Der Landrat hat entschieden. Und zwar, dass die Frage "Altkennzeichen: ja oder nein?" von den Mitgliedern des Kreistages beantwortet werden soll. Dabei hätte Rudolf Handwerker (CSU) auch einfach sagen können: "Wir werden die alten Kennzeichen nicht wieder einführen. Das Thema ist hiermit vom Tisch."

Denn das Bayerische Wirtschaftsministerium hat die Entscheidungsgewalt zu dieser Frage allein den Landräten zugestanden. Ohne dass die dafür irgendein Gremium befragen müssten. Und der Landrat des Landkreises Haßberge hat auch eine klare Meinung zu der Sache: "Ich würd's ablehnen." Die Rückkehr zu den alten Kennzeichen hält er für "komplett überflüssig." Aber: "Wie Sie wissen, bin ich ein tiefgläubiger Demokrat", sagte Handwerker am Montag (8.
April) im Landratsamt in Haßfurt vor dem Kreisausschuss, der die Kennzeichen-Frage vorbehandeln sollte, damit Ende April der Kreistag Haßberge eine Entscheidung treffen kann.

Eck: Unnötige Diskussion
In den Augen von Haßfurts parteilosem Bürgermeister Rudi Eck hätte Handwerker hier seine demokratischen Prinzipien ruhig über Bord werfen dürfen: "Ich halte es für bedauerlich, dass der Landrat die Entscheidung noch nicht getroffen hat", sagte das Ausschussmitglied. "Jetzt diskutieren wir." Unnötigerweise, wie Eck findet. Das ganze sei eine Spielerei, im Grunde genommen einer politischen Debatte gar nicht würdig.

Ob die Buchstaben EBN für Ebern, HOH für Hofheim und GEO für Gerolzhofen künftig wieder auf den Kennzeichen von Fahrzeugen im Landkreis Haßberge stehen sollten, daran schieden sich in der gestrigen Sitzung die Geister. Für Kurt Sieber (FDP) etwa steht fest: "Das ist Kokolores. Wir haben uns als Landkreis geöffnet, haben Partnerschaften mit Frankreich, Schweden und Israel. Und da wollen wir uns mit solch kleinen Dingen befassen."

Identitätsverlust?
Landrat Handwerker hatte zuvor bereits erklärt, dass er die Altkennzeichen auch ablehnt, weil er glaubt, dass das aktuelle Kennzeichen HAS (für Haßberge) eine "gewisse Identität schafft" für den Landkreis, der 1972 im Zuge der Gebietsreform entstanden ist und in dem zu verschieden großen Teilen die früheren Landkreise Hofheim, Ebern und Haßfurt aufgegangen sind.

Die Eberner Kreisräte Jürgen Hennemann (SPD) und Sebastian Stastny (Junge Liste) sehen das anders: Sie wollen, dass das Kennzeichen EBN wieder eingeführt wird. Hennemann fand Handwerkers Argumentation im Hinblick auf eine identitätsstiftende Wirkung des HAS-Nummernschilds schwach: "Wenn wir im Kreis nichts anderes vorzuweisen haben als ein Kennzeichen, dann weiß ich auch nicht." Zumal es ja um Wunschkennzeichen gehe, die der Antragsteller bezahlt. Für den Landkreis entstünden keine Kosten. Zudem sei es möglich, nur ein Kennzeichen zuzulassen. Hennemann ging es um die Buchstaben EBN. Da aus den anderen Gegenden keine entsprechenden Wünsche geäußert wurden, bräuchte man diese Kennzeichen auch nicht wieder einzuführen.

Andere Landkreise als Vorbild
In einem Schreiben an Landrat Handwerker nehmen Hennemann und Stastny Bezug auf die umliegenden Kreise. So hätten unter anderem Rhön-Grabfeld, Coburg, Forchheim, Bayreuth, Neustadt/Aisch oder Würzburg der Wiedereinführung von Altkennzeichen bereits zugestimmt, beziehungsweise hätten in Schweinfurt und Lichtenfels die Landräte eine positive Entscheidung getroffen. "Das heißt, in fast allen Landkreisen unserer Region werden bald alle ehemaligen Kennzeichen der ehemaligen Kreisstädte vergeben. Das EBN für Ebern steht noch aus", heißt es in dem Schreiben. "Das schlechteste Argument ist: Die anderen machen es auch", sagte dazu Klemens Albert (ödp). Der Kreis Haßberge lasse sich nicht mit Landkreisen wie Schweinfurt oder Coburg vergleichen. Die Buchstaben HAS seien durchaus ein Identitätsfaktor. Mit der Einführung der alten Kennzeichen würde ein "ungünstiges Signal" gesetzt, nämlich "dass wir keine Einheit sind", sagte Albert.

Steffen Vogel (Junge Liste) fragte stattdessen: "Warum soll es nicht möglich sein, die Altkennzeichen einzuführen?" Der Landkreis sei ohnehin keine homogene Einheit, viele Bereiche orientieren sich in eine andere Richtung. So verstünden etwa die Untermerzbacher nicht, dass sie beim Landkreis Haßberge sind, sie fühlten sich eher Coburg oder Bamberg zugehörig. "Ich bin dafür, dass man die ehemaligen Kreisstädte aufwertet", sagte Vogel. Dass der Landkreis wegen unterschiedlicher Kennzeichen auseinander drifte, glaube er nicht. Eher das Gegenteil sei der Fall.
Schließlich meldete sich auch Maroldsweisach Bürgermeister und Kreisrat Wilhelm Schneider (CSU) zu Wort. Er konnte nicht nachvollziehen, aus welchem Grund ein Eberner das alte Kennzeichen zurückhaben wollte. "HAS bedeutet ja nicht Haßfurt, sondern Haßberge." Und schließlich seien die Haßberge ja prägend für den nördlichen Landkreis. Vielleicht müsse man dort nur noch einmal Überzeugungsarbeit leisten, damit das auch erkannt werde. Man sollte jedem klar machen, "dass unser Landstrich durch das Kennzeichen gut ausgedrückt wird".

Wenn, dann Steigerwald
Damit war für Oskar Ebert, Bürgermeister der Steigerwald-Gemeinde Rauhenebrach, klar, wie Gerechtigkeit in der Kennzeichen-Debatte ausschauen müsste: "Das einzige, was sinnvoll wäre: Ein Kennzeichen für den Steigerwald." Ganz ernst war der Vorschlag nicht gemeint: "Spaß beiseite, wir sollten es lassen, wie es ist."

Drei Gegenstimmen
Letztlich stimmte der Kreisausschuss dafür, dem Kreistag zu empfehlen, folgenden Beschluss zu fassen: "Ein Antrag an das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie auf Zulassung von Altkennzeichen im Verwaltungsbezirk des Kreises Haßberge wird nicht befürwortet." Ohne die Stimmen von Jürgen Hennemann, Steffen Vogel und Werner Thein wurde der Vorschlag angenommen.