Für fünf Jahre und drei Monate muss ein 24-Jähriger aus dem Landkreis Haßberge ins Gefängnis. Das entschied die Strafkammer des Landgerichts in Bamberg am Montag. Der Angeklagte war mit 5,5 Kilogramm Haschisch erwischt worden und hatte schließlich gestanden, im großen Umfang mit Cannabisprodukten in Haßfurt und in Rentweinsdorf gehandelt zu haben.

Die Ermittlungen gegen den jungen Mann hatten begonnen, nachdem die Polizei einem seiner Kunden auf die Spur gekommen war. Über ihn wollten die Beamten den Lieferanten erwischen und ließen den Drogenkäufer ein weiteres Geschäft mit seinem Dealer ausmachen. Am 14. August 2015 trafen sich die beiden. Die Polizei überwachte den Scheinkauf bei Rentweinsdorf, nahm den Drogenhändler fest und durchsuchte seine Wohnung. Hierbei fanden die Beamten knapp 5,5 Kilogramm Haschisch mit einem Wirkstoffgehalt von 725 Gramm THC ("überdurchschnittliche Qualität") sowie geringere Mengen an Marihuana und Amphetaminen. Seitdem saß der Haßfurter, der eine Ausbildung als Fachlagerist hat, zuletzt aber in unterschiedlichen Berufen arbeitete, in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft klagte den 24-Jährigen wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in mehreren Fällen an. Angesetzt waren drei Verhandlungstage mit vielen Zeugen. Doch gleich am Montag bat der Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer um ein Gespräch. Im Gegenzug für ein Geständnis einigten sich Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf ein Strafmaß zwischen fünf Jahren und fünf Jahren, neun Monaten. In dem Geständnis, das sein Anwalt verlas, räumte der Angeklagte den Besitz der Drogen ein sowie seine Absicht, damit zu handeln. Eine kleine Menge hatte er für seinen eigenen Konsum abzweigen wollen.
Angaben darüber, von wem er selbst die Drogen bezogen hatte, machte der Angeklagte nicht. Der Verteidiger erklärte, sein Mandant habe Angst vor Repressalien, auch gegen seine Familie. "Das ist es ihm nicht wert", so Schrepfer. Der junge Mann selbst zeigte sich reumütig: "Ich habe meine Familie und meine Freunde enttäuscht." Er dankte den Menschen, die weiter Kontakt zu ihm halten und ihn "nicht hängen lassen".


Bereits vorbelastet

Das Vorstrafenregister des 24-Jährigen enthält bereits einige Einträge wegen Körperverletzungen. Wegen Drogen war er bisher noch nicht auffällig geworden. Im Gefängnis gesessen hatte der Mann auch noch nie. Bisher war er mit Geld- und Bewährungsstrafen davongekommen. Außerdem lag die letzte Straftat länger zurück.
Als Sachverständiger sagte ein Psychologe aus. Er kam zum Ergebnis, dass zwar ein "hochgradiger Missbrauch" von Drogen vorliege, jedoch keine Abhängigkeit. So habe der Angeklagte keine Psychose, Hinweise auf Hirnschädigungen oder andere typische Folgen des Drogenkonsums. "Noch ist er in der positiven Situation, dass er nicht abhängig ist", sagte der Sachverständige. Verteidiger Schrepfer sprach sich dennoch im Gegensatz zum Sachverständigen für eine Unterbringung seines Mandanten in einer Therapieeinrichtung aus.

Staatsanwalt Markus Reznik sah das anders. Bei den Körperverletzungen, die der Angeklagte früher begangen hat, sei Alkohol im Spiel gewesen. Da habe es der Angeklagte nach mehreren Verurteilungen aus eigener Kraft geschafft, seinen Konsum einzuschränken. Da ihn auch der Haschischkonsum noch nicht abhängig machte, bilanzierte Reznik: "Er hat bereits damals beim Alkohol gezeigt, dass er sich am Riemen reißen kann."


Strafmaß liegt in der Mitte

Der Staatsanwalt forderte mit fünf Jahren und neun Monaten eine Strafe am oberen Rand des vereinbarten Rahmens. Verteidiger Schrepfer sprach sich für eine Strafe von fünf Jahren aus und sah Reue und Schuldeinsicht sowie das frühe Geständnis seines Mandanten als strafmildernd an. Der Angeklagte bekräftigte, er wolle professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Das Gericht verurteilte den Mann schließlich zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. Der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt ging in seiner Urteilsbegründung auf die Gefahren von Haschisch ein. Das sei keineswegs eine Droge, die unverhältnismäßig kriminalisiert werde. "Auch das ,harmlose Haschisch‘ kann Psychosen auslösen", betonte Schmidt.

In der Frage nach der Unterbringung in einer Therapieeinrichtung schloss sich das Gericht Staatsanwaltschaft und Sachverständigen an. Schmidt wies darauf hin, dass es auch in der Haft Möglichkeiten zur Therapie gebe. Über die Drogenmenge, die dem Händler einen fünfstelligen Betrag hätte einbringen können, sagte er: "Funde in dieser Größenordnung sind nicht alltäglich. Auch wenn wir in letzter Zeit eine Häufung erlebt haben, besonders im Raum Haßfurt."