Das neue Jahr beginnt teuer: Denn die Gebühren für die Abfallentsorgung im Landkreis Haßberge sind ab dem 1. Januar gestiegen. Am vergangenen Montag sollte die neue Regelung dazu eigentlich im Rahmen der Kreistagssitzung abgesegnet werden, doch der Termin musste coronabedingt ausfallen. Die neuen Preise gelten trotzdem schon jetzt.

1. Wieso werden die Gebühren überhaupt erhöht?

Der Überschuss der vergangenen Jahre reicht dem Abfallwirtschaftsbetrieb nicht mehr zur Kostendeckung aus. Zudem stehen Ausgaben für verschiedene Baumaßnahmen an: Das Sozialgebäude im Kreisabfallzentrum soll an die Wonfurter Kläranlage angeschlossen und ein Bagger ersetzt werden. Weiterhin sollen neue Ablagerungsflächen für Erdaushub und Grüngut im Landkreis entstehen. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Entsorgung von Altholz aus dem Sperrmüll über die Müllgebühren finanziert werden müssen.

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Der Gebrauchtmöbelmarkt "Möbel-ZAK" sowie die Wühlkisten in Haßfurt, Eltmann, Ebern und Hofheim schreiben laut Wilfried Neubauer, Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, mittlerweile rote Zahlen im sechsstelligen Bereich. Außerdem hat sich die Gebührenstruktur im Schweinfurter Gemeinschaftskraftwerk geändert, das für die thermische Verwertung des Restmülls zuständig ist. "Die Aufzehrung der Gebührenüberschüsse von vier Millionen Euro sowie die Kostenmehrung in verschiedenen Bereichen machen eine Gebührenerhöhung notwendig", fasste Landrat Wilhelm Schneider bereits in der Sitzung des Umweltausschusses zusammen.

2. Wie werden die Gebühren berechnet?

Die Kalkulation der Gebühren richtet sich nach drei Sparten: Zum sogenannten NÜ-Bereich zählen die Gebühren für private Haushalte im übertragenen Bereich. Das bedeutet, dass sich die Gemeinden Aidhausen, Sand, Stettfeld, Untermerzbach, Wonfurt und die Stadt Zeil eigenständig um das Einsammeln und den Transport von Hausmüll sowie um die Entsorgung von Grüngut kümmern. Weitere Aufgaben, wie die Entsorgung von Sperrmüll, übernimmt dagegen der Landkreis. Dafür verlangt er von den Gemeinden wiederum Gebühren. Die Mitglieder des NÜ-Bereichs müssen keine extra Kosten für das Personal des Abfallwirtschaftsbetriebs tragen, da sie eigenes Verwaltungspersonal vor Ort haben.

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Bei den Gebühren für private Haushalte im rückübertragenen Bereich kümmert sich der Landkreis um alle Zuständigkeiten. Zum RÜ-Bereich gehören Breitbrunn, Bundorf, Burgpreppach, Ebelsbach, Ebern, Eltmann, Ermershausen, Gädheim, Haßfurt, Hofheim, Kirchlauter, Knetzgau, Königsberg, Maroldsweisach, Oberaurach, Pfarrweisach, Rauhenebrach, Rentweinsdorf, Riedbach und Theres. Der RÜ-Bereich muss auch die Transportkosten der Müllabfuhr tragen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb rechnet die Gebühren dann direkt mit den einzelnen Grundstückseigentümern ab.

Davon ausgenommen ist die Entsorgung von Erdaushub, die der Landkreis nur für Eltmann, Zeil, Knetzgau, Rauhenebrach und Theres übernimmt. Die Stadt Zeil hatte diese Aufgabe als Erste an den Landkreis zurückgegeben, da vor Ort alle Entsorgungsmöglichkeiten aufgebraucht waren. Derzeit wird diskutiert, die Zuständigkeit wieder komplett an den Landkreis zu übertragen. Sollten sich tatsächlich mehr Kommunen für diese Lösung aussprechen, werden neue Ablagerungsflächen im südlichen und nördlichen Landkreis geschaffen. Aktuell haben die Stadt Königsberg sowie die Gemeinde Untermerzbach entsprechende Anträge gestellt.

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Im Gebührenbereich der Deponie Wonfurt erhebt der Landkreis die Kosten ebenfalls direkt beim Anlieferer bzw. Abfallerzeuger. Ergeben sich in den einzelnen Sparten Gebührenüberschüsse, erfolgt eine Gutschrift; kommt jedoch ein Fehlbetrag heraus, werden zusätzliche Kosten eingefordert.

