• Waldbesitzer dürfen Fichten teils nicht fällen: Verband kritisiert neue Verordnung
  • "Jetzt wird der Holzeinschlag begrenzt - bei guten Preisen. Das ist sehr ärgerlich"
  • Politik wollte Holzpreise stabilisieren, Preise steigen aktuell aber wieder, weil Holz rar ist
  • Holzmangel in Deutschland: Export der Sägewerke nach China und Amerika schuld?

Mit einer erst am 23. April 2021 in Kraft getretenen neuen Verordnung wollte die Bundesregierung Waldbesitzern und Forstbetrieben eigentlich unter die Arme greifen. Durch den Erlass, nur noch maximal 85 Prozent der durchschnittlichen Fichtenholz-Erntemenge der Jahre 2013 bis 2017 einschlagen zu dürfen, wollte die Politik die Holzpreise stabilisieren. Die neue Vorschrift des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist nun allerdings von der Realität überholt worden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Seit Jahresbeginn klagt die Baubranche demnach über Holzmangel. Die Preise gehen derweil wieder nach oben.

Verband kritisiert Verordnung: Waldbesitzer dürfen Fichten teils nicht fällen

Schon nach wenigen Tagen gibt es daher Kritik an der neuen Regelung. "Jetzt haben wir die Situation, dass einem das Holz aus den Händen gerissen wird, da der Export so explodiert ist und die Säger in China und Amerika horrende Preise verlangen können", erklärt Hans Ludwig Körner, Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, inFranken.de.

Das Fatale aus Sicht der Forstbesitzer: "Jetzt wird der Holzeinschlag begrenzt - bei guten Preisen. Und das ist sehr ärgerlich", moniert Körner. "Bitter ist es vor allem für solche Forstbetriebe, die sagen: 'Ich würde sogar auf steuerliche Vorteile verzichten, wenn ich Holz einschlagen könnte. Ich habe die letzten Jahre nur draufgezahlt. Und jetzt sind die Preise gut, aber jetzt darf ich nicht.'"  Aufgrund von Umwelteinflüssen mussten in den vergangenen Jahren sehr viele Fichten geschlagen werden, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Dies mündete demnach in übervolle Holzlager und einen Preisverfall. "Das Gesetz wurde gemacht, um bei Kalamitätsereignissen wie großen Stürmen, Käferbefall oder Schneebruch dem bestehenden Holzpreisverfall bei einem Überangebot entgegenzuwirken", erklärt Körner. Ihm zufolge könnten nun eigentlich die Waldbesitzer, die noch Reste von Fichten haben, diese gut verkaufen. Dasselbe gelte für Besitzer, die mit dem Verkauf jahrelang gewartet haben. Der Haken an der Sache: Beide dürften aktuell jedoch nur die besagten 85 Prozent verkaufen. 

Trockenjahre in Franken - Borkenkäfer für "verfallenen Holzpreis" verantwortlich

"Das führt dazu, dass der Zimmerer oder Schreiner vor dem Wald steht und ein Stück Holz haben will, sagt: Gebt es mir doch. Ich nehme es euch für einen guten Preis ab. Und dann sagt der Waldbesitzer: Das darf ich nicht. Sonst wird es beschlagnahmt. Sonst verliere ich meine Zertifizierung. Sonst muss ich meine Prämien zurückzahlen und begehe obendrein noch eine Ordnungswidrigkeit." Die neue Verordnung kommt aus Sicht des Bayerischen Waldbesitzerverbandes "leider zur Unzeit". Denn: "Im Moment hätte man halt noch einmal zu guten Preisen verkaufen können."

Gleichwohl sei die neue Bundesverordnung grundsätzlich zu begrüßen. "Das Gesetz wollten wir auch haben, weil wir zuletzt zwei, drei Trockenjahre hatten", sagt Verbandsgeschäftsführer Körner. In Ober-, Mittel- und Unterfranken habe es in den vergangenen Jahren kaum Regen gegeben. Hinzu seien große Borkenkäferschäden gekommen. Die habe letztlich zu einem "verfallenem Holzpreis" geführt. "Teilweise sind die entstandenen Kosten durch den Verkauf nicht gedeckt worden", betont Körner. 

In Hinblick auf die Verordnung zeigt sich Körner deshalb prinzipiell zufrieden. "Generell ist die Verordnung ein wichtiges Instrument, um dieses besondere Wirtschaftsgut Wald in den Märkten gut zu positionieren und auch zu schützen." Anders als Gewerbebetriebe wie Autowerkstätten oder Schreiner könnten Waldbesitzer "nichts umsetzen, wenn es unseren Vorrat weggehauen hat", der Holzbestand also "vom Käfer gefressen oder vom Sturm gefällt" worden sei. Trotzdem müsse der Wald aus Erhaltungsgründen stets aufgeräumt und neu bepflanzt werden. "Und das sind immense Kosten - und auf der anderen Seite eben auch Umsatzverluste", erläutert der Verbandschef. 

Fränkischer Waldbesitzer: Export für große Sägewerke "lukrativer als der heimische Markt"

Auch inFranken.de-Mitarbeiter Klaus Dünisch, der im Kreis Haßberge rund 22 Hektar Wald bewirtschaftet, kann der neuen Bundesverordnung durchaus etwas Positives abgewinnen. "Für Waldbesitzer, die wie ich viel Schadholz haben, ist das schon gut", sagt er. "Auch für die, die kein Frischholz machen, ist es sicher sinnvoll."

