Zwei Wochen bearbeiteten Bildhauerinnen und Bildhauer in neun Landkreisgemeinden heimische Baumstämme in “offenen Ateliers“. Am Sonntag wurden die Ergebnisse am Aufgang zur Festung Rosenberg erstmals gemeinsam vorgestellt. Eine spannende Ausstellung wird geboten, gleichzeitig ein Querschnitt zeitgenössischer Holz-Bildhauerei in Deutschland und darüber hinaus, die in Oberfranken einmalig ist und jetzt bereits zum 20. Mal stattfindet.
 
Ehrenamtlich organisiert

Das Konzept und die Gesamt-Organisation lagen auch dieses Jahr wieder in den Händen von Ingo Cesaro, der dieses Kunstprojekt als Privatmann, mit Unterstützung seiner Familie und sehr bescheidenem Budget, ehrenamtlich organisiert.
Der stellvertretende Landrat Gerhard Wunder und die 2.
Bürgermeisterin von Kronach, Angela Hofmann, begrüßten dieses Leuchtturmprojekt und hofften, zusammen mit den Hauptsponsoren, auf eine Weiterführung dieses einzigen internationalen Kunstprojektes im Landkreis Kronach. Forstbetriebsleiter Fritz Maier stellte als Förster den ökologischen Zusammenhang zwischen Baum und Kunst her. Er sieht die Forstwirtschaft und die Künstler als „natürliche Partner“.
 
Ohne Sponsoren keine „HolzART“

Cesaro bedankte sich bei allen Sponsoren, besonders bei der KMW-Stiftung Marktrodach, den Bayerischen Staatsforsten, dem Landkreis Kronach und der Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigstadt.
Cesaro stellte die Bildhauer kurz vor, bevor es zum traditionellen Rundgang mit den Eröffnungsgästen ging.
Wer jetzt, bis zum 28. Oktober, den Weg zur Festung Rosenberg erklimmt, wird direkt hinter dem „Wächter der Festung Rosenberg“ auf die Skulptur von Peer Oliver Nau aus Lübeck stoßen. „Die sabotierte Reise zum Mond“ erinnert an ein modernes Märchen. Aus Fichtenholzbalken schuf der Bildhauer eine Giraffe, die aufgebaut, also nichts vom Stamm weggenommen wurde, als eine der zwei Möglichkeiten,  mit Holz künstlerisch zu arbeiten. Die Giraffe dreht den Hals weg, ja, streckt sogar die Zunge heraus, so dass das Mädchen auf dem Rücken  chancenlos bleibt, den Mond oder die Sterne zu erreichen. Nicht einmal die Festungsmauer.
Mit ihrem Markenzeichen, Eichenholz und Geflecht, zeigt Judith Franke eine
versonnene Frau, betört vom Duft der Arnika. Anregen ließ sie sich in der Arnikastadt Teuschnitz, mit der eine weitere enge Zusammenarbeit angedacht ist, wie Cesaro anmerkte.
Überhaupt ist die „HolzART“ mit Aktionen bei „Kronach leuchtet“ und am Golfplatz Nagel beteiligt, ebenso bei den Mitwitzer-Künstler-Märkten.
 
Überragende Skulpturen

Aus dem Vollen, das heißt aus zwei Douglasien-Stämme, einer davon 4,5 Meter lang, schuf Michael Steigerwald einmal die Stele „Context“. Glatt, eindeutig geht es hier um Teile, die weniger ausmachen, als schließlich das Ganze. Seine zweite überragende Skulptur betitelt er mit „Ein Schriftsteller (im Boot), ein Maler, Adam, Eva und eine Schlange, eine geflügelte“. Seine Hommage an den Organisator und an Lucas-Cranach d. Ä. in einer Art Lebensbaum.
„Namenlos“  ist die Skulptur einer Frau von Michael Pickl betitelt.  Er reiste mit keinem genauen Plan an und seine Skulptur  entwickelt sich nach einem inneren Bild. Dieses Gefühl, eine Art von Bewegung,  ist für ihn eine Entdeckungsreise. Michael Pickl  erklärte, dass er im Atelier mindesten die doppelte Zeit für eine Skulptur benötige, hier lief alles hervorragend, so dass er einen zweiten Stamm, eine Lärche,  bearbeiten konnte. Er verzichtete auf Farbe, um die Maserung des Holzes nicht zu verdecken. 
 
