Ungefähr 20 Minuten dauert es, bis die Cessna Grand Caravan auf die 4000 Meter gestiegen ist. Sobald sie die Wolkendecke durchbricht, ist man in einer anderen Welt. Alles blau und alles still. Denn je näher der Absprung rückt, desto ruhiger wird es in der Kabine, in der manchmal bis zu 18 Menschen sitzen.

Bereit zum Sprung. Jeder geht in sich, konzentriert sich. Denn wenn das grüne Licht aufleuchtet, haben sie zwei Minuten Zeit, sich aus dem Flieger zu stürzen. Mit bis zu 250 Stundenkilometern rauschen sie dann dem Erdboden entgegen - und genießen einen Ausblick, der einem den Atem stocken lässt.

Sprungswoche mit der neuen Flugmaschine

Wäre "Axel" nicht, könnten sie nicht hier herauf gelangen: Wohl 70 Mal hob die neu in Haßfurt eingetroffene Turbinenmaschine beim Sommertrainigslager ab, und beförderte die 50 Teilnehmer der Sprungwoche im Fallschirm-Sport-Zentrum Haßfurt dort hinauf - wo vielleicht Gott wohnt.

Die Sportler haben Formationen gebildet, Kunststückchen ausprobiert, oder einfach nur die Freiheit genossen. Auch auf dem Boden ließen es sich die Vereinsmitglieder gutgehen. Beim Grillen und Planschen im Pool hat hier keiner die Urlaubsreise vermisst - und geflogen sind sie ja genug.

Wie eine große Familie

"Man merkt schnell, dass die Atmosphäre im Haßfurter Fallschirm-Sport-Zentrum familiärer ist, als in anderen. Denn es steht ein Verein hinter dem Ganzen, und der finanzielle Gewinn steht nicht im Fordergrund", sagt Andreas Müller. Der Nürnberger, Schriftführer beim Verein, lässt sich eben zum Fallschirmsprunglehrer ausbilden. Dazu muss man über 300 Sprünge absolviert haben, ein Jahr lang im Ausbildungsbetrieb mitgeholfen haben, und auch sonst viele Bedingungen erfüllen und Vorschriften beachten.

Einen noch längeren Weg haben "Tandemmaster" zu absolvieren. Das sind die Springer, die sich Passagiere vor die Brust schnallen. Dann kann auch ein Laie ohne große Vorausbildung in den Genuss des freien Falls kommen. "Tandemmaster" müssen 500 Sprünge absolviert und zahlreiche Prüfungen und Lehrgänge besucht haben.

Wer einmal mitgesprungen ist und mehr will, der sollte die Accelerated Freefall(AFF)-Ausbildung machen. Sie besteht aus einem Wochenende Theorie und sieben Schulungssprüngen, bei denen man zeigen muss, dass man das Gelernte anwenden kann. Hat man das geschafft, braucht man nur noch 25 Solosprünge, zwei Prüfungssprünge, und eine Theorieprüfung. Kinderspiel, wenn man feste gelernt hat, worum es geht bei Meteorologie und Aerodynamik, Technik und Luftrecht.

Die "Lizenz zum Fallen" kostet, alles zusammengerechnet, etwa 1500 Euro. Weniger als der Führerschein fürs Auto.

Unbeschreibliches Gefühl

Was bringt Menschen dazu, sich aus der Luke eines Flugzeuges in Richtung Boden zu stürzen, warum das Ganze? Die Springer lachen. "Das Springen macht einfach unglaublichen Spaß", erklärt Andreas Müller. Da herrscht eine besondere Stimmung, wenn man zusammen mit den anderen in einem Flugzeug sitzt, das langsam die Wolken erklimmt.

"Am Anfang wird noch gequatscht, aber je höher man steigt, desto ruhiger werden alle.", sagt der 24-Jährige. Und auch er hat "nach über 370 Sprüngen noch jedes Mal, wenn das grüne Lich aufleuchtet, ein mulmiges Gefühl." Aber "wenn die Tür dann aufgeht und man aus dem Flugzeug springt, ist die Anspannung weg. Dann fühlt und sieht man Dinge, die man einfach nicht beschreiben kann. Das muss jeder einmal selbst erlebt haben."

Kontakt

Einfach anrufen unter Handynummer 0175/5915833 oder am Wochenende unter Telefonnummer 09521/3375. Das Fallschirm-Sport-Zentrum Haßfurt betreibt einen Internetauftritt und eine Facebook-Seite. Hier gibt's noch viele Bilder.