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Dünisch schätzt gleichwohl, dass in der "Region Haßberge/Bamberg" die neue Regelung ohnehin nicht viele Forstinhaber betreffen werde. "Wir sind schon froh, wenn wir unser Schadholz geschafft haben", erklärt er. "Hier in den Haßbergen ist viel kaputt. Manchmal kommt man nicht hinterher." 

Für den aktuellen Holzmangel hierzulande macht Dünisch indes ein anderes Problem aus: "Holz ist genug da", konstatiert er. Ein Großteil davon werde allerdings nach China und Amerika exportiert. "Das ist für die großen Sägewerke lukrativer als der heimische Markt."

Produktionskapazität: Sägewerke laut Waldbesitzerverband voll ausgeschöpft

Der Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes bestätigt die Wahrnehmung. "Der Markt brummt vor allem bei den Sägewerken, wenn das Schnittholz in den Export geben", sagt Körner. Dies sei dermaßen lukrativ für sie, dass sie ihr Holz nicht mehr an den örtlichen Zimmerer, Dachdecker oder Schreiner gäben. "Das ist einfach der brummende Export, der Welthandel, der freie Markt. Wenn die in Amerika 600 Euro verlangen können, verkaufen die nicht dem deutschen Dachdecker für 300. Oder der Dachdecker muss es bezahlen."

Die Krux des Ganzen: "Diese tollen Preise kommen halt leider nicht bei den Waldbesitzern an. Da klafft noch eine große Lücke." Die Sägewerke indes seien in Sachen Produktionskapazitäten voll ausgeschöpft. "Die können nicht mehr produzieren. Da hilft es auch nicht, wenn die Waldbesitzer jetzt mehr einschlagen würden. Denn es kann eh nicht gesägt werden." "Vonseiten des Waldes" gebe es jedoch keinen Versorgungsengpass, betont der Verbandschef. "Wir können schon noch liefern. Es gibt ja noch welche, die die 85 Prozent nicht ausgeschöpft haben."

Diese Waldbesitzer müssten das Baumfällen allerdings "händisch mit der Motorsäge" angehen. "Und das ist sehr gefährlich und kann auch nicht jeder." Maschinen würden hingegen aus Kostengründen nicht eingesetzt. "Das ist zu teuer. Wegen 20 Festmetern, die in einer Stunde zersägt werden, fährt keine Maschine 30 Kilometer übe Land. Das ist unwirtschaftlich. Das ist das Problem dabei."

Kritik an neuer Bundesverordnung: "Die Aktiven bestraft man damit"

Körners Lösungsansatz hinsichtlich der neuen Fichten-Verordnung: "Die dringendste Überlegung wäre, diese 85 Prozent sinnvoll umsetzen." Für ihn stelle sich insbesondere die Frage, wie man die besagten 85 Prozent definiere. "Gilt das jetzt für den Einzelbetrieb? Oder auf der Ebene - das wäre unser Vorschlag - der Forstzusammenschlüsse." Letzteres liegt Körner zufolge vor, wenn sich mehrere einzelne Waldbesitzer zu einem Verein oder einer Forstbetriebsgemeinschaft zusammenschließen. 

Als fiktives Beispiel nennt der Forstexperte folgendes Szenario: "Da könnte man dann sagen, der Landkreis Kronach hat, nur mal angenommen, 100.000 Festmeter Fichte im Jahr. Das sind bei 85 Prozent dann 85.000 Festmeter. Und die Forstbetriebsgemeinschaft Kronach schlägt sowieso nur jedes Jahr 50.000." Bei dieser Herangehensweise hätte man letztlich dem vorgeschriebenen Holzeinschlag entsprochen. In dieser Form seien die 85 Prozent "guten Gewissens" umsetzbar.

So gebe es womöglich in manchen Landkreisen ohnehin Waldbesitzer, die keine Bäume fällten. "Aber die Aktiven bestraft man damit." Sein Vorschlag lautet deshalb: "Im Mittel wären die 85 Prozent eingehalten, wenn man auf Landkreisebene geht." Welche Lesart letztlich gelte sei in der Bundesverordnung nicht exakt definiert. "Die Verordnung hat ja nur drei Paragraphen und ist ganz kurz und knapp. Das ist eine Bundesverordnung, die leider unsere bayerischen Besonderheiten, nämlich dass wir viele Klein- und Kleinstwaldbesitzer haben, nicht berücksichtigt." Der Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes wünscht sich daher eine "regionale Definition". "Das wäre das Beste." 

 "Vermeidbare Probleme": Wirtschaftsminister Aiwanger fordert Rücknahme 

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat die Bundesregierung indes zur schnellstmöglichen Rücknahme der neuen Bundesverordnung aufgefordert: "Dieses Gesetz muss sofort ausgesetzt werden, wenigstens für Waldbesitzer bis 50 Hektar", zitiert die Deutsche Presse-Agentur den stellvertretenden Ministerpräsidenten. Politik solle Probleme lösen, argumentiert der Aiwanger. "In diesem Fall schafft sie vermeidbare Probleme für den Markt, den Wald und die Umwelt."

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