Die erste von zwei Regionalkonferenzen, die sich mit dem Mobilitätskonzept, welches vom Landkreis in Auftrag gegeben wurde, befasst, fand am Dienstag in der Frauengrundhalle in Ebern statt. Nur wenige Besucher hatten den Weg gefunden, um sich von Christoph Gipp und Annkatrin Nicklas vom IGES Institut in Berlin, welches Lösungsvorschläge für verschiedenste Probleme erarbeitet, über Möglichkeiten eines Mobilitätskonzepts für den Landkreis Haßberge informieren zu lassen.

Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) hieß neben Landrat Wilhelm Schneider (CSU) die Besucher, die man an zwei Händen abzählen konnte, willkommen. Schneider sagte, dass die heutige Konferenz im Zuge der Erstellung eines Mobilitätskonzeptes stattfinde. Das Ergebnis vorausgegangener Workshops fließe nun in die Vorschläge von IGES mit ein. "Ziel ist es, in unserem Landkreis Schwachstellen zu erfassen und Lösungsansätze für ein besseres Verkehrskonzept zu suchen", so der Landrat. Die Lebensqualität einer Region sei auch abhängig von vorhandenen Mobilitätsangeboten. Der Kreischef machte aber auch deutlich, dass sicher nicht jeder Wunsch erfüllt werden könne. Ein sinnvolles Mobilitätskonzept sei auch ein Beitrag für Umwelt- und Klimaschutz.

Gipp stellte zu Beginn seines Vortrages dar, was bisher passiert ist. So fanden Befragungen statt, um hiervon mögliche Leitprojekte ableiten zu können. "Im Landkreis gibt es eine Vielzahl von Defiziten hinsichtlich Bedienungsfreundlichkeit und der räumlichen Erschließung", sagte Gipp. Hier ging er auf Standorte ein, denen aufgrund besonderer Umstände Augenmerk gewidmet werden sollte.

Auch "ausgewählte" Bürgermeister wurden in die Befragung eingebunden um die Mobilitätsbedürfnisse zu ermitteln, sagte Gipp. Wesentliche Erkenntnisse daraus waren Fahrdienste für Beschäftigte und Azubis, Verknüpfung der Region von Haßfurt - Bad Colberg - Heldburg möglicherweise durch E-Bus-Linien. Ins Gespräch kamen hier auch Dorfbusse, weitere Bürgerbusse oder Mitfahrbänke.

"Wir haben insgesamt 357 Fragebogen an Personen verschickt, von denen 60 in zurück kamen, ein passabler Rückfluss", so Gipp. Überrascht seien er und das Team gewesen, dass viele, 72 Prozent der Befragten, Wert auf klimagerechte Fortbewegung legen. "Das Auto ist bei allen Fahrten und Besuchen noch das Verkehrsmittel Nummer eins, ob bei Arztbesuchen, Einkäufen oder bei der Freizeitgestaltung", so der Referent. Er stellte fest, dass ein Informationsdefizit in vielen Bereichen bestehe, ob das Fahrpläne des ÖPNV sind, oder Haltestellen die teilweise nicht bekannt oder unzureichend ausgeschildert wären. Auch konkrete Angebotswünsche wurden geäußert. So eine Busverbindung von Hafenpreppach nach Altenstein auch außerhalb der Schulzeit oder eine Verbindung von Untermerzbach zu Schulen in Coburg Ziel müsse es sein die Bekanntheit und Attraktivität der Wanderregion in Verbindung mit Tourismus- und Freizeitzielen zu erhöhen und eine Quervernetzung von Naturpark Haßberge und Steigerwald zu erreichen.

"Das alles sollte in kleinen Schritten angegangen werden und Schwerpunkte für Dorfautos (Carsharing) und Bürgerbussen gefunden werden", so Gipp. Handlungsbedarf sieht er auch bei der Kommunikation von Mobilitätsangeboten mit dem Ziel, Wissen in die Bevölkerung zu transportieren. Ein anwesender Busunternehmer beklagte die mangelnde Bereitschaft, Busse mehr zu nutzen. Er schilderte, dass er täglich insgesamt 320 Kilometer bis nach Maroldsweisach in mehreren Fahrten zurücklege. "Vor Ostern hatten wir 15 und nach Ostern 22 Fahrgäste. Dass ist einfach zu wenig."

Auch die bisher angebotenen Einkaufsfahrten würden zur Debatte stehen, weil die Werbegemeinschaft Ebern die Kosten künftig nicht mehr mit tragen könne. Hier müssten Gemeinden einspringen, um das Angebot aufrecht erhalten zu können. Eine Besucherin brachte ins Gespräch, ob nicht überlegt werden sollte, dass sich Kommunen E-Autos anschaffen, um diese zu für Einzelfahrten zu vermieten. Im Argen wären auch Verbindungen in die Kreisstadt Haßfurt zu Zeiten, wo man in Ämtern etwas erledigen könnte.

Schließlich forderten Christoph Gipp und Annkatrin Nicklas zur Mitarbeit auf. An vorbereiteten Schautafeln konnten sich die Teilnehmer einen Überblick verschaffen und Vorschläge einbringen.