Der Sommer 2012 war für viele Landwirte im Landkreis Haßberge kein guter. Der Dauerregen brachte auch einem 54-jährigen Bauer eine dürftige Ernte ein. Aber nicht nur das: Seine Jauchegrube floss über und schwemmte die phospor- und ammoniakhaltige Brühe in den Straßengraben.

Eine Anzeige wegen vorsätzlicher Gewässerverunreinigung war die Folge. Die Verschmutzung gab der Landwirt vor Strafrichterin Ilona Conver bei einem Prozess am Amtsgericht in Haßfurt unumwunden zu. Den Vorsatz jedoch stritt er ab. "Das war höhere Gewalt. Durch die starken Unwetter ist der Regen in den Misthaufen reingelaufen und hat ihn verflüssigt", erklärte er. Die Dachrinne und das Ablaufrohr seien verschmutzt gewesen, so dass das Wasser in die Mistlege floss.
Die Jauche - also der flüssige Mist - werde normalerweise direkt unter dem Viehstall aufgefangen.

"Im Sommer muss man schon mal mit Starkregen rechnen", hielt Oberstaatsanwalt Martin Dippold dem Angeklagten vor.

Wiederholt Gülle im Graben

Zudem ist der Landwirt kein unbeschriebenes Blatt. Schon 2010 stand der Mann wegen Gewässerverschmutzung vor dem Haßfurter Gericht. Seine Fahrlässigkeit wurde damals mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen geahndet.

Ein Verwaltungsbeamter der zuständigen Gemeinde sagte als Zeuge aus, dass er seit mehreren Jahren mit dem Angeklagten wegen des Problems in Kontakt stehe. 2012 gab es ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Der Landwirt sei "bei entsprechender Schärfe" zwar kooperativ, verfalle dann aber schnell wieder in den alten Trott. "Aber seit 2012 hat sich die Lage doch gebessert", sagte der Beamte aus.

Die notwendigen Voraussetzungen, die Gülle auf dem Hof zu lagern, hätte der Angeklagte. Neben einer etwa 100 Kubikmeter fassenden Güllegrube unter dem Viehstall befindet sich auch ein 450 Kubikmeter fassendes Güllesilo auf dem Gelände. Allerdings muss der flüssige Mist für die Lagerung dort erst in einen Tankwagen (den der Angeklagte besitzt) gepumpt werden.

Langfristige Überdüngung

Der Verteidiger argumentierte, dass sein Mandant zu einer aussterbenden Sparte gehöre: den Landwirten, die den Sprung in die Modernisierung nicht geschafft hätten und nur mühsam über die Runden kämen. Richterin Ilona Conver glaubte dem Angeklagten zwar, "dass Sie es sicher nicht leicht haben". Trotzdem sei der Verstoß zu ahnden - gerade im Hinblick auf die Vorstrafe.

Eine Sachverständige erklärte dem Gericht die Auswirkungen der Verschmutzung. Die "sauerstoffzehrenden Stoffe" im Mist töteten die Lebewesen im Bach unmittelbar. Der hohe Nährstoffgehalt in der Jauche führe außerdem zu einem vermehrten Wachstum von Algen und Wasserpflanzen im Wasser, die sich als Faulschlamm ablagerten. Das führe wiederum langfristig zu einer "Überdüngung".

Der 54-jährige Angeklagte wurde schließlich zu einer Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu je 23 Euro verurteilt. Oberstaatsanwalt und Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel. Damit ist das Urteil rechtskräftig.