilder, die sich bislang nur noch vereinzelt an Oldtimern und vor allen Dingen Traktoren fanden, wollen damit die regionale Identität fördern. Wirtschaftsminister Martin Zeil und seine Nürnberger Staatssekretärin Katja Hessel (beide FDP) erwarten, dass zu den 57 zunächst genehmigten Altkennzeichen bald noch weitere hinzukommen, und sie befürworten dieses Ansinnen. Es stehe den Landkreisen weiterhin offen, noch nicht beantragte Kennzeichen nachzumelden, hieß es am Dienstag aus der Regierungszentrale in München.

Landrat ist strikter Gegner

Ob das im Landkreis Haßberge geschieht, erscheint eher fraglich. In seiner April-Sitzung hatte sich der Kreistag Haßberge mit 28 zu 21 Stimmen gegen die Verwendung der alten Kennzeichen ausgesprochen.
Strikter Gegner der alten Nummernschilder ist Landrat Rudolf Handwerker (CSU). Der 69-Jährige hält überhaupt nichts davon, wie er schon mehrfach deutlich gemacht hat. Es ist davon auszugehen, dass sich die Linie des Landkreises während der Amtszeit Handwerkers nicht ändert. Handwerker ist noch Landrat bis 30. April 2014. Wer sein Nachfolger wird, ist offen.

Der Kreistag kommt zu seiner nächsten Sitzung am Montag, 15. Juli, zusammen. Das Thema Altkennzeichen steht nicht auf der Tagesordnung, auch wenn auf unserem FT-Internetportal www.infranken.de von Usern der Eindruck erweckt wird, es gäbe schon bei der nächsten Kreistagssitzung eine "zweite Chance", wie es wörtlich heißt.

Stärkerer öffentlicher Druck

Die sieht sehr wohl der Initiator der gesamten Aktion, Professor Ralf Borchert von der Hochschule Heilbronn. Seine Erfahrung: "Wenn Nachbarlandkreise die Altkennzeichen wieder eingeführt haben, halten das die Verweigerer nicht lange durch. Der öffentliche Druck steigt immens", zeigen seine Erfahrungen, die er in den neuen Bundesländern und Nordrhein-Westfalen gemacht hat. Seit Mittwoch gibt es wieder STE- und KÖN-Zulassungen der einstigen Nachbarlandkreise Staffelstein und Bad Königshofen.

Und der Druck aus dem Raum Ebern, mittlerweile auch aus Hofheim wächst täglich. Über 1000 Befürworter beteiligten sich an einer Internetabstimmung, die die Junge Union Ebern initiiert hat. Dazu kommt eine Unterschriftensammlung, die ein Eberner Privatmann angeleiert hatte und die von Parteien, Vereinen, Geschäftsleuten und anderen Organisationen unterstützt wird. Über 2000 Unterschriften sollen demnächst dem Landrat übergeben werden. Wenn er denn die Bittsteller einlässt...

Neben der großen Mehrheit bei mehreren Internetabstimmungen für die Wiedereinführung gibt es weitere Indizien für den Herzenswunsch vieler Autofahrer: Bei www.wunschkennzeichen.de liegen aktuell 51 kostenpflichtige Vormerkungen für EBN vor sowie sechs für HOH.