von unserem Mitarbeiter Peter Schmieder

Haßfurt — Seit 1974 besteht die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Haßberge und dem Districkt Tricastin in Frankreich. Regelmäßig gibt es gegenseitige Besuche und Schüleraustausche. Bereits seit einigen Jahren läuft die Planung zu einem Projekt, das diese Partnerschaft intensivieren und etwas schaffen soll, das sie auch nach außen sichtbar macht. Inzwischen konnte dieses Projekt in Angriff genommen werden.


Gartenbauer am Werk

In Saint-Paul-Trois-Châteaux, der Partnerstadt von Eltmann, gibt es ein "Lycée agricole", also eine landwirtschaftliche Schule. Schon länger bestand die Idee, einen Teil der Außenanlagen des Haßfurter Schulzentrums von Schülern aus Saint-Paul gestalten zu lassen. Nun wird diese Idee in die Tat umgesetzt: Die Franzosen gestalten den Außenbereich des Ganztagsbetreuungsgebäudes "Silberfisch".
Zunächst bekamen die französischen Schüler hierfür Pläne des Schulgeländes, um erst Ideen finden zu können. Im Herbst 2014 besuchten sie dann erstmals den Landkreis Haßberge. Damals bauten sie unter anderem einen Sitzkreis, bestehend aus einer Trockensteinmauer. Hier liegen Steine auf- und nebeneinander, ohne dabei von Mörtel oder etwas anderem zusammengehalten zu werden. Die deutsche Seite war in der Zwischenzeit nicht untätig. Neben dem Sitzkreis wurden mittlerweile Spielgeräte aufgestellt.
Nun sind wieder Schüler der französischen Landwirtschaftsschule für fünf Tage im Landkreis Haßberge zu Gast. Noch bis Freitag, 16. Oktober, setzen sie die Arbeiten fort, die im vergangenen Jahr begonnen hatten.
Nun geht es darum, das frisch gestaltete Gelände zu bepflanzen. Dabei sind die 18 französischen Schüler nicht alleine. Unterstützt werden sie von Schülern des Haßfurter Schulzentrums, je acht aus der Mittelschule, der Realschule und dem Gymnasium.
Der Freundeskreis Haßberge Tricastin stellt die für die Zusammenarbeit nötigen Dolmetscher. Manchmal funktioniert die Kommunikation zwischen deutschen und französischen Schülern auch auf Englisch, doch nicht alle Jugendlichen haben die nötigen Fremdsprachenkenntnisse.
Die meisten der französischen Schüler sind um die 16 Jahre alt und zum ersten Mal in Deutschland. Auf die Frage, ob neue Freundschaften entstanden seien und ob sie weiter in Kontakt bleiben würden, antworten die Deutschen im Gespräch mit unserem Reporter etwas zurückhaltender als die Franzosen. Während von einigen französischen Schülern ein klares "Oui" zu hören ist, kommt von der deutschen Seite ein "Vielleicht".
Die Organisatoren legen allerdings Wert darauf, die Gruppen zu mischen, und achten darauf, dass die Schüler verschiedener Nationen bei der Arbeit zusammenwirken. Auf die Frage, wie es für die Schüler einer Landwirtschaftsschule ist, mit Laien zusammenzuarbeiten, antwortet eine französische Schülerin: "Sie lernen schnell." Einer der deutschen Schüler meint: "Man kann voneinander lernen. Aber sie sind auf jeden Fall begabter."


Ungewohnter Frost

Dass selbst die französischen Lehrer noch etwas lernen können, zeigt eine Erfahrung aus dem letzten Jahr. Die Südfranzosen kommen aus einer Region mit viel milderen Klima. So zeigten sie sich überrascht, dass sie bei den Fundamenten für die Trockensteinmauer darauf achten mussten, dass sie dem Frost standhalten. Ein Problem, das im Tricastin keine Rolle spielt.
Bei der Wahl der Pflanzen, die das Schulgelände zieren sollen, legen die Verantwortlichen Wert darauf, den Partnerlandkreis auch optisch zu repräsentieren. So wählten sie speziell Gewächse aus, die typisch für die Region sind. Einige Wünsche konnten sie dabei allerdings nicht umsetzen. "So etwas wie Olivenbäume wäre zwar schön gewesen, aber die würden das Klima hier einfach nicht überstehen", erklärt der Gartenbau-Kreisfachberater Guntram Ulsamer.
Neben der Arbeit stehen Termine an, bei denen die Gäste aus Frankreich ihren Partnerlandkreis und schöne Städte der näheren Umgebung kennenlernen sollen. So gab es eine Führung durch die Stadt Königsberg, und auch nach Bamberg kamen die Besucher aus Saint-Paul.