Holger Peilnsteiner

Erlebbare Geschichte boten die Freunde der Plassenburg am alljährlichen Gedenktag an die Zerstörung Kulmbachs im zweiten Markgrafenkrieg 1553. Einmal ganz anders, szenisch und schauspielerisch, brachten der passionierte Stadtführer Erich Olbrich und Vorsitzender Peter Weith den mehr als 50 Gästen die Geschehnisse am Konraditag dar.
Verkleidet als Landsknechte führten sie im Dunkeln zu verschiedenen Orten in der Altstadt, die im Krieg und speziell am Tag des Sturmangriffs wichtige Rollen spielten.
An der heutigen Touristinformation an der Ecke von Grabenstraße und Buchbindergasse begann der Spaziergang durch die Geschichte in Erinnerung an einen Tag, der zu einem Höhepunkt eines mehr als zweijährigen Krieges wurde. Zuvor hatte der Kulmbacher Markgraf Albrecht, später genannt der teutsche Alcibiades, nacheinander verschiedene feindliche Städte und Landstriche eingenommen oder zu Zahlungen gepresst.


Hambacher Schloss zerstört

Es ging ihm vor allem um die Vormachtstellung im damaligen Franken. Ab 1552 setzte sich der Markgraf zunächst erfolgreich gegen die Reichsstadt Nürnberg durch, zwang die Bischöfe von Würzburg und Bamberg zu großen Zahlungen und Verträgen und besetzte und eroberte mehrere Städte. Immer weiter trug er den Krieg in den Westen und Norden des Reichs, plünderte und zerstörte das Hambacher Schloss und griff die Braunschweigischen Lande an.


Feinde verbünden sich

Die Zahl seiner Feinde wurde immer größer, und im Verbund mit Ferdinand, dem Bruder Kaiser Karls V., und Moritz, dem Herzog von Sachsen, schlugen die nun vereinten Bundesstände ab Sommer 1553 zurück. Im November belagerten sie Kulmbach und die Plassenburg. Die Stadt wurde durch massives Geschützfeuer bis zum 26. November sturmreif geschossen, es begann der Angriff unter dem Oberbefehl von Herzog Heinrich II. von Braunschweig.
Das kalte Schaudern konnte einen packen, wenn man die von Olbrich und Weith leidenschaftlich vorgetragenen Zitate und Geschichten aus dem grausamen Kriegsgeschehen von vor 463 Jahren hörte. Auf Höhe der heutigen Basteigasse sprach der Vorsitzende der Freunde der Plassenburg: "Hier bergauf Richtung Kalte Marter waren zwei Geschützstellungen unserer Truppen, die tagelang auf die südlichen und östlichen Teile der Stadtmauer feuerten." Zwar hätten die Kulmbacher nachts immer wieder verzeifelt versucht, die Lücken in der Mauer zu stopfen, doch am 26. November, dem Tag des heiligen Konrad, gelang ihnen das nicht mehr und die Bundesständischen Truppen setzten zum Sturm an.
Von den Mühen der Verteidiger sprach Olbrich, der einen im Dienste des Markgrafen stehenden Soldaten spielte: "Die Kanonen auf der St.-Petri-Kirche haben die Feinde nicht wirklich ärgern können. Es waren wohl nur kleine Geschütze, vielleicht Doppelhaken oder Falkonette. Für große Kanonen war auf dem Turm einfach zu wenig Platz". Die Feinde hingegen haben es recht einfach gehabt, von den Bergen rund um Kulmbach in die Stadt hinein zu feuern. "Seit dem Beginn der Kriegshandlungen im Kulmbacher Land im Juli 1553 sind schon mehr als 500 Menschen zu Grabe getragen worden, doch mit dem Konraditag wird alles noch schlimmer", stellte der Kulmbacher Landsknecht fest.
An der Spitalkirche soll der Kulmbacher Pfarrer Eck noch einmal gepredigt und gebetet und zur Buße aufgerufen haben. Es half nichts. Als der Angriff begann, flüchteten sich die Soldaten des Markgrafen hinauf zur Plassenburg, wo sie als willkommene Verstärkung der Festung eingelassen werden. Der fliehenden Bevölkerung aber wird der Zugang verwehrt. "Wer nicht von den Feinden getötet wurde, flieht in die umliegenden Wälder, versteckt sich in Kellern und versucht, sich ins benachbarte Ausland zu retten, etwa ins Coburger Gebiet", beschrieb Olbrich das Schicksal der Kulmbacher. "Viele sind in den kalten Nächten Ende November 1553 elendig erfroren, es haben nur 75 Ehepaare überlebt."


Appell für den Frieden

Mit Glühwein, Lebkuchen und Gebäck erwarteten viele Helfer die Teilnehmer vor der erleuchteten Fassade des Langheimer Amtshofs. Nachdenklich stimmten die Abschlussworte von Peter Weith, der die Katastrophe und das Leid der daran völlig Unschuldigen in den Mittelpunkt stellte, die keine Chance hatten, ein solches Unglück abzuwenden. Nur echtes Bemühen aller Verantwortlichen, den Frieden zu bewahren, könne so etwas verhindern.