Der heutige 8. März erinnert an den Kampf um das Frauenwahlrecht und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Heute ist der internationale Frauentag. Das weibliche Geschlecht konnte in den vergangenen Jahrzehnten einige Erfolge erreichen. Die Geschichte der Frauen in der Heimat zeigt aber auch, dass so manche emanzipatorischen Fortschritte, die man den Frauen einräumte, aus der Not heraus zustande gekommen waren.
Jahrhunderte lang galt, dass die Frauen erst vom Vater und später vom Ehemann "erzogen" werden müssen, um Demut und Gehorsam zu lernen. Nach einem Protokolleintrag von 1738 erwarteten die Zeiler Stadtväter von den Ehemännern, dass sie in der Familie für Ordnung sorgen. Sie sollten keine "Schändhändel" und "Weiberpossen" dulden und "ihre Weiber in Zucht halten".

Allein im Wirtshaus? Undenkbar!

Ein Gräuel war es der Obrigkeit zu Beginn des 19.
Jahrhunderts, wenn "Weibspersonen ganz allein und ohne Aufsicht der Eltern oder Anverwandten Wirtshäuser oder Bierkeller" besuchten. So verfügte das Eltmanner Landgericht 1819, "dass Weibspersonen, welche ohne Beysein der Ältern, der Dienstherrschaft oder der Verwandten an gewöhnlichen Sonn- und Feiertagen als liederliche Streunerinnen aufgegriffen und in Arrest gebracht werden."
Während die Männer Neuigkeiten zumeist in den Gastwirtschaften auszutauschen pflegten, war den Frauen derartiges nur beim Wasserpumpen an den Brunnen oder beim Brot-Backen an den gemeindlichen Backöfen möglich.
Bei der Schulausbildung war es lange Zeit üblich, dass den Mädchen weniger Aufmerksamkeit zuteil wurde. So meinten im 19. Jahrhundert die Gemeinderäte in Krum, "daß ein Knabe besonders in der Führung einer ordentlichen Haushaltung weit mehr wissen und verstehen muss als ein Mädchen". In den Testamenten und Niederschriften im Zeiler Stadtarchiv fällt auf, dass noch im 19. Jahrhundert mehr Frauen als Männer des Schreibens und Lesens unkundig waren und ihre Unterschrift häufig nur aus drei Kreuzchen bestand.

Gar nicht lustig

Frauen hatten es wahrlich nicht leicht, die Unterdrückung durch Männer geschah in fast allen gesellschaftlichen Bereichen. So war auch die Fasenacht in den Anfängen eine reine Angelegenheit der Männer. 1909 verkündete der Zeiler Pfarrer auf der Kanzel die Anordnung des Würzburger Bischofs: "Die christliche Sitte und Schamhaftigkeit verbietet es ehrbaren Frauenspersonen von selbst, an Maskeraten teilzunehmen."
Auch im Sport blieben Frauen lange Zeit außen vor. Nur allmählich eroberten sie sich diese Domäne. In Haßfurt hatten bei den Frauen 1921 die Badezeiten im Flussbad großen Ärger hervorgerufen. Der nur aus Männern bestehende Stadtrat billigte dem schwachen Geschlecht nur ein Fünftel der Badezeit in der Mainbadeanstalt zu. Darauf führten einige engagierte Frauen an, dass systematische Leibesübungen in Gottes freier Natur, in Sonne, staubfreier Luft und Wasser für sie ebenso notwendig seien wie für die Männer. Schließlich seien sie die Mütter des kommenden Geschlechtes.

