Die Taucher schweben scheinbar schwerelos im Wasser, rings um sie herum nur das endlose Blau des Meeres. Ihre leichten Flossenschläge bringen sie dem Grund immer näher. Dann plötzlich taucht es auf, wie aus dem Nichts: das Wrack der "Rubis" - ein französisches U-Boot, das während des Zweiten Weltkrieges in den Gewässern vor St. Tropez sank. Nur der weiße Sand ist ringsum zu sehen und in der Mitte erhebt sich - majestätisch und unheimlich zugleich - das Schiffswrack. Ein unvergessliches Erlebnis. So schildert Stefan Rambacher, Gründungsmitglied des Kems Tauchclubs, einen Tauchgang bei einem der ersten Ausflüge des Vereins, der in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen feiert.

Doch wie kommt man auf die Idee, mitten in den Haßbergen einen Tauchverein zu gründen? "Das war so", beginnt Rambacher, der von Anfang an dabei war: "Wir waren damals vier Freunde. Einer hatte in seinem Urlaub auf Gran Canaria den Tauchschein gemacht und dann nach und nach alle mit dem Tauchfieber angesteckt." Die vier Jungs saßen damals jeden Tag beieinander und der Tauchsport entwickelte sich zu ihrem Hobby.
Das zog immer weitere Kreise und immer mehr Freunde und Bekannte wollten mitmachen. Nach drei Jahren war der Club bereits auf 17 Mitglieder angewachsen, und man beschloss, einen eingetragenen Verein zu gründen. Die Mitglieder profitierten dabei vor allem von der Mitgliedschaft des Clubs in größeren Dachverbänden. Denn diese vergeben Fördergelder und sorgen zudem für einen Versicherungsschutz.

Mittlerweile 100 Mitglieder


Schnell wurde das Hallenbad in Königsberg, welches ursprünglich als Trainingsort vorgesehen war, zu klein und man zog in das Zeiler Hallenbad um. Zu dieser Zeit gab es schon insgesamt 60 Mitglieder. Heute wird immer noch im Zeiler Hallenbad trainiert, die Mitgliederzahl ist auf 100 angewachsen. "Viele haben schon den Tauchschein im Urlaub gemacht und nach einer Möglichkeit gesucht, zu Hause zu trainieren", sagt Burkhard Höhn, Zweiter Vorstand des Kems Tauchclubs. Der Verein biete für Taucher zudem die Möglichkeit, Menschen mit dem gleichen Hobby zu treffen und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Geeignete Seen gebe es in Franken aber nicht. "Die nächsten sind in Raum München oder in der Gegend Leipzig/Halle", sagt Höhn. Einige lernten das Tauchen erst in Zeil.

Für die Anfänger wäre der Tauchgang zum U-Boot-Wrack nichts gewesen, erklärt Rambacher. "40 Meter sind genug", lautet eine Taucherregel. Das hat mit dem sogenannten Tiefenrausch zu tun. Je tiefer getaucht wird, desto mehr Stickstoff lagert sich im menschlichen Körper ab und blockiert die Nervenbahnen - die Wirkung ist ähnlich wie bei einem Alkoholrausch. "Die Leute machen dann die verrücktesten Sachen. Einer hat sein Atemgerät aus dem Mund genommen und versucht, damit die Fische zu füttern", so Rambacher. In der Tiefe kann das natürlich fatal sein - und lebensbedrohlich. Deshalb müsse man immer zu zweit tauchen. Der Partner sei dann dafür verantwortlich, den anderen nach oben zu ziehen. Nur wenige Meter reichen aus, und der Tiefenrausch ist schlagartig verschwunden.

Für Höhn war der beeindruckendste Tauchgang in einer Höhle auf einer kroatischen Insel. Dort hat sich unterirdisch ein riesiger Felsendom gebildet, in dem sich große Schwärme schillernder Bernsteinmakrelen tummeln. "Wenn man von unten durch die Öffnung der Höhle sieht, dann meint man eine überdimensionale Taucherbrille zu sehen", berichtet Höhn. Ein fantastisches Bild.

Auch Peter Knieling ist seit Jahren passionierter Taucher und wie Rambacher und Höhn im Kems Tauchclub aktiv. Ihm hat besonders ein Tauchgang in einem Stollen in der Nähe von Hamburg imponiert. Dort hat man - extra für die Taucher - einen kompletten Lkw versenkt. Ein Spaßvogel hat am Lenker des Lastwagens eine Puppe platziert - was schon für die ein oder andere Schrecksekunde gesorgt hat, erzählt Knieling lachend. Das Meer sei aber immer noch die erste Wahl, da sind sich die drei Taucher einig. Denn nirgends ist die Sicht so gut und sind die Farben so vielfältig.

Ausrüstung ab 1400 Euro


Um Taucher zu werden, ist eines ganz wichtig: Fitness. "Zwar schwebt man nur im Wasser, aber gerade wenn man gegen die Strömung anschwimmen muss, ist einiges an Kraft nötig", so Höhn. Die Taucherausrüstung können Interessierte beim Club ausleihen - bis auf den Neoprenanzug. Wer eine eigene Ausrüstung anschaffen möchte, muss mit mindestens 1400 Euro rechnen. "Nach oben hin sind den Preisen natürlich keine Grenzen gesetzt", sagt Rambacher.

Der Verein verfügt über einen eigenen Kompressor, mit dem die Atemluft in die Flaschen gepresst wird. Wer vermutet, dass sich darin reiner Sauerstoff befindet, liegt falsch. "Es handelt sich um ganz normale Atemluft", sagt Höhn. Spezielle Filter sorgen aber dafür, das kein Kohlenstoffdioxid enthalten ist.
Übungen für das Atmen, den richtigen Flossenschlag und für den korrekten Umgang mit den Geräten stehen beim Training des Clubs im Vordergrund. Übungen, die in der Prüfung zum Tauchschein vorkommen, werden natürlich besonders intensiv durchgegangen.

Ein neuer Reiz beim Tauchen ist die Unterwasser-Fotografie. Damit, so Knieling, lassen sich nicht nur schöne Erinnerungen festhalten, sondern man kann auch Außenstehenden einen Blick in die bezaubernde Unterwasserwelt gewähren - und sie von den besonderen Eindrücken überzeugen, die man beim Tauchsport bekommt.


Tag der offenen Tür


Der Kems Tauchclub e.V. lädt am Sonntag, 11. März, zu einem Tag der offenen Tür ins Zeiler Hallenbad ein. Kinder ab 14 Jahren können am Schnuppertauchen teilnehmen. Badesachen müssen mitgebracht werden. Eine kleine Ausstellung bietet Informationen rund um den Tauchsport. Zudem stehen die Vereinsmitglieder für Fragen zur Verfügung.