Einflüsse aus der Umgebung

Der italienische Bildhauer Hardy Raub schuf „Leben 2016“ ebenfalls aus einem Lärchenstamm.
Er verarbeitete die Einflüsse von seinem Atelier im Park des Wasserschlosses Mitwitz: Wasser, Bäume, Pflanzen, Blüten. Wichtig für ihn ist, dass alles Leben aus einem Samenkorn bzw. einem Ei stammt und zum Licht aufstrebt. So kann man bei näherem Betrachten dieses mächtige Samenkorn im Inneren der Skulptur entdecken.
Brele Scholz aus Aachen sägte aus einem Eichenstamm die „Große Frau mit Hund“. Die Bildhauerin kommt mit keinem festen Konzept, sondern entscheidet sich erst, wenn sie den Stamm sieht. Sie hat Risse und Verletzungen des Stammes mit in ihre Arbeit übernommen. So sägte sie erstmals einen Hund, der am Fuße der Frauengestalt wartet. Mann oder Frau, aber immer mit einem ausdrucksvollen Gesicht.
Seinen „König der Kugeln“ lässt Bernd Fuchs auf einem Eichenstamm in Form einer Krone, mit Blattgold versehen, thronen. Vor ihm liegen vier Kugeln, unterschiedlicher Größe. Seine „Land Art“, ein modernes Märchen, spielt mit Größenverhältnissen. Der Kopf des Königs jedenfalls ist nicht der größte.
 
Siebter „HolzART-Preis“ für Roger Löcherbach

Zum siebten Mal konnte Ingo Cesaro den „HolzART-Preis“ der KMW-Stiftung Marktrodach überreichen. Dieses Mal wurde dieser Preis Roger Löcherbach aus Essen zugesprochen. Übrigens sein erster Kunstpreis überhaupt, wie er stolz erklärte. Seine „Menschen auf dem Weg“ sind fünf einzelne Menschen-Skulpturen, deren Füße in Holzklötzen stecken, die Bewegungen beziehen sich allerdings auf verschiedenes Obst, welches diese auf ihren Köpfen jonglieren. Die Idee stammt vom Wiener Künstler Erwin Wurm, der eine kurze Aktion mit Menschen organisierte, um diese zu fotografieren, erklärte Roger Löcherbach. Nun sind sie in Holzskulpturen verwandelt und dem Moment dauerhaft entrissen.
 
Eine Rose aus Blei

Maja Moroz aus Polen nennt ihre Eichenskulptur „Memory“.  Die Erinnerungen sind Einschnitte im Holz, unterschiedlich bei jedem Menschen. Sie hat diese mit Blei deutlich und dauerhaft sichtbar gemacht. Als Hinweis auf die Festung Rosenberg ziert ihre Skulptur eine Rose aus Blei.
Tom Kus, dessen mächtige Skulptur aus Eiche und Eisen, der „Neuer Wächter der Festung Rosenberg“, seit Jahren die Festung bewacht, hat uns „Das Nest“ gesägt. Sein Schakal versucht, sich am Stamm zu einem Nest vorzuarbeiten. Dass er das Nest erreicht ist sicher. Nicht so sicher, dass die Steineier bis zum Schluss der Ausstellung im Nest verbleiben. So bleibt er mit dieser Skulptur seinem Künstlermotto „Schakal“ treu.     
Wer die Festung Rosenberg in den nächsten Monaten erklimmen will, wird die Pausen vor den Skulpturen gerne dazu nutzen, zu verschnaufen. Spannend und beeindruckend bleibt der Weg nicht nur für ausgesprochen Kunstinteressierte.    

Inga Hümmer