Frauen in Bewegung

Im gleichen Jahr traten in Haßfurt erstmals Frauen dem Turnverein bei, um durch Stab- und Keulenübungen "ein gesundes Seelenleben zu entwickeln und dem weiblichen Körper ein schönes Ebenmaß zu verleihen".
Einen maßgeblichen Anteil an der Emanzipation der Frau hat das Radfahren. In Zeil taucht erstmals 1913 unter der Nummer 172 die erste registrierte Radfahrerin auf. Es war Mathilde Geisel, zu der sich später noch die Hebamme Veronika Gräf gesellte. Bis 1922 waren nur zehn von 302 eingetragenen Fahrradinhabern Frauen gewesen. Der Zeiler Fahrradverein ließ vor dem Ersten Weltkrieg eine Postkarte drucken, auf der auch Frauen in die Pedale treten.
Das Fahrrad hat auch den Siegeszug weiblicher Hosen befördert. Frauen, die Hosen trugen, galten noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg als nicht "salonfähig". Erst Ende der 1960er Jahre wurden Frauenhosen gesellschaftlich akzeptiert.
Die Emanzipation ist ein langsamer, aber stetiger Prozess. Nach 1945 regte die amerikanische Besatzungsmacht in Ebern die Bildung von "Frauendiskussionsringen" an. Diese sollten vor allem das Verantwortungsgefühl der Frauen wecken, so dass sie ihre Pflichten erkennen, um dann auch ihre staatsbürgerlichen Rechte einfordern zu können. Die waren zu diesem Zeitpunkt allerdings noch sehr eingeschränkt.

Frauen in der Politik

In die Politik drangen Frauen relativ spät vor. Bei der ersten Kreistagswahl nach dem Krieg etwa kandidierte 1946 in den drei Alt-Landkreisen Haßfurt, Ebern und Hofheim unter den 144 Kandidaten nur eine einzige Frau, die den Einzug aber nicht schaffte. Erst zwei Jahre später, als eine weitere Kreistagswahl stattfand, konnten sich von den insgesamt 334 Bewerbern vier Frauen durchsetzen. Heute gehören dem 60 Sitze umfassenden Kreistag 14 Frauen an.
Auch aus den eigenen Reihen bekamen Frauen Gegenwind: Bei einer Veranstaltung in Haßfurt vertrat 1954 die Hammelburger CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Maria Probst den Standpunkt, die Autorität des Mannes bei wichtigen Familienfragen wie Kindererziehung oder Wohnsitzfestlegung müsse als gottgewollte Ordnung aufrechterhalten werden. Die "Gleichmacherei", so die allgemein geschätzte Politikerin, übersehe die Schöpfungswahrheit und sei nur zum Schaden der Frau. Damit kritisierte die spätere Bundestagsvizepräsidentin die 1953 höchstrichterlich verkündete Gleichberechtigung von Mann und Frau, die dann 1957 gesetzlich festgeschrieben worden ist.
Frauen und Mädchen spielten im Vereinsleben lange Zeit keine große Rolle. Aber sie erarbeiteten sich nach und nach mehr und mehr Akzeptanz. 1961 fand in Haßfurt zwischen Deutschland und Holland ein Fußball-Damenländerspiel statt. Die 3500 Zuschauer, so kommentierte die örtliche Presse, hätten das bis jetzt "zärtlichste Fußballspiel" gesehen.

Tonangebend

Etwas früher waren die Frauen bereits in anderen Bereichen tonangebend: In den 1920er Jahren ließ beim Zeiler Gesangverein "Liederkranz" das Interesse der Männer nach. Der 1907 gegründete Verein entschloss sich 1929, mit der Bildung eines gemischten Chores Frauen in seine Reihen aufzunehmen. Als die meisten Männer zum Kriegsdienst eingezogen waren, hielten Frauen und Mädchen den Zeiler Kirchenchor am Leben. 1940 sangen bei der feierlichen Einweihung der Kirchenorgel fast ausschließlich Frauen.
Das weibliche Geschlecht ließ sich über die Jahre hinweg immer schwerer aufhalten, was einige Männer durchaus versuchten (und es auch heute noch tun). Das Selbstvertrauen der Frauen wuchs weiter. 1967 setzte sich bei der Frühjahrstagung der Kommandanten des Landkreises Haßfurt die Erkenntnis durch, dass in Gemeinden mit einem ausgesprochenen Mangel an Feuerwehrmännern nun auch Frauen und Mädchen für den Feuerwehrdienst herangezogen werden können. Vor allem, "wenn dies zur Sicherung des Feuerschutzes absolut notwendig ist". Heute ist das selbstverständlich: Gegenwärtig machen im Kreis Haßberge 460 Frauen und 201 Mädchen Dienst bei den Freiwilligen Feuerwehren.