Eine Behinderung schützt nicht vor Strafe. Das war am Freitag bei einem 62-jährigen Rollstuhlfahrer der Fall, der wegen eines geringfügigen Ladendiebstahls vor den Kadi rollen musste. Weil er zum wiederholten Mal Lebensmittel geklaut hatte - diesmal handelte es sich um Waren im Wert von 43,41 Euro -, verurteilte ihn Richter Roland Wiltschka wegen Diebstahls zu einer zweimonatigen Freiheitsstrafe, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Der Behinderte steht seit 31 Jahren unter Betreuung und ist in einer beschützenden Einrichtung untergebracht. Neben freier Kost und Logis erhält er ein wöchentliches Taschengeld von 18,50 Euro. Als Raucher bekommt er zusätzlich täglich eine Schachtel Zigaretten. Weil ihm das nicht reicht, kauft er sich von seinem Handgeld weitere Zigaretten in Geschäften - und hat dann keine Kohle mehr, um seine Freundin zu beschenken.
Als er am 9. April letzten Jahres um kurz nach 10 Uhr in einem Supermarkt zum Einkaufen ging, bezahlte er an der Kasse seine Zigaretten und einige Lebensmittel, der Großteil seines Einkaufs aber hing an einer Tasche des Rollstuhls und wurde so an der Kasse vorbeigeschleust.

Gleich geständig


Ein aufmerksamer Verkäufer bemerkte den Vorgang und informierte den Marktleiter, der den Behinderten aus dem Landkreis ansprach. Dieser hatte kein Geld mehr dabei und gestand den Diebstahl - wie bei Gericht am gestrigen Freitag auch. Auf Bonbons, Joghurt, Wurst und zwei Weinflaschen "Kitzinger Hofrat" hatte es der Dieb abgesehen. Der Schaden lag bei 43,41 Euro. Der Langfinger hat keine weiße Weste mehr. Laut Bundeszentralregister wurde er im Jahre 2008 bereits zweimal verurteilt - ebenfalls wegen Eigentumsdelikten.
Der Vorsitzende Richter redete dem Angeklagten ins Gewissen, doch mit seinem Grundproblem, dem Rauchen, aufzuhören. Das habe er schon pro- biert, antwortete der Beschuldigte, aber "es klappt nicht", meinte er treuherzig. Das Strafmaß entsprach dem, was Staatsanwalt Christopher Lehmann in seinem Plädoyer gefordert hatte.
"Mit dem Stehlen muss jetzt endgültig Schluss sein", las Wiltschka dem Verurteilten die Leviten. Als der Richter seine Strafpredigt mit den unheilverkündenden Worten "wenn es nochmal passiert..." schloss, nahm der Behinderte den Faden auf und beendete den Satz: "...dann ist Feierabend."