Schneller, höher, weiter - für Heike Hofmann ist das kein Thema. Ihr Motto lautet: weiter, weiter, weiter. Ihr geht es nämlich darum, dass sie nicht mehr aufhört mit dem, was sie angefangen hat. "Ich laufe für mich. Mir ist die Geschwindigkeit nicht so wichtig", sagt die 44-jährige Neubrunnerin über ihre nicht vorhandenen Wettkampfambitionen. Sie hat anderes im Sinn. Nämlich einfach fit bleiben. Doch dazu musste sie erst einmal fit werden. So kam es, dass sie vor rund drei Monaten nach etlichen Jahren erstmals wieder die Laufschuhe schnürte. Warum?
"Das habe ich meiner großen Klappe zu verdanken", sagt sie und lacht. Denn ihr Mann Rainer hatte sich im März dieses Jahres für die Aktivwochen des Fränkischen Tages beworben. Gesucht wurde eine Laufgruppe, die unsere Zeitung über zwei Monate hinweg von April bis Juni wöchentlich bei Ausdauerläufen quer durch den Landkreis Haßberge begleiten kann.


Es gibt kein Zurück mehr

Heike war so frei und trumpfte gegenüber ihrem Mann groß auf: "Wenn wir ausgelost werden, mache ich da mit" (überhaupt kein Problem, mach ich mit links, ist doch nix, ich lauf euch eh allen davon - es gibt zahlreiche Erzählungen, was Heike an diesem Abend alles gesagt haben soll). Und plötzlich gab es für die 44-Jährige kein Zurück mehr: Die Gruppe "Never run alone" ihres Mannes war nämlich fortan die FT-Laufgruppe und musste einmal pro Woche auf die Piste. Darüber wurde in der Aktivwochen-Beilage berichet. Und, da ist Heike ehrlich, von alleine hätte sie sich vermutlich nicht zum Ausdauersport aufraffen können. "Die FT-Laufgruppe bedeutete dann halt: Ok, du musst", erinnert sie sich. Denn trotz großer Klappe, sie steht zu dem, was sie sagt. "Aber ich bereue es noch keinen einzigen Tag", sagt Heike.

Einmal rund ums Olympiastadion

Denn als die Aktivwochen Mitte Juni zu Ende waren, dachte die 44-Jährige nicht im Traum daran, damit aufzuhören, was sie im April begonnen hatte aufzubauen. Vergangene Woche hat sie sogar mit Rainer bei einem Benefizlauf in München teilgenommen: 6,2 Kilometer ging es rund um das Olympiagelände, zusammen mit dem bekannten Extremsportler Joey Kelly bildeten die Hofmanns und weitere Läufer ein Team, mit dem sie Geld für den guten Zweck erliefen. Die Strecke hat Heike ohne Gehpausen bei Temperaturen von mehr als 30 Grad in unter 50 Minuten absolviert.
Vor knapp drei Monaten wäre das noch undenkbar gewesen. Damals ging es beim ersten Lauftreff im Zeiler Wald auf eine nur 4,5 Kilometer lange, zugegeben etwas bergige Runde. Aber Heike musste bei null anfangen und kämpfte sich jeden Meter vorwärts. Damit war ihr Ehrgeiz schon gepackt: Von Woche zu Woche steigerte sie sich, lief zusätzliche Einheiten in der Neubrunner Gegend und war schon nach vier Wochen auf einem Niveau, das es ihr ermöglichte, selbst längere Strecken in ausgeglichenem Tempo zu laufen. Dieses Erfolgserlebnis ermunterte sie, weiter zu machen. Über einen Monat nach dem letzten Treff der FT-Laufgruppe ist Heike jede Woche zwei bis drei Mal die Woche unterwegs auf ihrer Hausstrecke in Neubrunn. "Da habe ich vier Berge drin und drei davon schaffe ich schon komplett ohne Gehen." Und: Mittlerweile hat sie die Strecke von ursprünglich drei Kilometer und einem Berg ("den bin ich gegangen") auf 7,5 Kilometer Länge erweitert.

Fit und ausgeglichen

Ein echtes Erfolgserlebnis. Und Heike will weitermachen, der Entschluss ist gefasst: "Ich fühle mich fitter und ausgeglichener." Außerdem ist das alles ziemlich unkompliziert: Heike hat in jungen Jahren viel Sport getrieben, doch dann kam ihr Sohn auf die Welt und auch der Beruf forderte sie. Für frühere Hobbys wie Turnen, Tennis oder Faustball blieb da keine Zeit mehr. "Laufen, da ziehst du schnell mal die Schuhe an und kannst fort", sagt sie über die flexiblen Trainingsmöglichkeiten, die sie ihrem Tagesablauf gut anpassen kann. All diese Vorteile wieder herzuschenken komme nicht in Frage.
Viel Unterstützung

Außerdem freut sie sich, dass sie mit den Mitgliedern der Laufgruppe weiter in Kontakt ist und es noch gemeinsame Trainingseinheiten gibt: Mit Sindia Kirchner ist sie nach Möglichkeit einmal die Woche unterwegs. Auch Elke und Alfred Beierlieb, zwei sehr erfahrene Läufer, "unterstützen mich sehr und geben wertvolle Tipps", sagt Heike. Weiter seien auch Mario Sterzl und seine Frau Alexandra für sie da. "Und natürlich Mirko, die Maschine", grinst Heike (Mirko Kleinknecht war ebenfalls Anfänger in der FT-Laufgruppe, machte aber dank intensivem Training enorme Fortschritte, Anm. d. Red.). Auch die anderen Laufgruppen-Mitglieder helfen ihr weiter (Heike: "Der Wolfgang sagt immer: Ich lauf mit dir, ich muss eh langsam machen"). Und freilich habe sie das meiste ihrem marathonerfahrenen Mann Rainer zu verdanken: "Der baut mich auf und motiviert mich und ist in München nicht von meiner Seite gewichen", sagt sie über die Teilnahme an dem Spendenlauf. "Er hätte die Strecke ja locker in der Hälfte der Zeit geschafft."

Aktivwochen "waren klasse"

So Heike, nachdem Du allen schön brav Danke gesagt hast, hast Du da nicht was vergessen? "Wie bitte?", fragt Heike. Na, die FT-Aktivwochen, haben die etwa nicht dazu beigetragen, dass Du wieder richtig flink zu Fuß unterwegs bist? "Ach so, ja klar", sagt Heike und grinst. "Das war schon klasse."