Mehr Unfälle in nahezu allen Bereichen verzeichnete die Polizei im Kreis Haßberge für das Jahr 2015, in der Statistik wird ein Anstieg um knapp über 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.

"Während sich im Kalenderjahr 2014 noch 1987 Verkehrsunfälle ereigneten, so stieg die Zahl im zurückliegenden Jahr 2015 auf insgesamt 2392", erklärt die Polizeiinspektion Haßfurt in ihrem "Verkehrssicherheitsbericht 2015", der den gesamten Landkreis Haßberge abdeckt. Bei den tödlichen Unfällen gab es einen Rückgang: Kamen im Jahr 2014 auf den Straßen im Landkreis Haßberge zehn Menschen ums Leben, waren es im Folgejahr noch vier.

Die Hauptursache für den Anstieg der Gesamtunfallzahl sieht die Polizei "bei der als dramatisch zu bezeichnenden Zunahme der Wildunfälle": 621 Wildunfälle aus 2014 stehen 910 Wildunfällen in 2015 gegenüber.
In den Jahren zuvor hatte sich rückblickend bis 2008 die Zahl bei um die 600 eingependelt. Was also führte zu dem abrupten Anstieg bei dieser Art der Unfälle? Jener Frage gingen Vertreter der Polizei, der Jagdbehörde im Landratsamt, sowie Jäger und Mitarbeiter der Verkehrsbehörden bei einer Besprechung im vergangenen Oktober nach.


Mehrere Ursachen

Als Ursachen machte die Gruppe das außergewöhnlich warme Jahr 2015 aus, die Aktivität der Tiere blieb wegen der milden Temperaturen auch in Herbst und Winter hoch. Weiterhin schränke die Landwirtschaft mit der intensiven Bewirtschaftung "der zur Verfügung stehenden Anbauflächen bis in die Randbereiche" den Lebensraum und die Rückzugsflächen der Tiere ein. Zudem übe der Mensch in seiner Freizeit Druck auf das Wild aus, indem er sich oft im Rückzugsraum des Wildes aufhält. Auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer mit zu schnellem Fahren in gefährdeten Bereichen wird als Grund für den Anstieg der Unfallzahlen genannt.

Hinsichtlich der Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden, verzeichnet die Polizeiinspektion in Haßfurt für den Kreis ebenfalls eine Zunahme, und zwar um über acht Prozent: 2014 gab es 273 Unfälle mit Verletzten, 2015 waren es 296. Bei diesen 296 Unfällen wurden 364 Personen verletzt, davon 276 leicht und 88 schwer.


Tödliche Unfälle

Einen Rückgang bei den tödlichen Verkehrsunfällen im Landkreis Haßberge vermeldet die Polizei für das vergangene Jahr: Vier Tote stehen den zehn tödlich verletzten Personen von 2014 gegenüber. Der erste tödliche Verkehrsunfall 2015 ereignete sich laut dem Verkehrssicherheitsbericht in den späten Nachmittagsstunden des 21. Juli auf der Kreisstraße HAS 20. Ein 23-jähriger Motorradfahrer stieß demnach zwischen den Ortschaften Breitbrunn und Neubrunn auf einer kurvenreichen Strecke "frontal gegen einen entgegenkommenden Mähdrescher mit überbreitem Mähwerk". Der Kradfahrer starb noch an der Unfallstelle. Ein weiterer tödlicher Unfall geschah am Nachmittag des 25. September in Prappach. "Eine 30-jährige Frau aus dem Landkreis befuhr die Wachthügelstraße auf Höhe des dortigen Kindergartens. Ein dreijähriger Junge rannte zur gleichen Zeit aus dem gegenüberliegenden elterlichen Wohnanwesen und fiel der Autofahrerin unmittelbar vor den Pkw", heißt es im Polizeibericht. Die Frau überrollte das Kind mit einem Reifen ihres Fahrzeugs, der Bub erlag zwei Tage später im Uni-Klinikum Würzburg seinen Verletzungen.

Der dritte tödliche Unfall ereignete sich Ende November in Ebelsbach, wo ein 72-jähriger Fußgänger ums Leben kam. Der Rentner, der mit einem Rollator unterwegs war, wurde beim Überqueren der Georg-Schäfer-Straße im Bereich einer Einmündung vom Wagen eines 20-Jährigen erfasst. Der 72-Jährige starb an der Unfallstelle.
Ein weiterer Verkehrsunfall mit einer getöteten Person ereignete sich im vergangenen Jahr auf der Maintalautobahn A70 und fällt in die Zuständigkeit der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck, wird aber wegen der geografischen Lage statistisch dem Kreis Haßberge zugerechnet.


Keine Schulwegunfälle

Eine sehr erfreuliche Entwicklung verkündet die Polizei bei den Schulwegunfällen: 2015 gab es da keinen einzigen aktenkundigen Vorfall. 2014 gab es einen Unfall mit einem verletzten Kind, im Jahr 2013 waren es gar fünf Schulwegunfälle. Der Rückgang "gründet sich insbesondere auf die vorbildliche Arbeit der Verkehrserzieher der Polizeiinspektionen Haßfurt und Ebern", ist dem Verkehrssicherheitsbericht zu entnehmen.


Strukturdaten des Landkreises

Der Kreis Haßberge erstreckt sich sich auf einer Gesamtfläche von 956 Quadratkilometern, die nach Polizeiangaben "aktuell von 84 314 Bürgern bewohnt werden". Für die öffentliche Verkehrsnutzung stehen rund 29 Kilometer Autobahn, 98 Kilometer Bundesstraße, 236 Kilometer Staatsstraße, 321 Kilometer Kreisstraße sowie 215 Kilometer Gemeindeverbindungsstraßen zur Verfügung. Der Kraftfahrzeugbestand erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 1,38 Prozent von 71 304 auf 72 295 Kraftfahrzeuge.