Fliegende Klaviere, Trompeten mit Flügeln oder Segelschlagzeuge werden künftig nicht über dem Verkehrslandeplatz in Haßfurt zu sehen sein. Auch wenn dort ab Frühjahr 2013 Instrumentenflüge möglich sind. Gemeint ist damit, dass Flugzeuge auch dann starten und landen können, wenn die Sichtverhältnisse schlecht sind.

"Es war ein sehr langes Genehmigungsverfahren, jetzt sind wir soweit", freut sich Günter Mendel, der Geschäftsführer der Verkehrslandeplatz Haßfurt-Schweinfurt GmbH. Nun seien alle Auflagen erfüllt, die noch an den Genehmigungsbescheid des Luftamts Nordbayern vom Mai 2011 geknüpft waren. "Das war die Voraussetzung, damit wir die Mittel aus der regionalen Wirtschaftsförderung bekommen", erklärt Mendel. Das Geld hat der bayerische Landtag nun zur Verfügung gestellt. 40 Prozent der Kosten für den Ausbau werden aus dem Staatshaushalt bezahlt, die Bewilligung hat die Regierung von Unterfranken bereits abgewickelt. "Wir können jetzt konkret mit der Umsetzung beginnen", sagt Mendel.


Kosten stiegen weiter



Geplant ist die "Einrichtung eines Instrumentenflugbetriebs mit Luftraum F" schon seit 2008, doch dauerte es ziemlich lange, bis man loslegen durfte. Viele Hürden mussten genommen werden. Dadurch stiegen die Kosten: Rechnete man zunächst mit 600.000 Euro, war 2011 schon von 800.000 Euro die Rede. Jetzt müssen laut Mendel noch einmal 100.000 draufgelegt werden. "Wir mussten mehrmals umplanen. Das kostet natürlich Geld", sagt er. Eine Tragödie sei das nicht: "Eine zusätzliche Finanzierung durch die Kommunen ist nicht notwendig. Alle Mehrkosten sind gedeckt", versichert er.

Der Flugplatz in Haßfurt steht seit Jahren auf finanziell relativ sicheren Füßen, erwirtschaftet Geld durch Start- und Landegebühren und den Verkauf von Treibstoff. Dadurch ist der laufende Betrieb bereits seit 2007 gedeckt. Die drei Gesellschafter der GmbH (die Städte Haßfurt und Schweinfurt sowie der Landkreis Haßberge) zahlen zudem jährlich 25.000 Euro. "Davon gibt es Rücklagen, durch die wir die Mehrkosten decken", erklärt Mendel. Die für den Ausbau bereits seit längerem genehmigten kommunalen Zuschüsse in Höhe von 450.000 Euro reichen also aus.

Der Flugplatz in Haßfurt liegt gleich neben dem Naturschutzgebiet "Mainaue bei Augsfeld". Einfach drauf losbauen? Geht nicht. Eine Bedingung lautete, dass einige Arbeiten erst gegen Ende des Jahres beginnen können. "Im Bereich des Elfenseegrabens werden wir die Lampen für die Anflugbefeuerung (das heißt: Beleuchtung, die Red.) erst ab November installieren", erklärt Mendel. "Dann ist die Brut- und Vegetationsphase dort zu Ende."
Eine der kleineren Hürden, wie Mendel findet.


Landebahn verkürzt



Größer dagegen war der Planungsaufwand, um die Verbreiterung der Landebahn von 20 auf 23 Meter genehmigt zu kriegen: Der Sicherheitsstreifen, der dazu vor und hinter der Bahn benötigt wird, hätte auf einer Seite in die Straße geragt, die zum Flughafengelände führt. Die Lösung: Die Landebahn, die offiziell 1100 Meter lang ist, wird auf 1043 Meter verkürzt. Die Markierungen, die den Beginn des Sicherheitsstreifens kennzeichnen, werden weiter innen auf der Landebahn neu aufgemalt. So endet die Sicherheitszone kurz vor der Straße, die ansonsten im Weg gewesen wäre.

Im Frühjahr 2013 wird dann noch ein 1,60 Meter hoher Wildschutzzaun errichtet. "Erst dann wird der Luftraum F aktiviert", so Mendel. Vorher ist es ohnehin nicht möglich: Bis dahin braucht die Deutsche Flugsicherheit (DFS) nämlich, um ein Anflugverfahren für den Platz auszuarbeiten. Und ganz unbürokratisch geht das eben nicht: Drei solcher Verfahren müssen entwickelt und mit dem Bundesjustizministerium, dem Umwelt- und dem Verkehrsministerium abgestimmt werden. Letzteres muss dann eines davon genehmigen.

Flugzeuge können dann auch nachts, bei Nebel oder tiefer Wolkendecke starten und landen. Der Instrumentenflugbetrieb läuft über das Satelliten-Navigationssystem GPS. Einige Aufträge für den Ausbau sind bereits vergeben, für die Tiefbaumaßnahmen, technische Erweiterungen und die meteorologische Anlage laufen die Ausschreiben noch bis Mitte Juni. Von Juli bis September soll dann dann der Großteil der Bauarbeiten über die Bühne gehen.