Früher, ja, da hatte er mal mit Haschisch zu tun, gestand der 23-jährige Angeklagte aus einer Kleinstadt im Norden des Kreises Haßberge. Vor zwei Jahren aber, beteuerte er, habe er mit dem Zeug Schluss gemacht. Dass ein 19-Jähriger ihn bei der Polizei beschuldigt hatte, ihm 2010 etliche Male Rauschgift verkauft zu haben, war für den Angeklagten unerklärlich. Zumal er den Belastungszeugen noch nie gesehen habe, sagte der 23-Jährige vor Gericht.

Bevor der junge Bursche in den Zeugenstand gerufen wurde, verlas Richter Roland Wiltschka ein Schreiben, das er tags zuvor vom Anwalt des Belastungszeugen erhalten hatte. Der Verteidiger informierte, dass er zwar persönlich wegen Terminüberschneidungen nicht anwesend sein könne, dass sein Mandant, also der Zeuge, aber sein Recht, die Aussage zu verweigern, in Anspruch nehmen werde. Keine Äußerungen zur Sache darf ein Zeuge immer nur dann machen, wenn er sich oder seine Verwandten belasten würde.

Als dann der Heranwachsende hereingerufen wurde, wies ihn der Vorsitzende Richter auf das Schriftstück des Juristen hin und belehrte ihn nochmals über sein Recht zur Aussageverweigerung. Währenddessen zappelte der Halbwüchsige unaufhörlich mit den Beinen und sagte - zur faustdicken Überraschung aller Anwesenden - fahrig und mit dünner Stimme: "Ich will doch aussagen."


Falschaussage zugegeben



Der Zeuge räumte ohne weitere Umschweife ein, den Angeklagten gar nicht zu kennen und ihn fälschlicherweise angeschwärzt zu haben. Zwar habe er tatsächlich Drogen gekauft, aber nicht von dem Mann auf der Anklagebank. Von wem, wollte er nicht sagen.

Wer ihn dazu angestiftet habe, den Angeklagten zu beschuldigen, wollte der Staatsanwalt Dieter Brunner wissen. Der 19-Jährige nannte daraufhin den Namen einer jungen Frau aus dem Maintal. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei der jungen Dame um eine Schulkameradin des Angeklagten. Nach einem gemeinsamen Discobesuch verwandelte sich die schulische Bekanntschaft der beiden in eine intime Liaison. Wie turbulent es in der Liebesnacht zuging, verriet der 23-Jährige nicht, aber die Geliebte machte sich wohl Hoffnungen auf eine längere vertraute Liebesbeziehung.

Da hatte sie aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn an einer gefühlvollen Beziehungsromanze hatte der Liebhaber kein Interesse. Offenkundig aus verschmähter Liebe hatte die Zurückgewiesene daraufhin den Zeugen angestachelt, dem 23-Jährigen eins auszuwischen und ihn zu verleumden.


Falsche Verdächtigung wird Folgen haben



Dieses unrühmliche Verhalten wird für den Zeugen und seine Anstifterin ein unangenehmes Nachspiel haben. Denn der Staatsanwalt, formulierte Richter Roland Wiltschka blumig, habe seinen Griffel gespitzt und alles mitgeschrieben. Dem Donnerwetter des Vorsitzenden folgt möglicherweise eine Anklage wegen falscher Verdächtigung.

Der Angeklagte wurde freigesprochen. Dagegen - und das ist wirklich selten - muss der Zeuge die gesamten Kosten des Gerichtsverfahrens tragen, inklusive der Anwaltskosten des Freigesprochenen. Wird nämlich ein Verfahren, wie es im Gesetz heißt, durch eine "vorsätzlich oder leichtfertig erstattete unwahre Anzeige veranlasst", muss das Gericht dem Anzeigenden alle Kosten auferlegen. Was Richter Roland Wiltschka in seinem Urteil auch tat.