Eckhard Nagel, langjähriger Chefarzt und Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth, war zu Gast beim S-Forum der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach. Er ist seit 2015 Mitglied des Aufsichtsrats der Charité Universitätsmedizin Berlin. Seit 2001 ist er Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags und war in dieser Funktion Kirchentagspräsident 2005 in Hannover und evangelischer Präsident des ökumenischen Kirchentags 2010 in München.

In seiner Begrüßungsrede wies Sparkassenvorstand Johannes von Hebel darauf hin, dass im Gesundheitswesen Finanzknappheit herrscht, täglich neue Geräte und Medikamente den Markt überströmen und der administrative Aufwand die eigentliche ärztliche Tätigkeit mitunter in den Hintergrund stelle. Daher müsse ein Arzt heute auch die Kosten im Blick haben. "Wie lässt sich die Notwendigkeit effizienten Wirtschaftens mit einem Höchstmaß an individuellem Patientenwohl vereinbaren? Und was steht im Zweifel im Vordergrund?" fragte von Hebel.

Nagel machte gleich am Anfang seines äußerst interessanten und gleichzeitig unterhaltsamen Vortrags den zahlreich erschienenen Gästen deutlich, dass Deutschland in der medizinischen Versorgung führend ist. Viele Länder orientieren sich an unserem Gesundheitssystem. Aber leider sei diese Tatsache nur wenigen in unserem Land bewusst.

Solidarität und Subsidiarität seien die Grundprinzipien unserer gesundheitlichen Versorgung. Dessen Wertesystem stelle den Menschen in den Mittelpunkt, strebe eine faire Chancengleichheit für die Realisierung von Lebensplänen mit gleichem Zugang zur medizinischen Versorgung an, beinhalte aber auch die Eigenverantwortung des Patienten. Dieses System schütze den Patienten und springe ein, wenn er selbst nicht mehr in der Lage sei, sich zu helfen.

Freie Arztwahl, Therapiefreiheit des Arztes und eine flächendeckende Versorgung seien wesentliche Stärken unseres Systems. Diese Grundprinzipien müssten zum Wohle der Patienten erhalten werden, auch wenn sich die Medizin durch neue Therapieformen und die damit verbundenen Kosten verteuert. Wirtschaftliches Handeln und der verantwortungsvolle Umgang mit den knappen Ressourcen sei hier sicher ein wichtiger Teil der Lösungsansätze. Auch dürfe medizinischer Fortschritt nicht als bloßer Kostentreiber gesehen werden. Denn durch ihn werde vieles machbar, was die Heilerfolge spürbar fördert und noch weiter verbessen wird.

Auch die Digitalisierung werde die Medizin verändern und könne die Ärzte und Krankenhäuser wirkungsvoll unterstützen, unter anderem um Prozesse zu vereinfachen und Diagnosemöglichkeiten zu verbessern. Das Wohl der Patienten müsse der Wertmesser sein, die Lebensqualität der Menschen durch die Medizin müsse im Vordergrund stehen. Denn trotz eines vorbildlichen Systems seien noch nicht alle Menschen in unserem Land gleich gut versorgt. Eine Spur liefere hier die Betrachtung der Lebenserwartung. "So zeigen Untersuchungen, dass ein niedriger sozialökonomischer Status mit einem erhöhten Sterberisiko und einer damit verringerten Lebenserwartung einhergeht. Auch gibt es Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen den Lebensräumen Stadt und Land", führte Nagel aus.