Etwa 45 Minuten musste ein 20-Jähriger aus dem Kreis Haßberge am 21. Juni dieses Jahres weit nach Mitternacht auf ein Taxi warten, das ihn nach einer Feier heimfahren sollte. Das dauerte ihm wohl zu lange. Aus Frust über das Ausbleiben des Taxis schlug er an der Ampel im Gewerbegebiet Ost ("Godelstatt") in Haßfurt gegen einen Druckknopf und riss ein Schild ab. Dabei entstand ein Schaden von rund 1000 Euro.

Am Montag bekam er für die sinnfreie Tat die Quittung am Haßfurter Amtsgericht, das ihn wegen "gemeinschädlicher Sachbeschädigung" zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilte, zahlbar an den Jugendtreff in Ebern. Die Verhandlung fand vor dem Jugendschöffengericht statt. Denn für den Angeklagten stand viel auf dem Spiel.

Vier Vorstrafen stehen in seinem Sündenregister: von Drogendelikten über versuchte Sachbeschädigung bis hin zur gefährlichen Körperverletzung. Erst im März dieses Jahres wurde er zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil Polizeibeamte bei einer Durchsuchung im Februar 2019 insgesamt 123 Gramm Haschisch in seinem Zimmer fanden. Dem Angeklagten drohte der Widerruf der Bewährung, so dass er die Strafe hätte absitzen müssen.

Vor Gericht gab er zu, gegen die Ampel getreten oder geschlagen zu haben. So genau wisse er das nicht mehr, denn er sei zum Tatzeitpunkt gegen 1.40 Uhr nachts betrunken gewesen. Er sei zuvor bei einer Feier in Augsfeld gewesen, wo er den erfolgreichen Abschluss seiner Lehrzeit mit Freunden bei Trinkspielen feierte.

Der Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich beschrieb den Angeklagten als freundlich, ruhig und gelassen. Er wohne noch bei seiner allein erziehenden Mutter, die mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe. Der Angeklagte habe dadurch wohl sein seelisches Gleichgewicht verloren, mutmaßte Heinrich.

Der Staatsanwalt sah ein jugendtypisches Vergehen und beantragte eine letzte Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Verteidiger Alexander Wessel bezeichnete den Aussetzer seines Mandanten als "Spontantat unter Alkoholeinfluss" und erachtete eine Geldstrafe oder maximal eine Bewährungsstrafe als angemessen.

Richter Martin Kober bezeichnete die Sachbeschädigung als sinnlose Tat und empfahl dem Verurteilten, seinen Alkoholkonsum einzuschränken. "Die Nummer läuft nur einmal mit einer Geldstrafe", schrieb er dem Heranwachsenden hinter die Ohren. Der nahm das Urteil an. Der Anklagevertreter gab keine Erklärung ab. Neben der Geldstrafe muss der Angeklagte auch die Reparaturkosten für die Ampel zahlen.