Richter Roland Wiltschka konnte die Entscheidung eines jungen Mannes beileibe nicht nachvollziehen. Ein 26-Jähriger hatte gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bamberg wegen Nötigung Einspruch eingelegt.
Eine Gesamtstrafe von 3600 Euro (90 Tagessätze zu je 40 Euro) wollte er nicht bezahlen, also wurde der Fall am Amtsgericht Haßfurt verhandelt. "Das war äußerst moderat gewesen von der Staatsanwaltschaft", sagte Wiltschka zu dem Angeklagten. Moderat deswegen, weil nur ein Strafbefehl verhängt wurde, obwohl der 26-Jährige bereits vorbestraft ist und zur Tatzeit unter Bewährung stand.

Am 21. Juni 2011 soll der junge Mann in einer Wohnung in einer Stadt im Maintal eine junge Frau genötigt haben. Laut Anklage war er bei einer Bekannten zu Besuch und von dieser nach einiger Zeit dazu aufgefordert worden, ihre Wohnung zu verlassen.
An der Haustür schubste er die Frau zurück in ihre Wohnung, drängte sie ins Wohnzimmer und stieß sie dort auf das Sofa. Obwohl sich die Frau wehrte, legte er sich auf sie und küsste sie. Außerdem soll er geäußert haben, dass er sie liebe und mit ihr Geschlechtsverkehr haben wolle. Der Frau war das zuwider, laut Anklageschrift habe sie versucht, sich zu wehren, sei aber nicht in der Lage gewesen, gegen den 26-Jährigen anzukommen. Mindestens einmal soll der Mann der Frau an den nackten Hintern gefasst haben.
Richter Roland Wiltschka sah hier mehr als nur Nötigung. Kurz bevor die Geschädigte als Zeugin aufgerufen werden sollte, sagte er: "Ich gebe zu bedenken: Wenn es dabei bleibt, was die Frau sagt, verweise ich ans Schöffengericht." Dann nämlich sehe er den Tatbestand der sexuellen Nötigung erfüllt. Es handle sich dann um ein Verbrechen, das mit mindestens einem Jahr Freiheitsentzug bestraft wird.

Gefängnisstrafe befürchtet

Der Anwalt des Beschuldigten hatte erklärt, sein Mandant habe deswegen Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt, weil er davon ausgegangen sei, dass eine vorangegangene Strafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden würde, wenn er den Strafbefehl annehme. Richter Roland Wiltschka erklärte, er halte den Schritt vor Gericht für eine riskante Idee, und wies erneut darauf hin, dass der Fall dann wohl von einem Schöffengericht verhandelt werde und die Strafe weitaus höher ausfallen könnte als nach dem derzeitigen Stand mit dem Strafbefehl.

Auch die Bedenken des Anwaltes, dass sein Mandant dann ins Gefängnis müsste, konnte Wiltschka zerstreuen. Die Bewährung würde in der Regel nicht widerrufen, sondern verlängert. Darauf zog der Angeklagte den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Der gilt nun.