Prinzipiell geht es bei der Berufswahl ja darum, etwas zu finden, das zu einem passt. Dass das nicht leicht ist, wissen Schulabgänger nur zu gut. Und dass man nicht immer das bekommt, was man will, aber oft das, was man braucht, sangen die Rolling Stones im Jahr 1969 in ihrem Stück "You can't always get what you want" - angesichts der formidablen finanziellen Lage der Stones vielleicht etwas selbstgefällig.

Es ist bei der Suche nach der richtigen Ausbildungsstelle aber ein bisschen so wie in dem Stones-Lied: Man hat seine Wünsche und Vorstellungen, ist nicht ohne Konkurrenz damit und muss sich bisweilen mit weniger zufrieden geben. Kleinere Brötchen backen, sagen nicht die Bäcker per se, sondern der Volksmund.


Realistischer denken

Mit dieser Problematik - der Diskrepanz zwischen der Vorstellung vom Traumjob und der Realität - sehen sich die Mitarbeiter bei der Agentur für Arbeit nur allzu oft konfrontiert. Gestern Nachmittag sprachen Melanie Geheb-Müller, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Schweinfurt, und der Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Haßfurt, Günther Trum, über die Situation am Ausbildungsmarkt im Landkreis Haßberge. Kernaussage der beiden: Die Lage im Kreis Haßberge ist - aus Bewerbersicht - ziemlich gut, denn auf 591 Bewerber kommen 524 Stellen. Aber: "Innerhalb der Berufsgruppen gibt es ein deutliches Ungleichgewicht", sagt Geheb-Müller. So gebe es im Bereich "Büro, Organisation, Verwaltung" im Landkreis Haßberge 107 Bewerber auf 73 Stellen, während etwa die Sparte "Bau, Gebäudetechnik" 17 Bewerber auf 57 Stellen zählt.

Die Faustregel lautet, dass sich der durchsetzt, der die bessere Qualifikation vorzuweisen hat. Umgekehrt müsse ein ausbildender Betrieb aber auch etwas bieten können, denn die Qualifikationsanforderung beruht auf Gegenseitigkeit. Deswegen könnte sich ein Schulabgänger, der seinen Traumjob verpasst hat, selbstbewusst sagen: Es muss gar nicht der Traumjob sein, ich nehme, was ich kriegen kann und mache das beste draus. "Der Kampf um die besten Köpfe" setzt sich laut Geheb-Müller in der Region nämlich fort und das gilt vor allem im Bereich betriebliche Ausbildung, im speziellen im Handwerk.

Dass sich hier für beide Seiten viele Chancen auftun, steht außer Frage für Günther Trum, gegebenenfalls ist der bisweilen sehr begehrte Nine-to-five-Job in der Industrie perspektivisch gesehen sogar die schlechtere Wahl. Wer etwa in einem kleinen Meisterbetrieb gelernt habe, könne sich in das Unternehmen viel stärker einbringen und selbstständiger arbeiten als es ihm womöglich ein Großbetrieb ermöglicht.


Betriebe in der Pflicht

Dafür sind nach Ansicht der Agentur für Arbeit aber auch Betriebe in der Pflicht. So gebe es seit Jahren einen Rückgang von Bewerberzahlen für handwerkliche Berufe, besonders betroffen sind Bäcker, Fleischer oder das Baugewerbe, etwa die Maler und Lackierer. Insgesamt blieben im Landkreis Haßberge 77 Stellen unbesetzt und das liegt nach Ansicht der Agentur für Arbeit auch daran, dass einige Betriebe kaum etwas dafür tun, ihr Handwerk für potenzielle Bewerber attraktiv zu machen. Die Folge: viele Ausbildungsplätze, aber nur ganz wenige Bewerber.

Dass es auch anders geht, zeigen Unternehmen aber durchaus. Trum nennt die Bäckerei Oppel im Steigerwald, die unter Bewerbern und im Bereich Ausbildungsqualität einen hervorragenden Ruf genieße, trotz der allgemeinen Klagen der Bäcker, der Nachwuchs sei auch nicht mehr das, was er mal war.


Das ganze Leben?

Eine erfolgreiche berufliche Zukunft hängt von beiden Seiten ab. Dazu gehöre es auch, "Perspektiven und Entwicklungschancen" aufzuzeigen, sagt Geheb-Müller. Oder, wie Trum es ausdrückt, die Einsicht, "dass man sich im Beruf auch entwickeln kann und nicht das ganze Leben die Tätigkeit macht, die man drei Jahre lang erlernt hat". Also nehmt ruhig erst einmal das, was ihr kriegen könnt, und dann sehen wir weiter...