Ein Päckchen mit brisantem Inhalt hat der Postbote am Donnerstag in der Gemeindeverwaltung im Sander Rathaus abgegeben. Die Sendung enthielt zwei Ordner und ein Schreiben der Regierung von Oberfranken - Bergamt Nordbayern - vom 15. Juni 2016, wie die Gemeinde am gestrigen Freitag mitteilte.

Bei dem Absender war Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) sofort klar, worum es sich handelt: die Antragsunterlagen für die Erweiterung des Sand- und Kiesabbaus "Nordöstlich Sand am Main" durch die Firma Sand- und Kieswerke Dotterweich (SKD) oder genauer gesagt den "Rahmenbetriebsplan mit UVS für die geplante Erweiterung des Sandabbaus Nordöstlich Sand am Main/Gemeinde Sand am Main/Stadt Zeil am Main, Landkreis Haßberge". Der Plan besteht laut Gemeindeangaben aus einem Textteil, naturschutzfachlichen Angaben zur artenschutzrechtlichen Prüfung, einem Erläuterungsbericht zu der Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung für das
FFH-Gebiet "Mainaue zwischen Eltmann und Haßfurt", einer hydrologischen Untersuchung zur Kiesgrubenerweiterung der Firma Dotterweich und verschiedenen Plänen.


Möglichkeit zur Stellungnahme

Neben der Gemeinde haben alle Bürger von Sand die Möglichkeit, die Unterlagen einzusehen und dazu Stellung zu nehmen. Das gilt auch für Vereine und Gruppierungen wie die Bürgerinitiative "Sand bleibt!" oder den Siedlerverein. Die offizielle Auslegung mit der Möglichkeit zur Stellungnahme erfolgt vom 7. Juli bis 8. August in der Gemeindeverwaltung zu den üblichen Öffnungszeiten von Montag bis Freitag.

Bürgermeister Ruß bietet zusätzlich am Samstag, 23. Juni, von 10 bis 12 Uhr noch einen Termin für Berufstätige an, die während der Woche keine Zeit haben oder auswärts beschäftigt sind.
Die öffentliche Bekanntmachung wird demnächst im Amtskasten der Gemeinde vor dem Rathaus ausgehängt. Darüber hinaus wird der Text auf der Homepage der Gemeinde im Internet eingestellt.


Bürgerversammlung

Um den komplizierten Sachverhalt mit den Sandern zu erörtern und ihre Meinung zu hören, lädt Bürgermeister Ruß für Donnerstag, 14. Juli, um 19 Uhr im Hotel Goger zu einer Bürgerversammlung ein. "Das ist zwar gleich nach dem Weinfest. Aber wegen der Einhaltung der Fristen und der Bedeutung des Verfahrens müssen wir Sander da durch", unterstreicht das Gemeindeoberhaupt die Dringlichkeit der Angelegenheit. Die offizielle Einladung zur Bürgerversammlung erfolge noch im Rahmen der vorgegebenen gesetzlichen Fristen und Form, versichert der Bürgermeister.

Die von der Firma SKD beantragte Erweiterung umfasst laut Gemeinde eine Gesamtfläche von rund 25 Hektar. Das Vorhaben liegt größtenteils auf dem Gebiet der Gemeinde Sand, eine kleinere Fläche auf dem Gebiet der Stadt Zeil.


Weitsichtig geplant

Nach dem geltenden Regionalplan befindet sich, wie die Gemeinde am Freitag weiter mitteilte, das derzeit betriebene Abbaugebiet innerhalb des ausgewiesenen Vorranggebietes "Nordöstlich Sand". Die jetzt beantragte Erweiterungsfläche sei im Regionalplan weder als Vorrang- noch als Vorbehaltsgebiet zur Gewinnung von Bodenschätzen ausgewiesen.

Dass dem so ist, führt Ruß aus, sei "dem entschlossenen und weitsichtigen Verhalten der Gemeinde im Jahre 1997 zu verdanken." Ihrem Antrag an den Regionalen Planungsverband auf Herausnahme der jetzt von der Firma SKD beantragten Fläche aus dem Regionalplan als Vorranggebiet für Kiesabbau sei damals stattgegeben worden. Ruß: "Es waren damals gute Gründe, die die Gemeinde Sand vorgebracht hatte und die den Regionalen Planungsverband dazu veranlassten, die zunächst bis zur damaligen Staatsstraße (jetzt Kreisstraße) Zeil-Sand vorgesehene Sand- und Kiesausbeute in der Gesamtfortschreibung zu streichen." Nach einer ersten Durchsicht der Unterlagen bestünden diese "guten Gründe" aus seiner Sicht noch heute.


"Sand bleibt!"

Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen dass der Antrag auf weiteren Sand- und Kiesabbau in Sand für Aufregung sorgt. Genau um das zu vermeiden, hatte sich vor einigen Monaten die Bürgerinitiative "Sand bleibt!" gebildet. Die Bürgerinitiative hat mehrmals von der Gemeinde gefordert, dass sie den weiteren Sand- und Kiesabbau ausdrücklich ablehnt. Diese Forderung beantwortete die Gemeinde stets mit dem Verweis auf die nach ihrer Ansicht eindeutige Haltung und Vorgehensweise 1997, die in einen bis heute gültigen Flächennutzungsplan mündeten. ks