Zwei Altäre nebeneinander in einer Kirche, der eine evangelisch, der andere gleich links daneben katholisch. So etwas gibt es nur in einer Simultankirche wie in Untermerzbach. "Simultankirche", das heißt vereinfacht, die Kirche wird von beiden christlichen Konfessionen genutzt, beide halten hier Gottesdienst bzw. Messe. Am morgigen Sonntag, 9. September, dem Tag des offenen Denkmals, findet um 15.30 Uhr in der Untermerzbacher Kirche eine Führung durch Barbara Morgenroth statt.

Günter Lipp, der Kreisheimatpfleger, hat in Geschichtsbüchern geblättert. Schon 1225 werden für "Merzbach" ein Friedhof und eine Kirche genannt. Sie wurde durch einen Kaplan von Ebern betreut, war also eigentlich eine Filiale, bis 1439 der Würzburger Bischof Johannes von Brunn Untermerzbach zur selbstständigen Pfarrei erhob. Noch 1860 hat Untermerzbach für diese Ablösung nach Ebern eine Entschädigung bezahlt!

Im Zeichen der Reformation

Der entscheidende Wandel in der Kirchengeschichte des Ortes kam in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit der Reformation. Lutz von Rotenhan muss kurz nach 1530 in Untermerzbach einen eigenen, lutherisch predigenden Pfarrer angestellt und damit praktisch die Reformation in Untermerzbach eingeführt haben.

Die Gegen-Reformation begann 1585 unter Fürstbischof Julius Echter. Er war bei seiner Einsetzung erst 40 Jahre alt und voller Tatendrang, das Hochstift zu rekatholisieren. Beispielsweise ließ er durch seinen Amtswalter, den Keller von Ebern, den protestantischen Pfarrer von Untermerzbach einsperren, da durch dessen Predigten die Einwohner von Lahm zum Konfessionswechsel ermuntert wurden. Die Zwistigkeiten erreichten einen Höhepunkt, nachdem Georg Wolf (1615 - 1695) von Rotenhan zu Untermerzbach mit seiner ganzen Familie 1670 wieder katholisch geworden war. 1678 drängte er als Ortsherr darauf, den katholischen Gottesdienst simultan in der evangelischen Kirche wieder einzuführen. Aber die Untermerzbacher und die Herren von Lichtenstein als Patronatsherren waren dagegen. Es kam zu Gewalt. Beide Seiten besetzten in diesem Jahr die Kirche mit Bewaffneten.

Für beide Konfessionen

1691 wurden bereits katholische Messen in der Kirche gefeiert und im Juni 1696 dann auf Drängen der katholischen Rotenhan ein Simultanabkommen geschlossen. Im Pfarrarchiv von Untermerzbach gibt es dazu zahlreiche Verträge und Unterlagen. Von 1696 an konnte die Pfarrkirche (und der Friedhof!) offiziell von beiden Konfessionen genutzt werden. Die Kirche bekam einen katholischen und einen protestantischen Altar.

Trotzdem gab es in der Folge immer noch Streitigkeiten, Störungen der Gottesdienste, Beschwerden und Klagen vor dem Reichsgericht. Der katholische Anteil des Patronatrechts wechselte später zum Hochstift Würzburg, der evangelische ging auf die Familie von Hendrich und 1808 vollständig an den bayerischen Staat über. Der Vertrag von 1696 aber blieb grundsätzlich gültig.

Noch 1929 heißt es in der statistischen Beschreibung der bayerischen Landeskirche: "Kir-che zu Untermerzbach, simultan. Die Katholiken der Pfarrei Kaltenbrunn sind berechtigt, zwei Sonntage nacheinander den Vormittagsgottesdienst nach dem der Protestanten zu halten. Am 3. Sonntag und an den Festtagen - ausgenommen die zwei Feiertage am Kirchweihfest und am Kilianitag - haben die Katholiken auch Nachmittagsgottesdienst und zwar vor den Protestanten. Auch werden die Kasualien (Anm. die Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen) für die im Pfarrbezirk wohnenden Katholiken in Untermerzbach vollzogen."

"Nur eine Vereinbarung"

Der frühere Untermerzbacher Pfarrer Joachim Kloß wehrte sich im übrigen immer gegen den Begriff "Simultankirche" für Untermerzbach, da es hier keine doppelten Besitzrechte gibt, sondern nur eine Vereinbarung.

Ein kleiner Rundgang: Valentino Pezzani hat die Kirche in Untermerzbach 1707/1708 im Westen an den mittelalterlichen Turm angebaut. Es ist eine Saalkirche, mit einer erst 1749/50 eingefügten Empore, wie sie für evangelische Kirchen typisch ist. Sie umläuft drei Seiten und macht die Kirche etwas eng. Den Patronatsstand nannten die Untermerzbacher höflich den "Grafenstand" und heimlich "Affenstand". Der Lehrer, der Arzt und der Pfarrer sollen an der Nord- und Südseite gesessen haben.

Die beiden Altäre

Der katholische barocke Altar zeigt als Bild die Aufnahme Mariens in den Himmel. 1891 wurde er gründlich renoviert. Die Abkürzung "G.N.V.R" oben bedeutet "Gräfin Natalie Von Rotenhan". Sie war Hofdame am bayerischen Königshof. 1893 ist sie gestorben. Ihr Grab liegt vor der Kirche im Friedhofsteil der Grafen Rotenhan.

Der evangelische Altar steht rechts davon, in der Mitte der Kirche. Er ist als schlichter Kan-zelaltar ausgebildet und verdeckt so die Sakristei und die Stiege im Turmsockel.

Ein großformatiges Bild der Altäre aus Untermerzbach war 2017 in der Lutherausstellung in Coburg als typisches Beispiel für ein Simultaneum zu sehen.

Mehr als einen kurzen Blick verdient die Ausstattung der Kirche. So soll das spätgotische Kruzifix aus der Schule von Veit Stoß stammen. Der Orgelprospekt über dem Patronatsstand stammt von 1711, von einem Seßlacher Orgelbauer. 1891 wurde hier eine neue Orgel eingebaut. Eine Besonderheit in der Untermerzbacher Kirche sind drei Epitaphien, also Gedenksteine.

Am ältesten ist der für Matthes von Rotenhan zu Merzbach und Lahm. Er stammt von 1591. Das jüngste Epitaph steht für Otto Adolf Wolf Graf von Rotenhan. Die Platte ist ganz in schwarz gehalten. Der hoff-nungsvolle Leutnant starb in österreichischen Diensten 1841 in Wien an Typhus. Er wurde nur 19 Jahre alt. Der ausführliche Text lässt die Trauer der Eltern spüren.