3. Wie viel kostet die Abfallentsorgung aktuell?

Im NÜ-Bereich sind die Gebühren mit 100 Euro pro angelieferter Tonne Restmüll gleichgeblieben. Der Einwohnerzuschlag ist jedoch von 25 auf 34 Euro pro gemeldeter Person gestiegen. Die Gebühren im RÜ-Bereich, wo der Restmüll alle 14 Tage durch den Landkreis abgeholt wird, setzen sich folgendermaßen zusammen:

  • Mülltonne mit 60 Liter Füllvolumen: 185 Euro
  • Mülltonne mit 80 Liter Füllvolumen: 245 Euro
  • Mülltonne mit 120 Liter Füllvolumen: 360 Euro
  • Mülltonne mit 240 Liter Füllvolumen: 700 Euro
  • Mülltonne mit 1100 Liter Füllvolumen: 2800 Euro

Wird die Mülltonne alle vier Wochen geleert, beträgt die Gebühr bei 60 Litern nur 150 Euro. Müllgemeinschaften (bis zu vier Haushalte) zahlen für die 14-tägige Entleerung einer 60-Liter-Tonne 265 Euro. Für sonstige Abfälle, die auf der Deponie abgelagert werden, gelten jeweils Sondergebühren. Dazu zählen Baustoffe auf Asbestbasis und Mineralfaserabfälle.

4. Wie kann dabei Geld gespart werden?

Wer nun hofft, durch den Wechsel von einer zwei- auf eine vierwöchige Leerung Geld sparen zu können, muss zuerst genau nachzählen. Das Fassungsvermögen der Mülltonne kann nämlich nicht selbst gewählt werden. "Unser Maßstab ist nicht der einzelne Haushalt, sondern das Grundstück", erklärt Neubauer. In einem Mehrfamilienhaus ist somit nicht die Anzahl der Haushalte ausschlaggebend, sondern die der Personen, die dort insgesamt wohnen.

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In der Abfallwirtschaftssatzung ist zudem festgelegt, welche Tonnengröße für welches Grundstück gilt und wer die vierwöchige Abholung nutzen kann. "Der Landkreis gibt also das System vor", fasst Neubauer zusammen. Wer aber maximal zu dritt auf einem Grundstück lebt, sollte prüfen, in welchen Abständen der Restmüll abgeholt wird. Ein Wechsel zur vierwöchigen Leerung der 60-Liter-Tonne würde dann nämlich 35 Euro pro Jahr einsparen.

5. Was bedeutet das für die eigene Müllproduktion?

Wird die Tonne nur alle vier Wochen abgeholt, falle tatsächlich weniger Restmüll an, stellt Neubauer fest. Er führt dies auf eine verbesserte Abfalltrennung zurück. Wer weiß, dass die Mülltonne nur einmal im Monat ausgeleert wird, sortiert also von vorneherein gründlicher, was jeweils in die Gelbe, Bio- oder Altpapiertonne gehört. "Auch deshalb wird eine reduzierte Gebühr angeboten." So reiche die vierwöchige Variante durchaus für drei Personen aus.

6. Wie funktioniert das neue Identsystem?

Der Umwelt- und Werkausschuss hatte schon im März 2017 angeregt, ein digitales System für die Verwaltung der einzelnen Abfallbehälter einzuführen. Für das sogenannte Identsystem hat der Abfallwirtschaftsbetrieb nun die Restmüll-, Biomüll- und Altpapiertonnen mit einem Chip ausgestattet. Alle Behälter, die vom Abfallwirtschaftsbetrieb bereitgestellt werden, wurden mittlerweile nachgerüstet, sagt Neubauer. "Gefäße, die neu beantragt oder ausgetauscht werden, sind bereits mit einem Chip versehen, bevor sie ausgeteilt werden."

Für das erste Halbjahr 2021 ist eine Testphase geplant, bevor das Identsystem ab Juli in den Echtbetrieb übergehen soll. Wird eine Mülltonne geleert, die keinen Chip enthält, erscheint eine Fehlermeldung und die Tonne muss nacherfasst werden. "Gleichzeitig wird geprüft, ob das Gefäß korrekt zur Gebührenveranlagung erfasst ist", fügt Neubauer an.

3297 Tonnen Müll wurden im ersten Halbjahr von 2020 im Kreis Haßberge produziert. Die größte Müllmenge entstand dabei in Haßfurt mit 529 Tonnen, die kleinste Menge in Ermershausen mit 23 Tonnen. 2019 belief sich die landkreisweite Gesamtmenge auf 6484 Tonnen.

230.000 Euro betragen die Kosten für die Entsorgung von Altholz aus dem Sperrmüll pro Jahr. Diese Summe soll zukünftig durch die Erhöhung der Müllgebühren gedeckt werden

Gültigkeit der Abfallgebühren

Obwohl die Sitzung des Kreistags und somit der Beschluss über die neue Gebührensatzung verschoben wurde, gelten die Preiserhöhungen ab dem 1. Januar 2021. Da die Gebühren noch im Dezember des vergangenen Jahres im Amtsblatt des Landratsamtes veröffentlicht wurden, kann der Kreistag noch rückwirkend über die Neukalkulation abstimmen.

"Die neuen Gebührenbescheide werden jedoch erst nach dem Beschluss des Kreistags den Haushalten zugestellt", merkt Neubauer an. Darin ist auch eine rückwirkende Preiserhöhung zum 1. Januar enthalten. Bis dahin werden noch die bisherigen Gebühren abgerechnet.