Wer hat sich das nicht auch schon einmal gewünscht: Deutschland und den Alltag einfach einmal hinter sich zu lassen, um eine unbekannte Kultur, neue Länder oder sogar einen anderen Kontinent zu entdecken? Für die meisten bleibt dies jedoch nur ein Traum. Julia Grimmer hat sich getraut: Die 23-Jährige aus Kraisdorf lebte ein Jahr als Entwicklungshelferin im fernen Südafrika.
Bereits im Jahr 2010 hat die Politikstudentin zwei Monate in Tansania als Praktikantin verbracht. Schon damals hatte sie der afrikanische Kontinent beeindruckt. Laut eigenen Aussagen war diese Zeit jedoch viel zu kurz, um die fremde Kultur wirklich kennenzulernen. Bereits ein Jahr später packte Julia Grimmer erneut das Fernweh. Gerade deswegen war die Freude der Studentin besonders groß, als ihre Bewerbung bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) auf Interesse stieß.

Ehrenamtlich in Afrika


Unterstützt durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bietet diese Gesellschaft im Rahmen des Programms "weltwärts" jungen Erwachsenen die Möglichkeit, für mehrere Monate ein Ehrenamt im entwicklungspolitischen Freiwilligendienst zu übernehmen. Die Teilnehmer werden gezielt vorbereitet, finanziell unterstützt und während des gesamten Aufenthaltes begleitet.
Für Julia Grimmer sollte es für sechs Monate nach White River, einer kleinen Stadt in der Nähe des Krüger-Nationalparks gehen, wo sie als Mitglied einer Nichtregierungsorganisation in verschiedenen Programmen zur Entwicklungshilfe mitarbeitete. Hierauf folgte ein halbjähriger Aufenthalt in Rustenburg im Nordwesten Südafrikas. Seit April war sie dort für die Organisation "Eco-schools" tätig, in der sie Schulen dabei unterstützte, umweltfreundlicher zu werden. Sie versuchte auch, den dortigen Schülern Natur und umweltbewusstes Verhalten näher zu bringen. Dies ist in Südafrika, einem Land in welchem die Auswirkungen des Klimawandels bereits deutlich zu spüren sind, Umweltbewusstsein für die Bevölkerung jedoch noch weitgehend fremd ist, besonders wichtig.

Vorurteile aus der Heimat


Auch von Vorurteilen aus der Heimat blieb die 23-Jährige, die am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern 2008 ihr Abitur abgelegt hatte, nicht verschont. "Da lebst du wohl in Buschhütten ohne Strom und fließend Wasser" waren Aussagen, die sie nicht selten zu hören bekam. Dabei könne man mit dem nötigen Kleingeld ohne Probleme wie in Europa leben und müsse auf kaum einen Luxus verzichten, versichert Julia Grimmer.
Sorgen machten sich Familie und Freunde auch um Julias Sicherheit, da man in den Medien von der dortigen Kriminalität hört. Jedoch auch diese Argumente kann die Studentin nach nun einem Jahr Südafrika-Erfahrung entkräften. "Sicher ist das Land nicht ganz ungefährlich. Wenn man sich aber an bestimmte Regeln hält und vorsichtig ist, braucht man jedoch keine Angst zu haben."
Besonders gefallen hat der Studentin die Freundlichkeit und Offenheit der Bewohner. Gerade deshalb sei es ihr auch nicht schwergefallen, Anschluss zu finden, vor allem, da man sich mit Englisch als eine von elf offiziellen Landessprachen überall sehr gut verständigen kann.

Optimismus trotz vieler Defizite


Zudem habe die Sorgenfreiheit und der Optimismus der Menschen sie besonders beeindruckt. In einem Land, in dem es immer noch sehr viele Defizite gibt, sei dies nicht selbstverständlich. So sei die Rassentrennung immer noch stark zu spüren und auch zwischen Arm und Reich herrsche eine große Kluft. Zusätzlich existiere vom schlechten Bildungssystem, über hohe Arbeitslosigkeit bis hin zu einer hohen HIV-/Aidsrate immer noch eine Vielzahl an Problemen.
Gerade dadurch hat die 23-Jährige jedoch auch viel gelernt: "Zum Glücklichsein muss man kein Geld haben. Karriere, Materielles und Aussehen sind nicht alles. Es ist viel wichtiger, Zeit miteinander zu verbringen und auch einfach einmal Nichts zu tun statt im Alltagsstress unterzugehen."
Auf Reisen durch ganz Südafrika, bis hin nach Mosambik und Swasiland lernte Julia Grimmer auch außerhalb der neuen Heimatorte die Kultur Afrikas näher kennen und stellte dabei fest, wie stark sich die einzelnen Staaten voneinander unterscheiden. "Unser Afrikabild vom großen einheitlichen Kontinent stimmt absolut nicht."

Würmer waren nichts für sie


In ihrer Freizeit kam sie zudem mit dem afrikanischen Aberglauben in Kontakt oder ließ es sich nicht nehmen traditionelle südafrikanische Gerichte wie Würmer oder Tierinnereien zu essen. Schmunzelnd gibt die Kraisdorferin jedoch zu: "Das habe ich zwar alles mal probiert, ich blieb dann aber doch meiner europäischen Ernährungsweise treu."
Obwohl das Leben in der Fremde, 10   000 Kilometer von der Heimat entfernt, nicht immer leicht war, empfiehlt Julia Grimmer jedem, der die Möglichkeit hat, diesen Schritt zu machen. Man lerne mit vielen Herausforderungen umzugehen und gerade durch den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus werde man gezwungen, auch einmal seine eigenen Werte und Normen infrage zu stellen.