Stephan Herbert Fuchs

In einer Hand ein Leberkäsbrötchen, in der anderen das Handy, so radelte ein 23-Jähriger freihändig durch Neuenmarkt. Einer Polizeistreife kam das komisch vor. Sie stoppte den jungen Handwerker, überprüfte seine Personalien und fand in seinem Rucksack fast zwei Gramm Marihuana.

Weitere knapp zehn Gramm rückte der junge Mann anschließend bei der Durchsuchung seiner Wohnung heraus. Wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln musste er sich nun vor dem Amtsgericht verantworten. Weil er schon dreimal wegen verschiedener Drogengeschichten mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, wurde er nun zu einer relativ hohen Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu je 50 Euro (3000 Euro) verurteilt.

Kein typischer Konsument

"Was wäre, wenn Marihuana straffrei wäre?" Diese Frage stellte Verteidiger Hilmar Lampert aus Bayreuth zunächst in den Raum. Er wollte damit sagen, dass sein Mandant nicht der typische Drogenkonsument sei. Im Gegenteil: Er habe schon als Jugendlicher wegen seiner Hyperaktivität immer wieder mal Marihuana genommen. Immer wieder habe es seitdem Phasen gegeben, in denen der Angeklagte nichts konsumierte. Im Grund möchte sein Mandant auch dauerhaft von der Droge wegkommen, doch gerade im vorliegenden Fall sei er wieder einmal an die falschen Freunde geraten. Das sei aber vorbei. Durch seine Freundin bewege sich der 23-Jährige mittlerweile in einem ganz anderen Kreis und habe auch schon freiwillig mehrere Termine bei der Suchtberatung wahrgenommen.

Ob das alles so stimmt, musste nach der Aussage eines Polizisten wohl eher bezweifelt werden, denn der Beamte der Inspektion Stadtsteinach berichtete, dass der Angeklagte erst vor zwei bis drei Wochen bei einer Verkehrskontrolle auffällig geworden ist.

Der junge Mann hatte dabei nicht nur Alkohol im Blut, sondern soll auch drogenauffällig Erscheinungen gezeigt haben. Ein Untersuchungsergebnis liege allerdings noch nicht vor, so dass diese Sache bei der Urteilsfindung keine Rolle spielen sollte. Zuletzt war der Angeklagte erst im August zu einer Geldstrafe wegen Drogenbesitzes verurteilt worden.

Die letztlich verhängte Geldstrafe von 3000 Euro hatte bereits der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragt. Der Angeklagte sei einschlägig vorbestraft und habe dabei eine massive Rückfallgeschwindigkeit an den Tag gelegt. Verteidiger Lampert wollte eine niedrigere Strafe erreichen und plädierte auf 40 Tagessätze zu jeweils 50 Euro (2000 Euro). Seinem Mandanten sei von Anfang an klar gewesen, dass das Ganze eine Dummheit war.

"Es wird langsam eng"

"Es wird langsam eng", nahm Richterin Sieglinde Tettmann den Angeklagten ins Gebet. Wenn jetzt noch etwas passiere, sei eine Freiheitsstrafe unausweichlich. "Wir haben auch schon wegen eines Gramms Leute einsperren müssen".

Immerhin hielt sie dem Angeklagten zugute, dass er sich kooperativ gezeigt und die zu Hause gebunkerten Drogen freiwillig herausgerückt hatte. Außerdem handle es sich bei Marihuana um eine weiche Droge, die in diesem Fall ausschließlich zum Eigenverbrauch bestimmt gewesen sei. Knapp zwölf Gramm sei aber eben auch keine verschwindend geringe Menge, da müsse die Geldstrafe schon deutlich ausfallen.