"Herabgestuft" könnte man ihn aus politischer Sicht nennen, den Buß- und Bettag. Bis 1994 war der kirchliche auch ein gesetzlicher Feiertag. Letzteres ist seitdem dahin, alle Bundesländer (bis auf Sachsen) haben ihn ab 1995 abgeschafft. Die bayerischen Arbeitnehmer müssen also arbeiten gehen, jedoch blieb der Tag den Schülern als schulfreier Tag erhalten.

"Normalerweise ist das ein Oma-und-Opa-Tag", sagt Michael Schor und lacht. Der 42-Jährige arbeitet in Haßfurt im Landratsamt des Landkreises Haßberge. An seinem Schreibtisch stehen seine beiden Töchter Laureen (13) und Madleine (14). Sie schauen dabei zu, wie der Papa den PC hochfährt und Dokumente sortiert. Eine halbe Stunde lang bleiben sie an diesem Morgen mit im Büro, danach steht ein Besuch bei der Polizei und einer Verhandlung im Amtsgericht an.

Zudem kümmert sich in Haßfurt das Spielmobil-Team der Kommunalen Jugendarbeit um Laureen und Madleine sowie 21 weitere Kinder, die von ihren Eltern zum sogenannten Mitbringtag angemeldet worden waren. Gemeinsam organisiert haben das Christine Stühler (Landratsamt), Daniela Kirchner-Haug (Amtsgericht) und Tamara Gräb (Kommunale Jugendarbeit). Mitarbeiter des Landratsamtes sowie des Amtsgerichts konnten das Angebot nutzen. Auch die Regierung von Unterfranken sowie einige Privat-Unternehmen (etwa Maintal-Konfitüren in Haßfurt) haben ihren Arbeitnehmern eine ähnliche Betreuung ermöglicht.


Mitbringtag? Hat auch was!

Klar, bei Oma und Opa ist es auch schön, erklären Michael Schors Töchter. Mehr Süßigkeiten und weniger Verbote als daheim, das hat was, man kennt es. Aber so ein Mitbringtag ist schon außergewöhnlich. "Bei der Gerichtsverhandlung wollen wir unbedingt zuschauen", sagt Laureen. Davor geht es zur Polizeiinspektion in Haßfurt: Dort zeigt Hauptkommissar Werner Rottmann, wie die Polizei arbeitet und ausgerüstet ist.