Gegen die beiden Zwillingsschwestern aus dem Kreis Haßberge, die in Bamberg wegen Drogenhandels vor einer Strafkammer des Landgerichts stehen, gab es auch am vierten Verhandlungstag kein Urteil. Der Prozess wird fortgeführt.

Bei einer Hausdurchsuchung am 8. April 2015 in Zeil hatte die Polizei rund 20 Kilogramm Haschisch gefunden, teilweise mit einem überdurchschnittlich hohen Wirkstoffgehalt. Den Verkaufswert der in Platten gepressten Drogen schätzt die Polizei auf rund 300 000 Euro. Die beiden 41-jährigen Frauen hatten sich dabei widerstandslos festnehmen lassen und sitzen seitdem in Haft.

Gleichzeitig hatten Polizisten auch die Wohnung des mutmaßlichen Lieferanten der beiden Frauen durchsucht. Dort hatten sie neben Haschischplatten auch Waffen und große Mengen Bargeld gefunden.
Der Verdächtige aus Rauhenebrach ist seitdem flüchtig.

Eigentlich hätte der Prozess am gestrigen Montag nach vier Verhandlungstagen zu einem Urteil kommen sollen. Am Vormittag sagte ein Mann als Zeuge aus, der angab, ein Freund von ihm habe bei den beiden Frauen Haschisch gekauft. Er selbst sei nicht mit in der Wohnung der Zwillinge gewesen, habe aber einmal in der Nähe des Hauses gewartet. Als sein Freund wieder zurückkam, habe er Haschisch gehabt. Zudem hätten viele ihr Haschisch bei den Schwestern geholt, es sei bekannt gewesen, dass man dort etwas bekommt.

In seiner Aussage erwähnte er einen weiteren Mann, mit dem er zusammen in einem Motorradclub war. Dieser war unter den Zuschauern im Gerichtssaal; die Richter Manfred Schmidt und Martin Barnickel beschlossen, auch ihn als Zeugen zu vernehmen. Im Zeugenstand bestritt der Mann, die beiden Angeklagten zu kennen. Auf Nachfrage von Richter Barnickel, warum er dann im Gericht sei, sagte er, er habe nur einen Freund zu dessen Zeugenaussage begleiten wollen. Nachdem der Zeuge zu vielen Punkten angab, von nichts zu wissen, kündigte Staatsanwalt Markus Reznik ein Verfahren wegen Falschaussage gegen ihn an.

Ein weiterer Zeuge verweigerte die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Denn auch gegen ihn wird wegen Betäubungsmitteldelikten ermittelt.

Für einiges Unverständnis sorgte der Bericht, den ein Gutachter nachträglich geschickt hatte. Der Schriftsachverständige hatte bereits am zweiten Tag des Prozesses ausgesagt, dass die Beschriftung einer Haschischverpackung "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit" mit der Handschrift einer der beiden Angeklagten übereinstimme.

Deren Verteidiger Joachim Voigt hatte das Gutachten beanstandet, die Kompetenz des Experten in Zweifel gezogen und ein neues Gutachten gefordert. Nun hatte der Sachverständige nachträglich Unterlagen eingereicht, die dem Vorsitzenden Richter Schmidt ebenso unverständlich erschienen wie den beiden Verteidigern. Darin änderte er seine Beurteilung in eine Übereinstimmung "mit hoher Wahrscheinlichkeit", also wesentlich eindeutiger als noch in seiner Aussage.

Rechtsanwalt Voigt bezeichnete das als "Retourkutsche" gegen seine Kritik. Der Verteidiger der anderen Angeklagten, Jochen Kaller, kündigte an, eventuell einen Befangenheitsantrag gegen den Sachverständigen stellen zu wollen.


Vorschlag

Richter Schmidt verkündete, in einer Pause habe es ein Gespräch mit den beiden Anwälten gegeben. Demnach würde sich das Gericht im Voraus auf eine Freiheitsstrafe zwischen fünfeinviertel Jahren und fünfdreiviertel Jahren für Kallers Mandantin festlegen sowie auf eine um ein halbes Jahr geringere Strafe für deren Schwester. Bedingung dafür sei jeweils ein umfassendes Geständnis. Das Gericht gehe nach aktuellem Stand von einer gleichen Schuld der beiden aus. Grund für die geringere Strafe für Voigts Mandantin solle sei, dass sie kurz vor ihrer Verhaftung Mutter geworden war, jedoch keinen Mutter-Kind-Platz im Gefängnis erhalten hatte. Der Vorsitzende wies noch einmal auf die ungewöhnlich große Menge an Haschisch hin, die bei den beiden Frauen gefunden wurde, ebenso wie auf den Spielraum im Strafmaß.

Dennoch gaben die Anwälte der zwei Schwestern nach einer halbstündigen Beratungszeit keine Erklärungen ab. Stattdessen solle weiter auf das zweifelhafte Schriftgutachten eingegangen werden. Der Prozess wird am 19. Februar fortgesetzt.