Am 1. Mai 2016 gab es für einen 42-jährigen Mann aus dem Maintal keinen Grund, in den Mai zu feiern. Schon früh um 6.30 Uhr kam es zum Streit mit einem Mitbewohner, der 250 Euro, die eigentlich in seiner Tasche sein sollten, vermisste. Der Streit eskalierte zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, bei der der 28-jährige Mitbewohner mit reichlich Alkohol und Drogen intus seinen Zimmernachbarn brutal zusammenschlug.

Jetzt verurteilte das Amtsgericht Haßfurt den polizeibekannten Täter zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten und ordnete gleichzeitig die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Laut Anklage sprang der 28-jährige, der wegen einer anderen Straftat einsitzt und aus der Justizvollzugsanstalt Nürnberg in Handschellen in den Gerichtssaal vorgeführt wurde, auf das Bett des Älteren und schlug mit beiden Fäusten auf Kopf und Oberkörper seines Opfers ein. Als das Opfer, das damals einen Beinbruch auskurierte, mit seinen Krücken zu flüchten versuchte, stolperte es und fiel auf den Boden. Der Angeklagte soll dann mit einer Krücke auf den Oberkörper seines Mitbewohners eingeschlagen haben. Der Geschädigte erlitt eine Fraktur am rechten Arm, hatte ein blaues Auge und Prellungen am ganzen Körper und lag zwölf Tage im Haßfurter Krankenhaus.

Vor Gericht gab der Angeklagte an, nur zweimal zugeschlagen zu haben. Einmal auf den Arm und einmal auf den Oberschenkel seines Opfers. Die Frage des Staatsanwalts, wie es zum Armbruch und dem blauen Auge des Geschädigten kam, konnte der Angeklagte nicht beantworten. Laut Protokoll der Polizeistreife, die kurz vor 8 Uhr gerufen wurde und wenig später am Tatort eintraf, konnte sich der Geschädigte nicht mehr bewegen und kam sofort mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Der Angeklagte war zu diesem Zeitpunkt flüchtig und konnte 20 Minuten später von der Polizei aufgegriffen werden. Eine Atemalkoholprobe ergab knapp 1,2 Promille im Blut des Angeklagten.

Bei seiner Zeugenaussage vor Gericht vermied es der 42-Jährige, seinen Peiniger anzuschauen. "Sonst krieg' ich Angstzustände", schilderte er dem Gericht seinen seelischen Zustand. Der Angeklagte habe ihn beschuldigt, sein Geld gestohlen zu haben, ihn dann aus dem Bett gezerrt und auf ihn eingeschlagen. Als er sich auf seine Krücken stützen wollte, habe der Schläger sie weggetreten, so dass er zu Boden gegangen sei. Als er wehrlos auf dem Boden lag, habe der Angeklagte auf ihn eingetreten, auch gegen die kaputte Hüfte und gegen seinen Arm, der durch die heftigen Tritte brach. Überall sei Blut gewesen. Bis heute habe er Beschwerden.

Der Angeklagte, der über seinen Verteidiger kundtat, dass ihm die Tat leid tue, ist vor Gericht kein Unbekannter. 14 Einträge stehen in seinem Sündenregister, von Diebstählen über Drogendelikte bis zu Körperverletzungen. Im Alter von neun Jahren kam er ins Kinderheim. Seinen Vater lernte er nie kennen. Obwohl der Angeklagte laut Aussage des Geschädigten nicht mit einer Krücke zuschlug, plädierte der Staatsanwalt dennoch auf gefährliche Körperverletzung, da der 28-Jährige mit seinem beschuhten Fuß zugetreten habe. Der Anklagevertreter forderte unter Einbeziehung einer zuvor begangenen Straftat eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Der Verteidiger sah nur eine einfache Körperverletzung vorliegen, da kein gefährlicher Gegenstand, wie eine Krücke, im Spiel war, und hielt daher eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten für angemessen.

Richterin Ilona Conver ging ebenfalls von einer einfachen Körperverletzung aus. Es sei rechtlich umstritten, ob ein Schuh als "Waffe" bezeichnet werden könne, was eine gefährliche Körperverletzung begründen würde. Die Schuldfähigkeit des Angeklagten sei durch den Alkohol- und Drogenkonsum gemindert gewesen. Durch die Einweisung in eine Entziehungsanstalt erhalte der 28-Jährige die letzte Chance, um "noch die Kurve zu kriegen" meinte die Vorsitzende. Der Angeklagte akzeptierte das Urteil, während der Staatsanwalt keine Erklärung abgab.