Der Beitritt des Landkreises Haßberge zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), der zum 1. Januar erfolgte, ist für viele Bewohner ein Vorteil. Für einige Schüler, die die Freie Waldorfschule in den Mainauen in Haßfurt besuchen, hat sich durch den Beitritt ein Problem ergeben: Die Eltern müssen für ihre Kinder merklich höhere Schulwegkosten berappen. Betroffen sind die Schüler aus dem Raum Bamberg.
In einer Diskussionsrunde mit Annette Achilles, Geschäftsführerin der Waldorfschule, Gertrud Eiselen, Vorstandsmitglied im Gründungskreis Waldorfschule Mainfranken, Haßfurts Bürgermeister Günther Werner, Adelinde Friedrich und Karin Graf als Behördenvertreterinnen vom Landratsamt, Hans Dünninger, Kreisrat der Grünen, sowie Markus Mehlhorn, Mitarbeiter des Landtagsabgeordneten Steffen Vogel (CSU), informierten sich die betroffenen Eltern in den Räumen der Waldorfschule über das aktuelle Thema, für das es im Augenblick keine Lösung gibt.
Seit Anfang Dezember beschäftigt sich die Waldorfschule in Haßfurt intensiv mit dieser Thematik. "Es geht um die sechs- bis 14-jährigen Schüler, die bei der Umstellung auf das Nahverkehrsnetz Anfang des Jahres nicht berücksichtigt wurden", erläuterte Annette Achilles. Rund 300 Schüler aus Haßfurt und den Landkreisen Haßberge, Bamberg, Schweinfurt und Würzburg besuchen die Waldorfschule in Haßfurt.


3500 Euro für zwei Kinder

Dafür, dass ihre Kinder die "staatlich genehmigte" Schule besuchen, müssen die Eltern nicht nur Schulgeld bezahlen, das je nach Einkommen gestaffelt ist, sondern auch Fahrtkosten. Beliefen sich diese, wie ein Vater aus Bischberg anmerkte, bisher auf 1300 Euro, die er für seine beiden Kinder bezahlte, so erhöhten sich die Kosten nun auf 3500 Euro im Jahr.
Für viele Eltern ist die neue Preisstruktur unverständlich und bietet Grund zur Besorgnis. Vor allem seitens der Schule besteht die Sorge, dass sich Eltern nun dagegen entscheiden könnten, dass ihre Kinder die Waldorfschule besuchen.
Haßfurts Bürgermeister Werner, selbst Befürworter des VGN, war sich bisher nicht bewusst, dass Eltern mit derart hohen Kosten belegt werden. In dem neuen "einheitlichen Tarifsystem" des VGN sind die Tarifzonen für die Waldorfschüler nicht berücksichtigt. Werner bekundete großes Interesse, gemeinsam mit der Schule und den Behördenvertretern nach einer akzeptablen Lösung zu suchen.
Kreisrat Hans Dünninger verwies auf den einstimmigen Beschluss des Kreistages, dem Verkehrsverbund am 1. Januar beizutreten. Der Problematik, die durch die Umstellung auf den VGN auf die Waldorfschüler zukommen würde, sei man sich in den Ausschüssen nicht bewusst gewesen. Die Freie Waldorfschule sei eine Bereicherung für die Stadt Haßfurt und den Landkreis, aber man sei an rechtliche Reglements gebunden, erklärte der Kreisrat.
"Der Landkreis ist nicht in der Lage, Zuschüsse für Waldorfschüler zu gewähren", kommentierte Adelinde Friedrich. Bei freiwilligen Leistungen sei man von Seiten des Landkreises einfach eingeschränkt, auch wenn die Eltern einwendeten, dass bei einem Besuch ihrer Kinder an einer staatlich anerkannten Schule der Landkreis ja auch für die Schulwegkosten aufkommen müsste.


Rabatt der Bahncard fällt weg

Bisher konnten die betroffenen Waldorfschüler aus Bamberg mit dem Rabatt der Bahncard günstiger fahren, doch nun fällt dieser weg. Die Schulführung habe schon mögliche Tarife durchgerechnet, um den Eltern der betroffenen Schüler die günstigsten Fahrpreise aufzuzeigen, führte Geschäftsführerin Achilles aus. Aber auch wenn man das Ticket bis nach Schonungen lösen würde, wäre höchstens eine Ersparnis von 40 Cent möglich, wie eine Mutter vorbrachte. Mögliche Lösungsstrategien wurden von einigen Eltern bereits vorgetragen. Diese gilt es jetzt umzusetzen.
Seitens der Waldorfschule wollte man mit dem Gesprächsabend die Thematik ins Bewusstsein der Politik bringen. Jetzt gilt es, Gespräche zu führen, die es bisher nicht gab, etwa mit Landrat Wilhelm Schneider, wie sich Annette Achilles äußerte. Landrat Schneider ist nach Aussage von Adelinde Friedrich als einer der Verbandsräte im VGN vertreten und könnte sich dort mit der Problematik einbringen. Markus Mehlhorn signalisierte die Gesprächsbereitschaft von Steffen Vogel.