Spätestens auf dem Nachhauseweg merkte wohl auch der letzte Besucher des Konzerts der Blasmusik Kraisdorf, dass die musikalische Botschaft "Mit Musik und Gesang in den Frühling" bei den Wetterverantwortlichen noch nicht angekommen war. Während draußen Schnee und eisige Temperaturen den Ton angaben, sorgten im Marktsaal von Rentweinsdorf etwa 80 Sänger und Musiker mit einem abwechslungsreichen Programm für erwärmende Klänge.

Die Blasmusik Kraisdorf unter Leitung von Gerhard Eller, die Neubrunner Dorfmusikanten unter Stabführung von Stefan Krines und der Frauenchor der Liedertafel Rentweinsdorf unter Norbert Weiß boten ein Programm "von böhmisch bis modern".

Wohl wegen des widrigen Wetters war der Saal diesmal nicht ganz besetzt, doch waren zahlreiche Vertreter anderer Blaskapellen von Nah und Fern unter den Zuhörern.

Sänger machen den Auftakt

Den musikalischen Reigen eröffnete, wie in den mehr als zehn Jahren zuvor, der heimische Chor aus Rentweinsdorf mit romantischen, aber auch modernen Liedern. Wohin die musikalische Reise mit den Neubrunner Dorfmusikanten gehen würde, wurde schon mit ihrem ersten Stück, dem "Fliegermarsch" deutlich. Auf musiktechnisch hohem Niveau, schmissig, zackig, flott, perfekt harmonisch intoniert und mit kräftigem Sound. Neben der Marschmusik spielte diese Kapelle von Stefan Krines ihre Stärken im Bereich moderner Musik aus. Dazu gehörten Stücke im Glenn-Miller-Sound, aber auch Chart-Hits, beispielsweise von Bryan Adams.

Die Blasmusik Kraisdorf hatte neben Stücken von Paul Simon und Boney M. ihren Schwerpunkt auf der eher getragenen böhmischen Musik, die sie besonders gut kann. Die Krönung war das Stück "Alphornzauber", bei dem Elmar Schneidawind im Zusammenspiel mit der Blaskapelle mit einem leibhaftigen Alphorn die Zuhörer in Verzückung brachte.

Gut gemischt

So unterschiedlich die Klangcharaktere der beiden Blaskapellen waren, so einheitlich zeigten sie sich doch in ihren gesund gemischten Besetzungen von jung bis alt. Bei den Kraisdorfern erstmals mit ihrer Querflöte bei einem richtig großen Auftritt dabei waren Eva Köhler (in wenigen Tagen zwölf Jahre alt) und Sophia Tsopanidis (fast elf). Ihnen macht das Musizieren viel Spaß, "weil wir neue Lieder kennenlernen" und weil beide diese Lieder "cool und schön" finden.

Begeisterter Zuhörer war Michael Then von der Blaskapelle Stettfeld , denn "Musik hört man immer gerne, besonders bei einem solchen Gemeinschaftskonzert, bei dem sich beide Kapellen so toll präsentieren." Raphael Krug, mit seinen zwölf Jahren zur jüngeren Generation zählend, bezog klar Stellung: "Ich hör' die moderneren Stücke lieber."

Treue Fangemeinde

Jacky Krawietz, ein besonders treuer Fan und Unterstützer der Blasmusik Kraisdorf, fand den Musikabend "besonders wegen der Kameradschaft zu der anderen Kapelle sehr schön, auch wenn Zuschauer fehlen." Und mit einem verschmitzten Lächeln meinte er: "Wir Kraisdorfer sind sowieso alle musikalisch. Ich spiel Radio und meine Frau dreht die Lautsprecher auf."

Bei den Neubrunnern kündigte Ewald Stretz in interessanten sachlichen Informationen die jeweiligen Stücke an, während bei den Kraisdorfern verschiedene Kapellenmitglieder in launigen Sprüchen zu den Musikstücken und zum Abend Stellung bezogen. Dass hinter den so locker und gekonnt wirkenden Darbietungen beider Kapellen ein enormer Übungsfleiß steckt, konnte man spüren.

Elmar Schneidawind brachte es in seinem so liebenswerten "G´schmarri" anders rüber: "Wir begriffen zunächst manche Stücke nicht. Aber danke an unseren Dirigenten Gerhard Eller, dass er begriffen hat, dass wir das so spielen, wie wir es können." Die Zuhörer begriffen es und zollten beiden Kapellen ganz tollen Applaus.