"Ich bin zum zweiten Mal bei einer Frauenlesenacht und total begeistert", sagte sie. "Bemerkenswert ist, dass sich Frauen so viel Zeit nehmen, um zum Thema passende Erzählungen auszusuchen und sich auf die Lesungen vorzubereiten. Besonders beeindruckend an dem heutigen Abend war für mich, wie viele unterschiedliche Geschichten Frauen für wichtig halten, vorgetragen zu werden. So deckten sie die Gefühlsspanne von lustig bis ganz traurig ab. Aber auch die Tatsache, dass so viele Frauen ihre eigenen Werke vorgelesen haben, hat mir imponiert. Dies zeigt auch, wie begabt Frauen sind!"

Und so hat die Frauenlesenacht auch im 15. Jahr Anziehungskraft: 180 Frauen waren an den beiden Abenden dabei. Ein schönes Ambiente, Frauen unter sich und Geschichten, die Frauen geschrieben haben und Frauen vorlesen, Musik und Gesang - das hat besonderen Reiz. Andrea Tiessen-Lehmann von der Theaterwerkstatt hatte diese Lesenächte erneut bestens vorbereitet.

Ein hochsensibles Thema

Die "Nachbarn" standen im Fokus. "Denn kaum ein Mensch reagiert bei diesem hochsensiblen Thema mit völliger Gelassenheit", betonte Andrea Tiessen-Lehmann: "Zehn Frauen haben sich im Vorfeld dieser Nacht damit auseinandergesetzt und etwas Passendes ausgesucht. Doch das Einmalige ist, dass wir heute alleine sechs Erzählungen hören, die die Vorleserinnen selbst geschrieben haben; so viele wie noch nie."

Laut wurden die unterschiedlichsten Gedanken über gute, schlechte, einfühlsame, erotische oder unverschämte Nachbarn. Spannend, lustig und von schwarzem Humor geprägt war die Kurzgeschichte über die aufdringliche Nachbarin von Andrea Tiessen-Lehmann, die sie eigens geschrieben hatte.

Großen Applaus erntete auch Elke Meyer aus Hafenpreppach mit ihrer Geschichte über das "bissige" Verhältnis zwischen zwei Nachbarinnen und mit ihrem Gedicht. Irmgard Hetterich aus Zeil las aus ihrem Buch "Tierische Nachbarn", und Monika Schraut aus Zeil erzählte ihre Geschichte von den seltsamen Nachbarinnen Frau Müller und Frau Meier. Sehr lebendig und humorvoll schilderte Helga Stegner aus Augsfeld ihre guten Erlebnisse mit ihren jetzigen Nachbarn und die weniger erfreulichen Erlebnisse mit früheren Nachbarn. Hatte sie doch gleich zweimal an verschiedenen Wohnorten erlebt, wie ihre Nachbarn einen Swimmingpool im Garten errichteten und ihr die geliebte Ruhe auf der Terrasse vergällten.

Süffisant, erotisch, traurig

Gaby Schmitt aus Kirchlauter, Annerose Simon aus Knetzgau, Gabriele Marquardt aus Haßfurt und Roswitha Fliege aus Obertheres erfreuten mit süffisanten, erotisch-angehauchten, traurigen und humoristischen Romanauszügen von Karin B. Holmquist, Katrin Groß-Striffler, Gaby Hauptmann und Ulla Fröhling. Petra Schlosser (Klavier und Gesang), Gabriele Marquardt und Andrea Tiessen-Lehmann (Gesang) rundeten mit Liedern den Abend ab. Mit dem von Petra Schlosser zur Melodie von "Wind of change" geschriebenen Lied, bei dem alle Frauen mitsingen konnten, endeten die Frauenlesenächte 2013.

Jeweils 90 Frauen besuchten die beiden Frauenlesenächten der Theaterwerkstatt Haßfurt in der Keramikwerkstatt Barbara Zehender in Jesserndorf, die unter dem Thema "Nachbarn" standen. Die Organisatorin Andrea Tiessen-Lehmann (im Bild) faszinierte die Zuhörerinnen nicht nur mit einer selbst verfassten Geschichte, sondern auch mit dem Lied "Typisch Du", begleitet von Petra Schlosser von der Theaterwerkstatt.