Wie bitte? Bösl und Fellner sollen Opfer des Sexismus sein? Ausgerechnet die beiden, die in dem Stück "Indien" im Theater Baumann des österreichischen Autoren-Duos Josef Hader und Alfred Dorfer so abfällig über die Frauen herziehen?
Nun ja, die Geschichte kann auch von einer anderen Seite aus betrachtet werden. Die beiden Gastro-Tester, die sich auf "Schnitzel-Inspektionstour" befinden, haben es verlernt, ehrlich zu sich und anderen zu sein. Stattdessen erfüllen sie Männerklischees.
Bösl markiert den harten Typen, den einsamen Wolf, den richtigen Mann also, der niemanden an sich ran lässt und stur seinen Weg geht. Einer zwischen John Wayne und Donald Trump.
Fellner macht auf verständnisvoll, aufmerksam und gebildet, also so, wie er glaubt, dass der heutige Mann sein sollte.
Beide spielen eine Rolle, beide fallen damit auf die Nase. Die eben noch verhassten Feinde sind sich plötzlich einziger gegenseitiger Halt. Wie zwei Nichtschwimmer, die einander über Wasser halten müssen. up