"Ich hab' schon immer gerne Verantwortung übernommen, als Klassensprecherin, Schulsprecherin, Elternbeiratsvorsitzende in Kindergarten, Realschule und Gymnasium. Als Vorstandsmitglied bei der Eberner Tourismus- und Werbegemeinschaft. Jedes Ehrenamt hat nicht nur Zeit und Kraft gekostet, sondern mir auch viel gegeben. Jetzt sind meine Kinder groß und ich kann mich neuen Tätigkeiten zuwenden." So als Schöffin. Christina Seebach-Künzel (50) ist eine von 90 Haupt- und 80 Hilfsschöffen, die künftig am Landgericht Bamberg und den Amtsgerichten Bamberg, Forchheim und Haßfurt in der Strafrechtsprechung Dienst tun werden. Im Januar beginnt die neue fünfjährige Amtsperiode.

Es ist ein Ehrenamt ohne Nachwuchsmangel: "Über mangelndes Interesse am Schöffenamt können wir uns nicht beklagen", stellt Landgerichtspräsident Manfred Werth fest.
"Gelegentlich erhalten wir sogar enttäuschte Rückmeldungen von Interessenten, die nicht zum Zug gekommen sind. Für mich ein Zeichen, dass sich die Bürger aktiv in die Rechtsprechung einbringen wollen."

72 Frauen und Männer, die ab 2014 am Landgericht Bamberg als Schöffinnen und Schöffen eingesetzt werden, hatte der Landgerichtspräsident kurz vor Weihnachten zu einer Einführungsveranstaltung in den Schwurgerichtssaal des Justizgebäudes am Wilhelmsplatz eingeladen. Mit dabei auch u.a. Reinhold Giebfried aus Hofheim, Günter Güthlein aus Unterpreppach, Andreas Schor, Christina Seebach-Künzel und Harald Pascher aus Ebern.

Werth sprach von einer großen Entscheidungsverantwortung der künftigen Laienrichter.
Die erfordere "ein hohes Maß an Menschenkenntnis, langjähriger Lebens- und Berufserfahrung und Verantwortungsbewusstsein". Auch die Wahrung des Beratungsgeheimnisses sei wesentlicher Bestandteil der richterlichen Tätigkeit.

Der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts, Manfred Schmidt, und Uwe Bauer, der Vorsitzende der Berufungskammer, machten ihre ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen mit den bevorstehenden Aufgaben und Verfahrensabläufen vertraut. "Bewahren Sie sich Ihre Unabhängigkeit, lassen Sie sich nicht von äußeren Erwartungshaltungen beeinflussen", appellierte beispielsweise Schmidt.

Bei der Urteilsfindung hat die Stimme der Schöffen genauso viel Gewicht wie die der Berufsrichter. Sie haben in Prozessen auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Ehrenamt, das verpflichtet

"Wie lange dauert eine Sitzung?", "Kann ich Urlaub nehmen?", "Bekomme ich Einsicht in die Akten?", lauteten einige von vielen Fragen, die sie gleich an die Berufsrichter stellten.

Der Schöffendienst ist ein Ehrenamt, das jemand nur aus wichtigen Gründen ablehnen kann. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, Berufstätige für den Sitzungsdienst als Schöffen freizustellen. Wie zeitaufwändig das sein kann, veranschaulichten die Referenten am Beispiel einiger langwieriger Prozesse, wie sie heuer vor dem Landgericht Bamberg stattfanden.

Begegnung mit "prallem Leben"

Als "Lohn" winkt Schöffen ein einmaliger Einblick in die Abläufe von Gerichtsprozessen und das Bewusstsein, Seite an Seite mit Berufsrichtern dem Recht Geltung zu verschaffen. "Das pralle Leben in all seinen Facetten" - so umschrieb Kammervorsitzender Schmidt das Tableau von menschlichen Schicksalen, mit denen sich Richter auseinandersetzen müssen.

Das ist es auch, was Neu-Schöffin Petra Düsel (53) reizt: "Am Stammtisch über scheinbare Fehlurteile schimpfen, ist leicht. Über Schuld und Strafe selbst mitzubestimmen, ist eine ganz andere Sache", sagt die städtische Angestellte über ihre Beweggründe, in den nächsten Jahren viel Zeit auf der Richterbank zu verbringen.
"Meine Kinder sind groß und ich kann mich neuen Tätigkeiten zuwenden. Da ist für mich das Schöffenamt die logische Konsequenz. Lebenserfahrung aus den unterschiedlichsten Bereichen habe ich reichlich und habe gelernt, Dinge und Sachverhalte aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten", beschreibt Christina Seebach-Künzel ihre Motivation.

"Ich bin vollkommen offen und gespannt, was auf mich zukommt. Sicher ist es interessant, Einblicke in andere Welten und Strukturen zu erhalten. An welchen Fällen und letztendlich auch Urteilen ich beteiligt sein werde, entscheidet der Zufall."

Ihre neun Schöffentermine für 2014 habe sie jedenfalls schon. Ob es dann ein- oder mehrtägige Verhandlungen werden erfährt sie erst kurz vorher. "Also ist Flexibilität angesagt und mein Urlaub wird jetzt so geplant, dass er auf jeden Fall vor Schöffenterminen endet."

Erstaunt hat die Augenoptikerin, dass beim Ausfall eines Schöffen oder eines Sachverständigen über 21 Tage das Verfahren komplett von vorne aufgerollt werden muss. "Da darfst Du nicht krank werden."

Harald Pascher (44) ist für die Geschäftsjahre 2014 bis 2018 zum Jugend-Schöffen beim Landgericht Bamberg gewählt worden. "Beworben habe ich mich, weil mich die Arbeitswelt der Gerichte interessiert und ich gerne meinen gesunden Sachverstand bei Verhandlungen einbringen möchte. Man kann als Schöffe sicherlich dazu beitragen, dass die Strafjustiz die Bodenhaftung nicht verliert. "

Jugendschöffe wollte der Fahrschullehrer deshalb machen, weil "ich regelmäßig durch meine berufliche Tätigkeit mit jungen Menschen zu tun habe. Es ist für mich sehr reizvoll zu erfahren, weshalb junge Leute vor Gericht stehen und wie diese sich dort verhalten."

Außerdem glaubt Pascher, dass er sich ganz gut in Menschen einfühlen kann und somit einen Beitrag zur gerechten Urteilsfindung leisten kann. "Persönlich trägt dieses Ehrenamt sicherlich auch dazu bei, neue Sichtweisen für einen persönlich zu erfahren."

Ehrenamtliches Engagement in diesem Bereich sei für ihn absolutes Neuland. "Deshalb bin ich schon sehr auf meinen ersten Einsatz als Jugendschöffe gespannt. Die Einführungsveranstaltung war auf jeden Fall sehr interessant und eindrucksvoll, da diese in einem Gerichtssaal stattgefunden hat."