Es war das übliche Prozedere bei solchen Veranstaltungen: Zur Eröffnung der Bereitschaftspraxis Haßberge, die im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken untergebracht ist, kamen Vertreter aus Politik und projekt(mit)verantwortliche Persönlichkeiten zusammen, stellten große Freude zur Schau und priesen die Vorzüge der neuen Einrichtung.

Die Sache war von langer Hand geplant und Haßfurt als Standort bestimmt worden. Hier soll fortan die erste Anlaufstelle für Patienten sein, wenn die Praxen der Hausärzte nicht zur Verfügung stehen - also in den Abendstunden und an Wochenenden sowie Feiertagen. Das rief immer wieder Kritiker aus dem nördlichen Landkreis auf den Plan, die sich für eine bessere Patientenversorgung eine solche Bereitschaftspraxis auch in Ebern wünschen (siehe unten). Doch das lehnt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), die das Projekt auf den Weg gebracht hat, ab.


Zentrale Anlaufstelle

Wilhelm Schneider (CSU) stärkte der KVB gestern erneut den Rücken, warb um Vertrauen für das "Pilotprojekt", denn es habe eine Chance verdient. "Ich denke auch, die Kritiker werden sich überzeugen lassen", sagte er. Erstmals habe man im Landkreis eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die mit Praxisräumen in der Zentralen Patientenaufnahme am Haßfurter Krankenhaus eine zuverlässige und hochwertige Versorgung für alle Landkreisbewohner gewährleiste. Man werde auch überprüfen, ob und wie die Patienten das annehmen, "oder ob sie sich andere Wege suchen".

Christina Bendig, Hausärztin in Hofheim, sagte, der Arztberuf im ländlichen Raum gewinne wieder an Attraktivität für Nachwuchsmediziner, denn "aus bisher 750 Stunden Bereitschaftsdienst im Jahr werden 75". Sie übernahm gestern die erste Schicht in der neuen Bereitschaftspraxis.


Die Bereitschaftspraxis ist umstritten - Im Internet wurde hitzig diskutiert


Pläne Dass die Bereitschaftspraxis zum 1. April am Klinikum in Haßfurt in Betrieb geht, war beschlossene Sache. Trotz der Proteste aus dem nördlichen Landkreis hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) ihre Pläne durchgezogen.

Diskussion Im Internet, insbesondere auf den Kreis-Haßberge-Seiten unserer Homepage infranken.de, entwickelte sich eine rege Diskussion darüber, warum eine Bereitschaftspraxis in Haßfurt eine Benachteiligung der Bürger im nördlichen Landkreis darstellt, wo man doch die Chance hätte, am Standort Ebern der Haßberg-Kliniken ebenfalls eine solche Bereitschaftspraxis einzurichten.

Beiträge Die Diskussionen im Netz reichen von Kommentaren unter redaktionellen Artikeln mit teils harscher Kritik an der Berichterstattung sowie an der KVB und der Politik, bis hin zu eigenen Leserbeiträgen in Artikelform. Im Folgenden ein paar Auszüge daraus.

Meinungen So schreibt etwa Nutzer EPINO (Eberner Patienten in Not) in einem Leserbeitrag: "Aufsicht, Kontrolle, Lobby und Fürsorge aus einem Guss, protegiert durch die staatliche Hand. Dass aus dieser Organisationsstruktur heraus Interessenkonflikte entstehen können, ist ziemlich offenkundig. Man muss es nur sehen wollen. Wer aus dem Altlandkreis Ebern kommt, der bekommt das nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren. Nämlich spätestens zum 1. April 2016, wenn sich die bisherigen ärztlichen Bereitschaftsdienstbereiche verflüchtigen und gehfähige (!) Bürger/innen gezwungen sind, die neue Bereitschaftspraxis in Haßfurt aufzusuchen." Der Nutzer Salbud schreibt etwa: "Eine Bereitschaftspraxis soll dort hin, wo Menschen in abgelegenen Gebieten wohnen und schlechte Verkehrsverbindungen zum nächsten ärztlichen Zentrum haben. Das trifft auf die Region Ebern zu. Das trifft nicht auf das Maintal zu." Nutzer NewOpinion3 schreibt (Leserbeitrag): "[...] Dass [...] mit der Eröffnung der Haßfurter Bereitschaftspraxis der ärztliche Bereitschaftsdienst auf dem Lande zu Grabe getragen wird, sollte eigentlich kein Anlass für ausgelassene Heiterkeit sein. Dass mit den Verbesserungen für Ärzte nicht nur ,einige Bewohner' aus den Altkreisen Ebern und Hofheim unzufrieden sind, scheint der Autor des infranken.de-Beitrags ,Bereitschaftspraxis am Krankenhaus in Haßfurt nimmt konkrete Züge an' (28.01.2016) noch nicht richtig erfasst zu haben. Nach (letzten Zeitungsberichten, die Red.) sollen 2300 Bürgerinnen und Bürger gegen die Pläne der KVB protestiert haben, mindestens 200 Unterschriften kommen noch aus einer Online-Petition hinzu."