Nach 60 Ehejahren konnten Rosina und Martin Hügerich diamantene Hochzeit feiern. Ihr Weg war dabei geprägt von vielen schönen Erlebnissen, aber auch schwere Schicksalsschläge blieben den Eheleuten nicht erspart.
Der gemeinsame Lebensweg von Rosina und Martin Hügerich begann am Ostermontag vor sechzig Jahren auf dem Standesamt in Altenkunstadt und der anschließenden kirchlichen Trauung in Weismain. In den Folgejahren wurde die Familie bald größer, denn drei Töchter kamen zur Welt. In Altenkunstadt errichteten die Eheleute ihr eigenes Heim.


Sturz vom Baugerüst

Allerdings ging der weitere gemeinsame Lebensweg dann ganz anders vonstatten, als es sich die Familie Hügerich gewünscht hatte. Martin Hügerich arbeitete an einem Hochhaus und fiel dabei so unglücklich vom Baugerüst, das er nahezu ein Jahr in der Klinik in Murnau verbringen musste. Dann die ernüchternde Diagnose: Querschnittlähmung. Von heute auf morgen waren alle Lebensplanungen auf den Kopf gestellt, Martin Hügerich musste sich fortan mit dem Rollstuhl zurechtfinden.
Die folgenden Jahre erwiesen sich dann als eine ganz harte Zeit, wobei Rosl Hügerich, wie sie liebevoll genannt wird, sich aber voll und ganz auf ihre Kinder mit ihren Familien verlassen konnte, die sie nach Kräften unterstützten. Martin Hügerich, der seit seiner Jugendzeit aktiv Fußball gespielt hatte, blieb dem Sport verbunden. Häufig spielte er beim Versehrtensportverein von Bayreuth Basketball. Als ihn dann eine seiner Töchter zum TTC Altenkunstadt mitnahm, entdeckte er seine ganze Leidenschaft für den Tischtennissport und sollte über Jahre hinweg zu einem der erfolgreichsten Rollstuhlsportler werden.


In Nationalmannschaft berufen

Nachdem er den ersten deutschen Meistertitel errungen hatte, wurde natürlich auch der Deutsche Versehrtensportverband auf den Altenkunstadter aufmerksam. Er erhielt deshalb eine Berufung in die Nationalmannschaft und rechtfertigte dabei seine Nominierung stets in vielerlei Hinsicht: bei Europameisterschaften, den Paralympics oder den Weltspielen für Körperbehinderte.
Er kann deshalb voller Stolz auf eine regelrechte Titel- und Medaillensammlung blicken. Zu den Höhepunkten seiner Sportlaufbahn zählten dabei die Weltspiele in Seoul, denn hier errang Martin Hügerich mit dem Tischtennis-Team 1988 die Goldmedaille für sein Heimatland. Die Tischtennisfreunde aus Altenkunstadt holten ihn nach diesem herausragenden Erfolg vom Flughafen ab.
Auch in ihrem Heimatort sind die Eheleute eine angesehene Familie, und nicht von ungefähr wurde Martin Hügerich die Ehrenmedaille der Gemeinde Altenkunstadt verliehen. Außerdem ist er Ehrenmitglied ihn vielen Vereinen. Der Sport brachte für ihn aber auch unzählige außergewöhnlich Begegnungen. So durfte er sich über Einladungen der Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl ebenso freuen, wie über ein Treffen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Bei einem Empfang in Bad Godesberg am 17. September 1985 verlieh Bundespräsident Richard von Weizsäcker Martin Hügerich die Silbermedaille für den Behindertensport.
Rosina und Martin Hügerich feierten ihre diamantene Hochzeit im Kreise ihrer Familie und konnten dabei viele Glückwünsche entgegennehmen. Bürgermeister Robert Hümmer gratulierte im Namen der Gemeinde und würdigte den gemeinsamen Lebensweg und den Zusammenhalt des Jubelpaares. dr