Der Lockdown war hart für die Gastwirte. Als ob das nicht reichen würde, müssen sie wie kaum eine andere Berufsgruppe unter den Corona-Vorschriften leiden. Denn Verstöße könnten sie brutal treffen. Michael Bayer, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands im Landkreis, erzählt eine Geschichte, die er erst vom Verbandsrechtsanwalt hörte. Dem liegt eine Anzeige vor: Ein Pärchen bekam in einem Biergarten einen Platz zugewiesen, wenig später wurde den beiden drei weitere Gäste dazu gesetzt. Das Pärchen machte scheinbar spielerisch Foto- und Videoaufnahmen von sich und der Umgebung - und die landeten als Anzeige bei der Polizei.

"Das ist ein Spiel mit dem Feuer", sagt Michael Bayer. Auch wenn sie jetzt bei diesen warmen schönen Herbsttagen noch mitnehmen möchten, was geht, warnt Bayer seine Berufskollegen: "Leut', seid vorsichtig!" Weitere Gäste dürfen nur mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Sitzenden an den Tisch geholt werden.

"Wir müssen uns an die Gesetze halten. Es ist heute ja alles öffentlich, jeder kann's gucken", sagt Bayer zu diesem Social-Media-Druck. Ganz anders ist es in gar nicht so wenig Unternehmen. Da bemüht sich heute doch kaum einer mehr, beim Gang zur Toilette, zum Drucker oder zum Kaffeeautomaten die Mund-Nasen-Maske aufzusetzen.

"Wir hoffen natürlich jetzt noch auf den Herbst", bekräftigt Michael Bayer. Für ihn ist der Sommer - trotz spürbarer Einbußen - gut gelaufen, überhaupt mit seinem zweiten Standbein, der Brauerei. Wem das fehle, der habe einen schweren Stand. Manche Kollegen, weiß Bayer, machten nur den Biergarten auf. Denn es sei "völlig unrentabel", eine kleinere Wirtschaft zu öffnen, wenn man wegen der Abstandsregel nur maximal die Hälfte der Gäste wie vorher unterbringen könne. Der gute Sommer "war dringend notwendig", so Bayer. "Der Herbst/Winter, das wird eine sehr, sehr spannende Geschichte. ... Im April/Mai werden wir sehen, wer über den Winter gekommen ist." Bayer ist überzeugt: "Mit anständigem Verhalten wird das funktionieren."

Da seine Räume schon zu normalen Zeiten gut gefüllt waren, geht Bayer im "Grünen Baum" in Theinheim mit dieser Strategie in die "dunkle Jahreszeit": Am Telefon wird bei der Reservierung schon nach der Bereitschaft gefragt, sich mit an einen Tisch setzen zu wollen. Das schafft klare Verhältnisse.

Helga Böllner, Seniorchefin des Gasthauses Böllner in Dankenfeld, steht, wenn sie ans Frühjahr denkt, eines vor Augen: "Die Dorfleut' haben uns unterstützt, da sind wir unheimlich dankbar dafür." Den Bau des großen Biergartens hatte die Wirtsfamilie 2004 begonnen. Heuer bewährten sich die vielen Plätze. "Die Leute haben es gerne angenommen", sagt die Mutter von Sandra Böllner. Die Tochter hat den Betrieb inzwischen übernommen und meisterte mit Steffi Strätz an der Spitze eines fähigen Teams alle Hürden. Denn Hürden gab es. Wollten die Böllners doch genau die Lücke zwischen einer Hochzeit Anfang Februar und dem Ostersonntag nutzen, um in die Sanierung des Saals und in den Großparkplatz zu investieren. Hätten sie geahnt, was kommt, hätten sie damit natürlich gewartet.

Attraktiv für die Gäste sein

Durch Corona fielen Hochzeiten und Kommunionen aus oder wurden verschoben. Corona bedeutet weniger Gäste, dafür Mehrarbeit und das Bemühen, die Gäste ans Haus zu binden. Ein Beispiel: Steffi Strätz kümmerte sich um die sozialen Medien mit dem Ergebnis, dass die Dankenfelder im Frühjahr 420 neue Follower gewannen. Sandra Böllner gab als Küchenchefin zu jeder To-Go-Bestellung ein kleines Dessert dazu. "Wir hatten sogar die Maibowle to go", lacht sie. Mittlerweile läuft der Mittagstisch am Sonntag wieder drinnen ab. Die Abstände können eingehalten werden. Der Alltag bleibt aber mit Mehraufwand verbunden: An starken Tagen muss Steffi Strätz "immer eine Person mehr einplanen allein, um die Tische abzuwischen, die Gäste in Empfang zu nehmen und zu den Tischen zu führen."

Momentan ist die Stimmung "verhalten optimistisch". Für den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es Reservierungen, die Planungen für 2021 laufen. Es heißt Abwarten. Sandra Böllner sagt: "Du weißt ja nicht, was kommt!"